„Oh hallo Fremde, kommen Sie ruhig herein, kann ich helfen?“, fragte Jake, als seine Frau in sein
Zimmer geschlendert kam und ihn fragend ansah. „Bist du bescheuert?“, fragte sie auf ihre gewohnt
charmante Art und Jake grinste. „Ja, Sie sind meiner Ehefrau sehr ähnlich, ich war nämlich mal
verheiratet, aber irgendwann hat meine Frau aufgehört sich um mich zu kümmern!“, sagte er und
jetzt erst kapierte Estelle was er meinte. „Ach Jake es tut mir Leid, ich weiß dass wir wenig Zeit
miteinander verbracht haben, aber die Sache mit Aereen ist schrecklich – sie ist wie ein kleines Baby!
Bitte mach mir nie ein Baby… ich kann das überhaupt nicht!“, jammerte Estelle, setzte sich auf den
Stuhl neben ihrem Mann und legte ihre langen Beine auf seinem Schoß ab. „Keine Sorgen, wenn wir
so weitermachen wird das nicht passieren, denn dafür müssten wir ja miteinander schlafen!“,
scherzte Jake und massierte Estelles Füße. „Ich hoffe dass Jonathan ihr helfen kann – ansonsten
gehen mir so langsam die Ideen aus. Ich les ihr schon jeden Tag aus dem bescheuerten Tagebuch vor,
dass ich geschrieben habe, aber sie zeigt überhaupt keine Reaktion. Nicht mal als ich ihr gesagt habe
dass wir geheiratet haben, ist das zu fassen?“ „Na irgendwann wird sie es schon kapieren. Hast du dir
eigentlich schon Gedanken wegen Halloweenkostümen gemacht?“, fragte er dann um sie ein wenig
abzulenken. „Ach ich hab da gar keinen Bock drauf… du kannst doch alleine gehen, mit den Jungs
oder so!“ „Vergiss es, du gehst mit, ich hab keinen Bock überall alleine hinzugehen…ich war auf der
Grillparty schon alleine, wozu hab ich denn schließlich ne Frau!“ „In guten wie in schlechten Zeiten,
Baby! Ich überleg mir was für Halloween… aber jetzt muss ich erst mal wieder rüber zu Aereen! Aber
ich komm wieder versprochen!“, sagte sie und gab Jake einen Kuss, bevor sie wieder davon huschte.


„Ich hasse den Herbst – Vorschlag für nächstes Jahr, wir sägen diese ganzen Laubbäume einfach ab
und sparen uns dann im Herbst die scheiß Arbeit mit dem Laub!“, meckerte Chris. „Ach komm, halt
die Klappe du Memme! Wir sind doch gleich fertig!“, sagte Joker und fuhr die Schubkarre weg.
Während sich die Mädels bereit erklärt hatten, das Haus auf Vordermann zu bringen und fleißig am
Fenster putzen, kehren und wischen waren, sorgten die Jungs im Garten und im Hof für Ordnung.
„Das einzig gute am Herbst ist Halloween!“, sagte Chris und grübelte. „Na überlegst du wie ihr euch
verkleidet? Du und Bonny, ihr könntet als altes Ehepaar gehen!“, zog Joker seinen Kumpel auf. „Nee,
ich hab überlegt wie wir das mit den Zwillingen machen… ich glaube Bonny würde ungern auf die
Party verzichten, ich aber auch nicht!“, seufzte er. „Ihr könnt die Zwillinge bei mir Zoe und Alex
lassen. Ich bin diesmal dran. Mary will mit Lily auf die Party!“, bot Phönix ihm an. „Na das Angebot
würde ich ja direkt mal annehmen – ich quatsch mal mit Bonny. Freust du dich schon auf deinen
Mädels Abend mit den Alex und Zoe? Bestimmt schaut ihr Sex and the City und legt Gurkenmasken
auf!“ „Wenn Sex and the City läuft, leg ich mir sogar freiwillig Gurken auf die Augen, damit ich die
alten Weiber nicht anschauen muss!“, lachte Phönix und Joker sah ihn empört an: „Also ich finde
Charlotte heiß!“ Sofort waren alle Blicke auf ihn gerichtet. „Was schaut ihr jetzt so? Bei Sex and the
City kann man viel lernen – darin kommt alles vor was Frauen mögen. Das ist wie ein Ratgeber für
Männer. Und Charlotte ist heiß!“, betonte er noch einmal, bevor er sich wieder dem Laub widmete.
„Also Brüderchen, gut Aufpassen beim Mädelsabend, vielleicht klappts dann auch mit den Frauen!“,
grinste Jake.


„Hey Aereen, wir haben dir Besuch mitgebracht!“, kündigte Estelle fröhlich an, bevor sie Jonathan in
Aereens Zimmer bat. „Hi Aereen, ich bin Jonathan!“, sagte er ruhig und Estelle traute beinahe ihren
Augen nicht, als ihre Freundin ihn daraufhin überhaupt eines Blickes würdigte. Nachdem Aereen
Jonathan eine Weile angestarrt hatte, wendete sie den beiden allerdings wieder den Rücken zu.
„Estelle hat mir gesagt, dass du am Arm verletzt bist – kann ich mir das kurz ansehen? Vielleicht kann
ich dir helfen!“, erklärte er bedacht und setzte sich neben Aereen, die sich kurz darauf aufrappelte
und ihm ihren geschwollenen Unterarm entgegenstreckte. Nachdem Jonathan ihn abgetastet hatte
nickte er beruhigt. „Es ist nur geprellt, nicht gebrochen… Estelle kann ich dein Tuch haben? Dann
machen wir ihr eine Armschlinge, damit der Arm gestützt und geschont wird!“ „Das ist mein
Burberry-Schal – der kostet 120 Euro!“, antwortete Estelle entsetzt und ging kopfschüttelnd zu
Aereens Kleiderschrank. „Sorry, was überteuerte Klamotten angeht, hab ich leider keine Ahnung. Ich
interessiere mich eher für nebensächliche Dinge, wie zum Beispiel Medizin!“, antwortete Jonathan
gelassen. Estelle zog ihren Kopf aus Aereens Kleiderschrank und wollte Jonathan gerade einen Spruch
entgegenfeuern, als sie erschrocken die Hände vor ihrem Mund schlug. „Oh mein Gott – Aereen hast
Du gerade gelacht?“, sagte sie als wäre es etwas Furchtbares. Doch ihre Freundin hatte bereits
wieder ihren neutralen Gesichtsausdruck angenommen und sah zu Boden. „Naja, war ja auch
ziemlich amüsant!“, grinste Jonathan und fing den Schal auf dem Estelle ihn genervt zuwarf: „Ja ich
hab mich wirklich beinahe tot gelacht!“


„Und du glaubst wirklich, dass das etwas bringt?“, fragte Estelle zweifelnd, nachdem Jonathan ihr
Phönix und Saira empfohlen hatte so normal wie nur möglich umzugehen! „Wenn ihr ihr ständig das
Gefühl gebt, dass mit ihr etwas nicht stimmt, wird sie das für sich auch nicht ablegen können!“,
wiederholte Jonathan sich. „Also ich finde wir sollten es versuchen!“, sagte Saira, schüchtern wie
immer. „Also ich weiß ja nicht ob Verdrängung tatsächlich die Lösung ist – sie muss sich doch ihren
Problemen stellen und vor allem darüber reden!“, entgegnete Phönix, der von Jonathans Vorschlag
nicht sonderlich begeistert war. „Und auf welchen Grundlagen beruht deine Meinung?“, fragte dieser
gelangweilt, denn Phönix skeptisches Verhalten ging ihm so langsam auf die Nerven. „Weiß nicht,
vielleicht mein wochenlanger Entzug mit Psycho-Onkel!“, entgegnete Phönix trocken. „Ehrlich jetzt?“
„Nein, ist nur ein Scherz den ich in solchen Situationen ganz gerne mache!“, antwortete Phönix
sarkastisch und Estelle verdrehte die Augen. „Ist ja gut, wir haben verstanden dass ihr euch scheinbar
nicht leiden könnt, aber hier geht’s um Aereen! Und wir sollten tun was Jonathan vorschlägt… und
wenn sie wieder normal ist kann sie anfangen das Ganze zu verarbeiten – ich wäre froh wenn sie
überhaupt mal wieder sprechen würde!“, sagte sie entschlossen und Saira stimmte ihr mit einem
stummen Nicken zu. „Alles klar, so ich muss mich jetzt für die Party fertig machen, Jake will schon in
ner halben Stunde los und mit ein paar anderen in so ne Kneipe zum Vorglühen… Saira wenn du dir
etwas von mir zum Anziehen ausleihen möchtest dann komm mit, später hab ich für so etwas
wirklich keine Zeit mehr!“, plapperte sie während sie aus dem Zimmer ging und Saira eilte ihr
hinterher. Wenig später stand Estelle vor ihrem Kleiderschrank und sah immer wieder zwischen
diesem und Saira hinterher. „Ich kann mir sicher auch etwas aus Aereens Kleiderschrank nehmen!“,
sagte Saira, doch Estelle schien endlich fündig geworden zu sein. „Das hier hab ich mir gekauft aber
nie angezogen – es war mir einfach zu groß – aber dir könnte es passen, obwohl an den Hüften
könnte es etwa eng werden!“, schnatterte sie während sie Sairas Figur von oben bis unten scannte.
„Na andernfalls muss ich wohl nackt gehen!“, entgegnete Saira, die von Estelles überheblicher Art
ziemlich verletzt war. „Na Schätzchen so schlimm, dass man sich davor gruselt ist deine Figur nun
auch nicht – Mary könnte das machen, ich möchte sie wirklich nicht nackt sehen… die hat doch
mindestens Konfektionsgröße 40!“ „Ich probier es einfach an, wenn nicht bringe ich es dir wieder!“,
würgte Saira sie ab und verschwand dann aus ihrem Zimmer.


„Jake, der Sinn vom Vorglühen ist dass man das vor der Party macht! Wo bleibt denn deine Alte?“,
fragte Ved genervt. Er, Kjell, Joker und Justin saßen schon voll kostümiert in der Küche des Internats
und warteten nur noch auf Estelle. „Sie ist meine Frau nicht meine alte!“, korrigierte Jake ihn und sah
dann selbst genervt auf die Uhr. „Meine Frau ist eben so schön, da dauert es halt ein wenig länger
gruslig auszusehen!“ Nachdem eine weitere Viertelstunde vergangen war, entschloss sich Jake
allerdings doch nach oben zu gehen um nach dem Rechte zu sehen. Als er vor Estelles Zimmer stand
öffnete sich die Tür allerdings „schon“. „Da bist du ja, ist das dein Kostüm?“, fragte Jake überrascht,
als er sie beäugte. „Nein, das ist kein Kostüm!“, entgegnete seine Frau. „Achso, denn um ehrlich zu
sein sieht es wirklich furchtbar aus!“ „Ich hab vergessen mir was zu überlegen… ich hab einfach
irgendwas genommen! Den Fetzen hab ich mal von irgend nem Nachwuchsdesigner geschenkt
bekommen!“, erwiderte sie etwas gekränkt. „Naja, so schlimm ist es auch wieder nicht – du siehst in
allem gut aus!“, rettete Jake die Situation und zauberte Estelle damit sofort ein Lächeln auf ihren
Schmollmund. Nachdem die ersten losgezogen waren, wurde das Internat langsam immer leerer. Am
Ende waren nur noch Zoe, Alex und Phönix inklusive der Kids im Wohnzimmer versammelt. Sunny
trug immer noch ihre Halloween-Verkleidung. Bevor sich alle auf die Party verdrückt hatten, war sie
im Internat von Tür zu Tür gegangen um sich allerlei Süßigkeiten zu erhaschen. Nun widmete sie sich
wieder ihrer neusten Lieblingsbeschäftigung: Sie passte auf Pi auf, die inzwischen langsam einschlief.
Auch Alex war todmüde, ihre adoptierte Tochter war ziemlich nachtaktiv was man Alex inzwischen
ansah. „Na Sunny, über ein Geschwisterchen würdest du dich auch freuen, oder?“, fragte Zoe
grinsend. „Ja, Mama und Lily könnten sich ja auch ein Baby holen!“, antwortete Sunny begeistert.
„Schatz, man holt sich nicht einfach ein Baby, das adoptiert man!“, korrigierte Phönix seine Tochter,
die das nur schulterzuckend hinnahm. Nachdem die Kids in ihren Betten verschwunden waren und
eine ganze Reihe an Babyphones auf dem Wohnzimmer-Tisch drapiert wurden, ging es an die DVDWahl
des Abends. „Also ich brauch gar nicht mitreden, ich glaub ich schlaf nach fünf Minuten eh
ein!“, teilte Alex übermüdet mit. „Alles klar – ich bin schmerzfrei, such dir was aus Zoe!“, sagte
Phönix. „Ich weiß ja nicht, ob dir bewusst ist dass ich mich selbstverständlich für Sex and the City
entscheide!“, grinste Zoe. „Ich hab mir sagen lassen, dass Charlotte heiß wäre und dass man dabei
was über Frauen lernen könnte! Und da Sunny mich bei der Planung ihrer Geschwister kategorisch
ausschließt, schein ich da wohl ziemlichen Nachholbedarf zu haben!“


Die Party nahm zur gleichen Zeit erst langsam Fahrt auf – die meisten standen noch ziemlich
verhalten an der Bar und nur wenige hatten sich bis jetzt auf die Tanzfläche verirrt. „Hoffentlich wird
das noch besser!“, sagte Mary skeptisch und Lily nickte zuversichtlich. „Bestimmt – heut lassen wir
beide so richtig die Sau raus!“ Nachdem sie kurz mit der Barkeeperin gesprochen hatte, stellte ihnen
diese eine Flasche Sekt vor die Nase. „Oh du meinst das mit dem Sau rauslassen ja richtig ernst!“,
lachte Mary überrascht. „Ja, heute ist mal ein Abend nur für uns – wir feiern einfach mal – so wie
man das eben tut, in unserem Alter!“, sagte sie überschwänglich und Mary hielt ihre Hand an Lilys
Stirn. „Süße hast Du Fieber? Was ist los mit dir?“ „Nichts – ist doch völlig normal – wir sitzen die
meiste Zeit zuhause rum, total spießig! Dabei sind wir doch überhaupt nicht spießig“, lachte Lily und
Marys Blick wurde immer ratloser. „Ähm…hast du irgendwas auf dem Herzen? Du bist total komisch
Lily!“ „Hannah hält mich für spießig! Und ganz ehrlich das aufregendste was wir die letzten Wochen
gemacht haben war ein Quicki unter der Dusche! Wir gehen nie weg – und wir haben Schlafanzüge!
Schlafanzüge Mary, der Inbegriff von Spießigkeit!“ „Sie ist deine kleine Schwester – sie wird dich
immer für zu erwachsen und zu spießig halten – das ist doch völlig normal!“, lachte Mary.
„Außerdem sind wir nicht spießig, wir sind lesbisch und ohne die Schlafanzüge hätten wir gar nichts
was wir uns vom Körper reißen könnten!“, grinste sie dann. „Ach ich weiß nicht, früher waren wir
beste Freundinnen und jetzt streiten wir uns nur noch!“ „Hannah ist 16 – erinner du dich doch mal
dran, wie du mit 16 warst – also ich war gerade schwanger und das furchtbarste für mich daran war
dass ich nicht rauchen, trinken und kiffen durfte!“, erwiderte Mary lachend. „Als ich 16 war habe ich
meine Eltern verloren, weil der Virus ausgebrochen ist. Ich musste mir keine Sorgen ums rauchen,
trinken und kiffen machen, sondern darum, wo ich etwas zum Essen herkriege und wie ich meine
kleine 11-jährige Schwester beschützen kann! Ich hatte keine Zeit mich wie ein bescheuerter
Teenager aufzuführen okay!“, entgegnete Lily zornig und nahm ihre Jacke. „Ich muss kurz auf die
Toilette!“, murmelte Sie und ließ Mary völlig überrumpelt zurück. „Sagt mal habt ihr Lily gesehen“,
fragte Mary Lisa und Sam, nachdem Sie einige Zeit später endlich jemanden aus dem Tribe entdeckt
hatte. „Nein, aber kannst Du uns sagen wo der Rest ist? Eigentlich wollten wir ja heute unseren
Abschied feiern… nur haben wir die andere hier im Getümmel verloren!“, sagte Lisa. „Oben in der
Lounge saßen ein paar von uns – ich geh auch mit dorthin – vielleicht ist Lily ja dort!“, seufzte Mary.
Tatsächlich fanden sich dort einige Mitglieder der Starlights und auch Lily hatte es sich dort mit
Elmedina und Jessi gemütlich gemacht. Als sie ihre Freundin entdeckte sprang sie sofort auf. „Mary
da bist du ja! Du brauchst dich nicht zu entschuldigen, es ist alles wieder in Ordnung, ich musste mich
nur kurz beruhigen!“, klärte Lily die Sache auf, doch Mary sah sie nur ungläubig an. „Ich mich
entschuldigen? Wow das ist wirklich ein starkes Stück Lily!“ „Ähm… warum? Ich versteh glaub ich
nicht ganz..!“, antwortete Lily grübelnd. „Na stell dir mal vor – ich habe den Virus auch miterlebt –
und ich wäre froh gewesen hätte ich eine Schwester gehabt. Aber ich hatte ein Baby, Sunny war erst
drei Monate alt als der Virus ausbrach, glaub mir das war auch nicht gerade prickelnd. Sei nicht
immer so egoistisch Lily, das ist echt unsexy!“, wetterte Mary „Daran hatte ich nicht gedacht Süße –
ich war nur sofort auf 180 und da sind mir wohl die Sicherungen durchgebrannt….!“, entgegnete Lily
ehrlich. „Ist ja auch okay, vergessen wir das. Los jetzt lass uns einen schönen gemeinsamen Abend
verbringen – ich will mich gar nicht mit dir streiten!“, antwortete Mary versöhnlich und küsste ihre
Freundin liebevoll.


„Hannah? Wow was für ein Zufall!“ „Oh mein Gott, was suchst Du denn hier?“, entfuhr es Hannah,
die den Jungen der ihr gegenüber stand, geschockt ansah. „Wir feiern Halloween, ist ja schließlich ne
Halloween-Party!“, antwortete dieser grinsend und Hannah sah sich nach dem zweiten Teil von ‚wir‘
um. „Oh das ist Lindsay, meine neue Freundin!“, stellte er ein Mädchen mit pinken Haaren vor.
„Lindsay – klar! Das ist übrigens Keith, mein Exfreund!“, stellte Hannah den Fremden endlich vor und
Saira, Leylie und Noemi nickten überrascht. „Wie geht’s dir so? Haben uns ja schon ewig nicht mehr
gesehen – hast Du auch jemanden?“, fragte er dann und seine Begleitung verdrehte die Augen. Ein
Gespräch mit seiner Exfreundin passte ihr wohl nicht in den Plan. „Ja klar, er ist grad irgendwo hier
unterwegs… wir hocken nicht den ganzen Abend aufeinander, das ist eher ne lockere Sache! Ganz
cool!“, antwortete Hannah lässig und Keith sah sie skeptisch an: „Ne ganz lockere Sache also, so so…
naja, wir gehen dann mal weiter – Lindsay will sich mit ein paar Freundinnen treffen!“ „Na dann
schönen Abend noch!“, sagte Hannah lächelnd und sah den beiden hinterher, bis sie in der Masse
verschwunden waren „Scheiße was mach ich denn jetzt…! Einmal wenn man Phönix braucht ist er
nicht da“, jammerte Hannah und sah die anderen Mädels fragend an. „Na such dir doch nen Kerl –
ich bin mir sicher du findest jemanden, der sich breitschlagen lässt deinen Freund zu spielen!“, lachte
Noemi über die Misere ihrer Freundin. „Ich frage einfach jemanden aus dem Tribe!“, sagte Hannah
dann und sah in Richtung Simon und Joker. „Ähm, wie wäre es mit Joker, er ist doch jetzt Single!“,
warf Leylie hektisch ein, sie wollte auf keinen Fall, dass Hannah Simon als ihren Pseudo-Freund
„verwendete“. „Gute Idee – er zieht bestimmt mit – sagt mir einfach wenn Keith in der Nähe ist,
dann liefere ich ihm eine 1A-Knutschnummer mit meinem sexy Pseudo-Freund!“, kicherte Hannah
und stieß mit den anderen Mädels an. „Sagt mal was haltet ihr eigentlich von unserem neuen?“,
fragte Hannah und Noemi sowie Saira begannen zu kichern. „Ah ihr findet ihn also toll!“, entgegnete
Hannah und Leylie zuckte nur mit den Schultern. „Er ist ganz okay… er ist so ruhig – ich war neulich
zusammen mit ihm in der Küche und er hat die ganze Zeit kein Wort geredet, das war so ein
peinliches Schweigen!“ „Saira was ist eigentlich mit dir? Auf welchen Typ Jungs stehst Du?“, fragte
Hannah direkt und Saira lief sofort rot an, was man im schummrigen Disko-Licht zum Glück nicht
erkennen konnte. „Sie hatte mal was mit Chris!“, petzte Leylie und Saira sah ihre Schwester
argwöhnisch an. „Mit Chris? Mit unserem Chris? Ist ja ein Ding… und wie isser so?“ „Was meinst
Du?“, fragte Saira verwirrt und Hannah verdrehte die Augen: „Na du weißt schon, wie er im Bett
ist?“, half ihr Hannah auf die Sprünge und Saira sah sie entsetzt an – sie konnte gar nicht glauben
dass Hannah sie das tatsächlich fragte. „Also über so etwas redet man doch nicht – das ist doch
privat!“, entgegnete sie aufgeregt. „Sorry, ich wusste nicht dass du das so siehst… ich bin was das
Thema angeht vielleicht ein wenig offenherziger!“ „Ja das kann ich bestätigen – ich weiß Dinge über
Phönix die ich eigentlich nie wissen wollte!“, entgegnete Noemi ihrer Freundin. „Ach übrigens, dein
Exfreund – über den ich auch sehr viele private Details weiß – steht gerade in Knutschweite!“, fügte
sie dann noch hinzu, woraufhin sich Hannah auf der Stelle umdrehte und freudestrahlend auf Joker
zuging. „Die Hure!“, hörte Jake kurz darauf seine Frau schimpfen und sah sich nach dem Ziel ihrer
Beleidigung um. Nachdem er ihrem verblüfften Blick gefolgt und schließlich auf Hannah und Joker
gestoßen war, erkannte er wem ihr lieblicher Ausspruch wohl galt. „Siehst du das? So eine Schlampe!
Macht die mit jedem rum“, wetterte Estelle lautstark. Dank Estelle war nicht nur Jake auf Joker und
Hannah aufmerksam geworden. „Ich glaubs ja nicht – ich… sag mal kann sich das Kind nicht mal nen
Kerl in Ihrem Alter suchen!“, jammerte Lily und Mary lachte angeheitert: „Sei froh dass es den Virus
gab, sonst würde sie wahrscheinlich mit einem 40jährigem rumknutschen!“ Lily sah Mary kurz ernst
an und brach dann in schallendes Gelächter aus: „Na da kann ich mich wohl noch glücklich schätzen!“


„Na ihr drei hübschen, darf ich euch nen Drink spendieren?“, fragte ein Fremder Noemi, Leo und
Saira, die an der Bar saßen, ein gutes Stück später. „Vergiss es, hier gibt’s nichts zu holen! Wir sind
zwar drei heiße Blondinen, aber wir haben kein Interesse okay!“, lallte Leo und der Jungs ging
kopfschüttelnd davon. „Sag mal hat sich Hannahs Ex-Freund vorhin nicht schon verabschiedet?“,
fragte Noemi angetrunken. „Ja und ich kann mich gut erinnern, dass ich seinen Arsch toll fand!“,
lachte Leo. „Und wieso macht Hannah dann immer noch mit Joker rum?“ „Na vielleicht weils Spaß
macht und sie uns dann wieder sämtliche Details ihres Liebeslebens ausbreiten kann!“, mutmaßte
Saira die aufgrund einiger Drinks ihre Schüchternheit über Bord geworfen hatte. „Sie machts richtig,
nicht so wie ich – dieses ewige rumgeflirte und am Ende sitz ich alleine hier und glotz zu wie andere
Mädels meinen Kerl abschleppen!“, seufzte Leo und Noemi sah sie verwirrt an. „Joker ist dein Kerl –
sag mal hab ich was nicht mitgekriegt?“ „Ach Quatsch, doch nicht Joker, nen Kerl mit Kind hatte ich
schon, da spielt man immer nur die zweite Geige – ich meine Jamie – er ist mit irgend so ner
Schnepfe in die Bar verschwunden! Dabei wären wir so ein tolles Paar!“ „Hmm… es kommt schon
noch der Richtige für uns!“, sagte Noemi und versuchte möglichst positiv zu klingen. „Scheiß auf den
Richtigen – ich will Jamie!“, lachte Leo lauthals und jammerte dann: „Ich bin so betrunken….!“ „Hey
Blondies!“, ertönte auf einmal Estelles Stimme. „Wir gehen nach Hause – will jemand mit?“, fragte
sie genervt. „Oh ja sicher, bei deiner guten Laune will sofort jeder mit!“, murmelte Saira doch
scheinbar hatte sie sich ein wenig in der Lautstärke verschätzt, denn Estelle hatte jedes Wort
verstanden. „Was wird denn das – Zwergenaufstand? tz…!“, zischte Estelle und schüttelte den Kopf.
„Jake wir sollten Joker mitnehmen, bevor Hannah ihn noch auffrisst!“, sagte sie dann und ihr Mann
nickte nur. „Er wird dir ja so dankbar sein – lass ihn doch seinen Spaß!“, mischte sich Leo ein, doch
Estelle verabschiedete sich von ihr nur mit einem „Halt die Klappe Schnapsdrossel“ und kehrte ihr
dann den Rücken zu.


„Also wir wollen ja wirklich nur ungern stören, aber…!“, sagte Jake als die beiden bei Hannah und
Joker ankamen. „Oh doch wir wollen stören – Joker gehst du mit nach Hause?“, fiel Estelle ihm ins
Wort und Hannah sah sie überrascht an. „Sittenpolizei oder was wird das hier?“, fragte sie
übermütig. „Na einer muss sich ja wohl drum kümmern, Joker, wie siehts denn jetzt aus, kommst Du
mit?“, fragte Estelle noch einmal und Joker lief schnurstracks auf den Ausgang zu.
„Jetzt weiß ich von wem Lynn dieses Geschreie hat, sobald sie etwas nicht bekommt!“, lachte Bonny
nachdem sich Chris über das Barpersonal beschwerte, dass es mal wieder nicht geschafft hat die
richtigen Getränke zu bringen. „Ja klar und Logan hat all deine angenehmen und ruhigen
Charakterzüge abbekommen, versteh schon!“, grinste Chris und trank angewidert von seinem
Cocktail. „Sag mal du und Jamie ihr versteht euch doch eigentlich ganz gut oder?“, fragte er Bonny
anschließend und sie bejahte das ganze skeptisch. „Warum fragst du das?“ „Naja, nur so … hat er
neulich mal irgendwas über mich erzählt? Wir hatten neulich mal nen Männerabend und ich glaub
ich hab ziemlich viel Blödsinn geredet!“ „Nein hat er nicht, über was habt ihr denn geredet?“, fragte
Bonny neugierig, doch Chris winkte nur ab. „Männersachen eben!“ „Ahja, Männersachen also… klar,
davon verstehe ich nichts!“ „Davon willst Du nichts verstehen, glaub mir! Sag mal suchst Du
jemanden?“ „Nein, nein … ich halte nur Ausschau nach Leo!“, erwiderte Bonny, die sich immer
wieder den Hals verrenkt hatte um in die Menge zu blicken. „…und Jamie!“, vervollständigte Chris
ihren Satz und sie verdrehte nur die Augen. „Die beiden fahren total aufeinander ab – aber irgendwie
hab ich das Gefühl dass das ganze einfach nicht hinhaut!“ „Ach Quatsch, wieso denn nicht – bei uns
klappt das doch auch!“, plauderte Chris und kaum hatte er seinen Satz ausgesprochen bereute er es
auch schon. „Also wir sind ja jetzt kein Paar oder so, aber durch die Kinder verbringen wir natürlich
viel Zeit miteinander!“, fügte er schnell noch hinzu und Bonny nickte nervös, bevor sie eilig
aufsprang. „Ich hab Leo gesehen, ich lauf ihr besser mal schnell hinterher!“, rief sie. „Wir sehen uns
dann oben bei den anderen!“


„Hier sitzt du rum, wir haben dich ewig gesucht! Du hättest ruhig auf uns warten können!“, sagte
Jake als er Joker endlich auf einer Bank vor der Party-Location gefunden hatte. „Hätte ich nicht, mir
war so schlecht – die kleine Lily bechert wie n Kneipenwirt!“ „Ja jeder hat so seine Talente!“,
erwiderte Jake amüsiert und half Joker beim Aufstehen. „Ich sollte vielleicht nochmal zur kleinen Lily
gehen, was soll denn ihr Exfreund jetzt denken – ihr müsst schließlich wissen, dass ganze nur zur
Show gemacht haben!“, lallte Joker. „Ja eure Darstellung war überaus überzeugend. Man hätte es
euch glatt abkaufen können, allerdings ist Hannahs Exfreund schon vor ner Weile gegangen!
Scheinbar wart ihr zu abgelenkt um das mitzukriegen!“ „Verdammt… jedes Mal an Halloween… das
ist ein Fluch!“, plapperte Joker weiter und Estelle versuchte ihm mit wilder Mimik klar zu machen,
dass er wohl besser die Klappe halten sollte. „Nein Estelle wirklich – ich mein Aereen hat dir doch
bestimmt erzählt, dass wir damals was miteinander hatten, das war auch an Halloween… ist das nicht
erschreckend?“, sinnierte Joker und stolperte neben Estelle und Jake her. „Einzig und allein deine
Blödheit ist erschreckend. Was glaubst Du warum ich diesen Gesichtsfasching hier veranstalte. Solche
Dinge solltest Du nicht vor Jake erzählen, er hasst seinen Bruder, das heißt er wird es ihm erzählen!“,
entgegnete Estelle und Jake sah die beiden gelangweilt an. „Ich kann euch hören – jedes einzelne
Wort!“, sagte er und sah Joker dann angewidert an: „Mit Aereen? Ehrlich jetzt? Wow!“ „Wir waren
betrunken okay… außerdem war Phönix damals schon fast mit Leo und ich fast mit Zoe zusammen –
es war wirklich nichts Ernstes!“ „Alter sei froh dass Zoe schon Schluss gemacht hat, spätestens jetzt
würde sie es nämlich tun. Und meine liebe Ehefrau, ich werde meinem Bruder davon natürlich nichts
erzählen, ich nehme an irgendwer aus dem Tribe hat das schon längst gemacht!“ „Oh verdammt,
Phönix wird mich umringen… ich muss am Wochenende mit ihm auf diese Tribeversammlung, ich bin
mir sicher dass ich das nicht überlebe… könnt ihr kurz warten, ich bin gleich wieder da!“, sagte Joker
und verschwand ins Gebüsch, aus dem kurz darauf Würgegeräusche zu hören waren.


„Oh Gott oder weißt du noch dieser Talkshow Hype?“, fragte Simon Leylie, die zusammen in der Bar
saßen und über das Fernsehprogramm vor dem Virus quatschten. „Oh Gott ja – oder diese ganzen
Soaps… GZSZ und den ganzen Scheiß!“ „Heutzutage brauchen wir das gar nicht mehr, ehrlich bei uns
im Tribe geht’s drunter und drüber… das ist wie ne Live-Soap. Sag mal hast Du dir schonmal überlegt
wieder zurückzukommen?“, fragte Leylie spontan. Sie wollte Simon schon länger fragen, doch bisher
hatte sich nie die passende Möglichkeit geboten. „Ach ich weiß nicht, jetzt wo ich mir meine kleine
Bruchbude so gut hergerichtet habe… ich hab jetzt sogar wieder eine Treppe – naja, ehrlich gesagt ist
es eine Leiter, aber man kann jetzt oben schlafen. Blöderweise tropft es dort allerdings weil das Dach
undicht ist!“ , lachte Simon und Leylie grinste angestrengt. Das sollte wohl Nein bedeuten. „Aber es
ist doch sicher langweilig…. vermisst du es nicht manchmal jemanden zum Reden zu haben?“, fragte
Leylie nachdenklich. „Deshalb freu ich mich ja immer so auf deine Besuche – das ist wirklich der
Nachteil, aber mir ist eine Katze zugelaufen… die widerspricht mir wenigstens nicht!“, grinste Simon.
„Ist ja süß – vielleicht sollte ich dich doch mal wieder besuchen… dann kann ich mir gleich die neue
Treppe zeigen!“ „Du kannst ja auch bei mir pennen… in dem Viertel wo ich wohne gibt’s nämlich
total coole Bars!“ „Dann muss ich nur eine Regenjacke mitbringen!“, kicherte Leylie und Simon sah
sie verwirrt an. „Das war ein Witz - Na ich dachte dein Dach ist undicht!“, erklärte sie und Simon
kapierte endlich was sie meinte. „Ich dachte auch dass du auf der Couch schläfst, die ist im EG, da
regnets nicht rein“, erwiderte er etwas unsicher und Leylie verdrehten die Augen. „Ich sagte doch das
war nur ein Witz! Außerdem hast du ja scheinbar deine kleine Miezekatze zum kuscheln!“,
überspielte Leylie die Situation. „Hey da bist du!“, hörte Leylie plötzlich die Stimme ihrer
Zwillingsschwester, die unerwartet gut drauf war. Als Leo und Noemi hinter ihr auftauchten war ihr
sofort klar, dass das wohl am Alkohol liegen musste. „Ich lass euch Mädels mal allein – Justin steht da
üben auch ganz alleine rum, ich glaube der kann meine Gesellschafter ganz gut vertragen!“,
entschuldigte sich Simon und Leylie sah ihm hinterher. „Wär das jetzt ein Comic würden um dich
herum lauter Herzchen schweben!“, kicherte Noemi und Leylie sah aufgebracht an. „So ein
Blödsinn!“ „Hey Simon ist ein toller Typ – außerdem macht er viel Sport – habt ihr ihn schonmal ohne
T-Shirt gesehen? Also ich schon!“, sagte Leo mit einem breiten Grinsen woraufhin Leylie sie
eifersüchtig ansah. „Nicht was du denkst – beim Schwimmen… !“, erklärte Leo. „Wir sind gute
Freunde!“, erwiderte Leylie und klang dabei fast ein wenig verbittert, denn gerade als sie den Satz
aussprach wurde ihr klar, dass Simon das womöglich tatsächlich so sah. „Was seid ihr drei eigentlich
für ne Combo? Noemi warum bist du nicht bei Hannah? Und Leo warum hängst du nicht mit Jamie
rum?“, fragte Leylie um von sich abzulenken. „Hannah macht heute Familienabend mit Lily!“ „Und
Jamie ist ein Arschloch!“, ergänzte Leo und fragte sich dann warum Leylie plötzlich eifrig den Kopf
schüttelte. Als sie plötzlich Jamies Stimme hinter sich hörte wusste sie warum. „Also das musst Du
mir aber mal genauer erklären!“, sagte er und Leo biss sich schuldbewusst auf die Lippen. „Also wir
gehen dann mal weiter!“, verabschiedeten sich die drei Mädels und Leo hätte sie dafür am liebsten
erwürgt. Leo überlegte kurz und entschied sich dann kurzerhand doch mit der Wahrheit
herauszurücken. „Du hast mir heute weder ein Kompliment für mein Kostüm gemacht, noch hast Du
mich in die Bar eingeladen und zu allem Überfluss gehst du auch noch mit ner anderen Tussi in die
Bar!“ „Okay, ich verstehe. Also, du siehst heute sehr gut aus, sexy und elegant und deshalb frage ich
dich hier und jetzt, möchtest Du mit mir in die Bar gehen?“, fragte Jamie grinsend und Leo konnte
ihren trotzigen Gesichtsausdruck nicht aufrechterhalten. „Sag mir erst wer die Tussi war?“ „Das war
eine ehemalige Klassenkameradin die mir schon in der 3. Klasse Liebesbriefe geschrieben hat!“,
erklärte Jamie genervt. „Ich hatte ja gehofft dass du irgendwann auftauchst und mich von ihr erlöst,
aber du hast dich lieber ohne mich betrunken. Ich denke wir sind quitt!“, sagte Jamie und Leo nickte.
„Na gut, und ja ich möchte mit dir in die Bar gehen, da drüben sind gleich zwei Plätze frei!“


„Du störst total im Gesamtbild!“, sagte Leo einige Zeit später zu Hannah, die sich zur ihr, Saira und
Noemi gesellt hatte. „Dass hier ist der Blondy-Club!“, kicherte sie und Hannah bleckte ihr die Zunge.
„Dass ihr nicht die anonymen Alkoholiker seid war mir schon klar!“, sagte sie mit einem Blick auf die
Flasche Tequila. „Wo ist denn Jamie hin?“, fragte Hannah neugierig. „Ach der ist vorhin schon mit
Bonny und Chris nach Hause! Und da Leylie gerade wieder Simon in der Bar anschmachtet, hab ich
Bonny versprochen dass ich sie später nach Hause bringe! Außerdem wollte ich noch nicht nach
Hause!“, erwiderte Leo grinsend. „Alles klar – die meisten sind schon nach Hause… was soll das denn
für ne Party sein! Jonathan, Kjell und Justin hab ich noch rumstehen sehen, ansonsten tote Hose!“
„Tja, wir sind halt die jungen Wilden!“, lachte Noemi und die Mädels stießen an. „Und über wen
lästert ihr gerade?“, fragte Hannah und die anderen drei Mädels sahen zu Jonathan und Justin. „Wir
haben über Jonathan gesprochen, dass er so ruhig ist. Und Noemi meinte, dass sie sich von ihm auch
ganz gerne mal Mund-zu-Mund-Beatmen lassen würde!“, kicherte Leo und Noemi sah sie entrüstet
an. „So hab ich das bestimmt nicht gesagt – ich hab nur gesagt dass das eine Möglichkeit wäre, wenn
man Interesse hätte, was ich allerdings nicht habe!“ „Würde Aereen sich nicht in ihrem Zimmer
verbarrikadieren und endlich aufhören ihre Freak-Show abzuziehen, hätte sie das bestimmt schon
gemacht!“, scherzte Leo, doch Saira konnte ganz und gar nicht über ihren Witz lachen. „Hör auf so
über sie zu reden!“, sagte sie bestimmt und Leo sah sie überrascht an. „Darüber macht man keine
Scherze – ihr geht es wirklich schlecht – so eine Misshandlung oder Verwaltigung oder was auch
immer diese Kerle ihr angetan haben, verarbeitet man nun mal nicht in einer Woche!“, redete Saira
aufgebracht weiter, sie wurde sogar richtig laut und Noemi, Leo und Hannah sahen sie betroffen an.
„Das war doch nur so daher gesagt!“, antwortete Leo und man sah ihr ihr schlechtes Gewissen nur
allzu deutlich an. „Dann überleg das nächste Mal, bevor du den Mund aufmachst!“, sagte Saira nur
und sprang dann von ihrem Barhocker. „Ich geh jetzt nach Hause, ich gehe zusammen mit Leylie – ihr
könnt gerne noch hier bleiben!“, verabschiedete sie sich und machte sich auf um ihre Schwester zu
suchen. Als Saira vor Leylie stand erkannte diese gleich, dass mit ihrer Schwester etwas nicht
stimmte. „Ist alles okay bei dir?“, fragte sie besorgt und Saira nickte: „Ja aber ich möchte gerne nach
Hause… begleitest Du mich?“ „Na klar – Simon bleibst du noch hier oder gehst du auch mit? Ein Stück
unseres Nachhauseweges ist ja der selbe?“, fragte Leylie hoffnungsvoll, doch Simon schüttelte nur
den Kopf. „Ich bleib noch nen Moment, ich wollte nochmal zu Justin und den beiden anderen Typen
rüber!“ „Ok!“, antwortete Saira knapp und Simon verabschiedete sich nur kurz. „Es tut mir Leid – du
hättest bestimmt noch bleiben wollen oder?“, fragte Saira als die beiden draußen waren. „Er hat
mich zur Verabschiedung ja noch nicht mal umarmt… !“, antwortete Leylie enttäuscht und Saira
zuckte nur mit den Schultern. „Das muss doch gar nichts heißen – vielleicht hat er sich vor mir nur
nicht getraut!“, sagte sie dann grinsend und Leylie sah sie tadelnd an: „Ja genau – ganz bestimmt!“


„Du hast da gewohnt? Auf dem Armeegelände? Ist ja krass!“, sagte Kjell nachdem Ihnen Jonathan ein
wenig über sich erzählt hatte. „Hast Du auch ne Knarre?“, fragte er dann und Jonathan schenkte ihm
nur ein müdes Lächeln. „Wenn du ihn weiter so nervst wirst du das sicher bald erfahren!“, lachte
Justin, doch Kjell zeigte sich weiterhin unbeeindruckt. „Na wenn er von sich aus nichts erzählt – he
da kommt ja mein Schatz!“, rief Kjell plötzlich als Leo, Noemi und Hannah auf sie zukamen. „Na
Jungs, wir sind wohl die letzten, die anderen haben uns alle schon verlassen!“, sagte Hannah und sah
auf die Uhr. „Dabei ist es erst halbfünf!“, grinste sie. „Na, willst Du etwas trinken?“, fragte Kjell
nachdem er seinen Arm um Noemi gelegt hatte. „Nein, will ich nicht – kannst Du nicht mehr selber
stehen oder warum musst du dich abstützen?“, fragte sie dann und Kjell grinste sie breit an: „Ich
merk schon, du verschmähst meine Liebkosung… ganz schön widerspenstig! Das mag ich!“ „Und
weißt Du was ich mag? Nüchterne Männer ohne Fahne!“, entgegnete Noemi und wand sich aus Kjells
‚Würgegriff‘. „Und Justin, wie ist das Single-Leben?“, fragte Hannah nach einer Weile des
Schweigens. „Er stellt sich total an – da kommt vorhin ein Mädel her, die war total süß und er lässt
sie abblitzen!“, kam Kjell Justin zuvor und dieser verdrehte nur die Augen. „Woher willst du wissen
ob sie süß war – man hat sie ja durch ihre Verkleidung kaum erkannt!“ „Sei nicht so wählerisch!
Schau ich geb mich schließlich auch mit Noemi zufrieden!“, scherzte Kjell und Noemi warf ihm einen
tödlichen Blick zu. „Hey Leo, magst Du nochwas trinken?“, fragte Hannah und Leo nickte nur.
Seitdem Saira ihr über den Mund gefahren war, war ihre Laune auf dem Tiefpunkt. „Ach komm,
nimms dir nicht so zu Herzen – Saira war nur ein wenig angetrunken, da ist sie halt emotional
geworden!“, sagte Hannah und Leo lächelte sie gezwungen an. Dass Saira sie so angefahren hatte
machte Leo nichts aus, aber die das was sie über Aereen erfahren hatte, hat sie ziemlich erschüttert.
Und gerade sie, die jahrelang unter den Misshandlungen ihres Vaters gelitten hatte, machte auch
noch blöde Witze darüber. Dabei wusste sie genau wie Aereen sich gerade fühlen musste. Sie atmete
noch einmal durch und schüttelte dann den Kopf. Eine Party war nicht der richtige Ort für solche
Gedanken. „So hier Leo, teil ihn dir ein – die Bar schließt, das war die letzte Runde!“, sagte Hanna
und reichte Leo den Tequila. „Na dann müssen wir wohl zuhause weitermachen!“, grinste Leo.


Kurze Zeit später liefen bzw. stolperten die sechs nach Hause. Jonathan war der einzige der
einigermaßen nüchtern war oder zumindest so wirkte. „Hey bei uns brennt ja schon Licht – wer ist
denn da noch wach?“, sagte Hannah verwundert und Jonathan sah auf die Uhr. „Es ist ja auch schon
halbsieben, ihr seid in Schlangenlinien gelaufen, da braucht man für den Weg einfach doppelt so
lang!“, sagte er trocken. „Wenn ich 2 Meter lange Beine hätte, wäre ich auch schneller, außerdem
hast du auch keine High-Heels an!“, wehrte sie sich und versuchte währenddessen die Haustür
aufzusperren. Als sich diese plötzlich öffnete fiel sie beinahe in das Foyer des Internats. Sunny hatte
ihnen aufgemacht und sah sie skeptisch an. Natürlich versuchten alle sofort möglichst nüchtern zu
wirken, allerdings scheiterten sie gnadenlos. „Sie hat jetzt bestimmt ein Kindheitstrauma!“, kicherte
Noemi und Phönix der gerade hinter seiner Tochter aufgetaucht war sah sie alle schmunzelnd an. „Ja
das hoffe ich – schließlich sollte das hier eine Abschreckungsmaßnahme sein… wenn wir das noch ein
paar Mal machen, wird sie nie Alkohol trinken wollen! So komm Sunny, Dumbo wartet!“, sagte er
dann und Sunny stürmte sofort ins Wohnzimmer. „Ihr schaut Dumbo??“, quitschte Hannah. „Ja…
Stirb Langsam gefällt Sunny irgendwie nicht!“, antwortete Phönix und ahnte schon was nun kommen
würde. „Ich will mitschauen – das war immer mein Lieblingsfilm… das ist so süß, mit den riesigen
Ohren!“, schwärmte Leo und kaum hatten sich Sunny und Phönix versehen saßen Leo, Hannah,
Noemi, Kjell und Justin mit auf der Couch. Nur Jonathan verabschiedete sich und machte sich auf den
Weg nach oben. Dort hatten sich Chris und Bonny in Chris Zimmer niedergelassen und hatten sich
noch eine Flasche Wein aus dem Keller stibitzt. „Meinst Du wir sollten nicht doch mal nach den Babys
schauen?“, fragte Chris und Bonny kicherte. „Wenn wir sie einmal anhauchen, schlafen die drei Tage
durch! Glaub mir sie sind in guten Händen!“ „Wahrscheinlich hast Du Recht!“, sagte Chris und
schmiss sich auf seine Couch. „Es wird ja schon wieder hell…. immer diese ausschweifenden Partys –
ich dachte man wird ruhiger wenn man Kinder hat!“ „Wir sind ruhiger geworden – was vielleicht
daran liegt dass uns die beiden nicht schlafen lassen, und wir deshalb immer müde sind! Bevor ich
schwanger wurde hab ich ständig Mädelsabende mit Leo gemacht – was wir da weggeballert haben
und du hattest alle zwei Wochen ne andere Tussi!“, sagte Bonny und Chris sah sie empört an. „Na
komm so schlimm war ich nie – zumindest nicht seitdem du mich kennst. Weißt du noch am Anfang?
Da konnten wir uns überhaupt nicht ausstehen!“, lachte Chris. „Allerdings, aber dann kam der
Tequila ….!“, erinnerte sich Bonny. „Oh Gott ja auf der Weihnachtsfeier… aber eigentlich konnte ich
dich schon immer leiden…. allerdings hattest Du zu Beginn diese Geschmacksverirrung, kannst Du mir
bitte mal erklären, was du von Ved wolltest?“, fragte Chris. „Hey er ist total nett okay?“ „Nett… super
– der war überhaupt nicht in deiner Liga, außerdem hat er es nie ernst mit dir gemeint… Jetzt hast du
mich – ich bin sexy, gut gebaut, gut im Bett und nett!“, scherzte Chris. „Na heute sind wir aber
selbstbewusst!“, grinste Bonny und Chris sah sie an: „Kannst Du irgendeinen der aufgezählten Punkte
abstreiten?“, fragte er und bevor Bonny etwas sagen konnte redete er bereits weiter: „Siehst Du –
ich bin ein echt guter Fang. Außerdem liebe ich dich und das konnte Ved wohl nie von sich
behaupten!“ „Ach Du scheisse!“, sagte Bonny schockiert und schüttete auch noch ihren Wein um .
Eine Liebeserklärung von Chris? Damit hatte sie ja nun im Leben nicht gerechnet. „Oh verdammt… oh
verdammt… ich… muss jetzt ins Bett!“ stammelte sie und flüchtete eilig aus dem Raum, bevor Chris
überhaupt kapierte was er da gesagt hatte.


„Jamie!“, flüsterte Bonny und klopfte zaghaft an die Tür ihres Bruders – sie wollte ja nicht den ganzen
Tribe aufwecken. Nachdem ihre Versuche ihn durchs Klopfen aufzuwecken vergeblich waren, ging
Bonny in sein Zimmer. Mit ihrer Hand vor den Augen trat sie ein: „Jamie bist Du allein?“, fragte sie
und lugte vorsichtig durch ihre gespreizten Finger um sich zu vergewissern dass ihr Bruder wirklich
alleine war. „Natürlich bin ich allein!“, antwortete dieser mürrisch… er hatte gerade mal gefühlte fünf
Minuten geschlafen. „Es gibt einen Notfall!“, sagte Bonny und Jamie war sofort hellwach. „Ist was mit
den Babys?“, fragte er besorgt. „Nein, doch nicht so ein Notfall – eher ein ‚Ich liebe dich Notfall‘!“,
erklärte sie und Jamie sah sie an als wäre sie von einem anderen Planeten. „Sag mal bist Du
betrunken? Was laberst Du für nen Blödsinn?“ „Ja ich bin betrunken, aber nicht deswegen laber ich
so nen Müll, sondern weil Chris mir gesagt hat dass er mich liebt!“, sagte sie aufgebracht und musste
sich im Zaum halten um nicht loszuschreien. „Ich weiß!“, antwortete Jamie nur kurz und lies sich in
seine Kissen fallen. „‘Ich weiß?‘ Was soll das denn bitte bedeuten?“, fragte Bonny und zog ihrem
Bruder dass Kissen unter dem Kopf weg. „Bonny jeder weiß dass er auf dich steht, jeder weiß dass du
auf ihn stehst, also warum stellt ihr euch eigentlich so an? Chris ist ein toller Kerl, er ist vielleicht
manchmal nicht der vernünftigste aber er ist ehrlich und aufrichtig. Und er liebt dich und hat sich
scheinbar durchgerungen dir das zu sagen… auch wenn dafür vielleicht ein wenig Alkohol im Spiel
war aber hey… ein bisschen Mut antrinken ist doch ok!“ „Und was soll ich jetzt machen?“, fragte
Bonny, der überhaupt nicht klar war, was Jamie ihr vermitteln wollte. „Was hast Du ihm denn
gesagt?“, fragte er. „Naja… ich hab glaub ich ‚Ach du scheiße‘ gesagt und bin dann gegangen!“,
antwortete sie betroffen und Jamie sah sie eindringlich an. „Echt jetzt?“ „Ja verdammt – er hat mich
völlig überrumpelt – was hätte ich denn tun sollen!“ „Alles wäre besser gewesen als ‚Ach du scheiße‘
zu sagen!“, antwortete Jamie. „Ja ich habs ja verstanden…dann werd ich mich jetzt bei ihm
entschuldigen!“ „Geh einfach zu ihm, sag ihm dass du ihn auch liebst, werdet glücklich und lasst mich
schlafen!“, sagte Jamie und Bonny nickte nur. Als sie wenig später vor Chris Tür stand atmete sie
noch einmal tief durch – vielleicht sollte sie doch wieder gehen? Bevor ihre Zweifel sie übermannten
trat sie allerdings ein und sah Chris der gerade dabei war die Hinterlassenschaften von Bonnys
Rotwein-Unfall zu beseitigen. „Da bist Du ja – Bonny ich es tut mir Leid…. ich … das war
völlig…hmpf…!“ Weiter kam Chris nicht – denn Bonny hatte sich kurzerhand entschlossen Taten
sprechen zu lassen und Chris zu küssen. „Ich dich auch!“, flüsterte sie anschließend und Chris sah sie
mit breitem Grinsen an: „Ich weiß!“

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