„Ok Chris, wir wollen ja wirklich nicht unfreundlich sein, aber du bist jetzt schon seit fast zwei Wochen hier! Du kannst dich nicht immer bei uns verkriechen,wenn du im Tribe Stress hast!“ „Das ist kein Stress, die zerfleischen mich, wenn ich da wieder auftauche!“ „Ach komm – du bist doch selbst Schuld - du hättest den kleinen Chris einfach von der kleinen Saira fernhalten sollen!“, redete Joker seinem Kumpel ins Gewissen. „Du hättest sie echt mal sehen müssen an dem Abend – sie sah wirklich nicht aus wie 14 – sie selbst hätte ja auch Stopp sagen können, ich hab sie ja zu nichts gezwungen! Stattdessen hetzt sie mir im Nachhinein die volle Emanzen-Kombo auf den Hals! “ Die beiden Jungs wurden unterbrochen, als Zoe in die Küche kam und Chris seine Tasche vor die Füße knallte. „So mein Lieber, da du selbst scheinbar nicht den nötigen Ehrgeiz aufbringen konntest, hab ich das packen schonmal für dich erledigt!“ „Das kannst Du doch nicht machen, Zoe!“, sagte Chris und sah die beiden empört an, doch auch Joker schien auf der Seite seiner Freundin zu stehen. „Ja ist ja schon gut – ihr seid echt tolle Freunde!“, beschwerte sich Chris, doch er wusste selbst, dass er irgendwann zu den Starlights zurück musste. „Das kannst Du übrigens Bonny mitbringen – das ist ein Buch über die Schwangerschaft und über die Geburt – vielleicht solltest Du das auch mal lesen Chris, das würde sicher nichts schaden!“ „Ganz sicher – ich muss das Baby nicht rauspressen- wieso soll ich das lesen? Ich les ja auch keine Schminktipps!“, antwortete Chris nur ignorant und Zoe verdrehte die Augen – sie wusste wie sich Bonny gerade fühlen musste und in dieser Situation auch noch mit Chris fertig zu werden, stellte sie sich nicht gerade einfach vor. „Dann gibt’s ihr einfach, ja?“ „Ja schon klar – also dann macht’s gut! Zurück in die Höhle des Löwen!“, seufzte Chris und machte sich mit einem schlechtem Gefühl auf den Weg zurück zu den Starlights. Bei den Starlights hatte sich die Aufregung um Chris inzwischen wieder ein wenig gelegt, zumindest bei den meisten Tribemitgliedern. „Endlich mal in Ruhe frühstücken ohne das es einen Kampf zwischen Team Saira und Team Leylie gibt!“, sagte Justin entspannt. „Da gibt’s Teams ich dachte die fallen einfach wild übereinander her!“, sagte Jason grinsend. „Natürlich, Estelle und Aereen sind Team Saira, Bonny und Leo sind Team Leylie! Ich glaube Saira geht das ganze Drama um sie selbst schon auf die Nerven, aber die anderen sind so damitbeschäftigt sich gegenseitig die Schuld zu geben, dass sie die Kleine darüber total vergessen!“, bemerkte Lily. „Aber egal – lasst uns über etwas anderes reden. Hat jemand Ideen was ich mit meinen Haaren machen kann? Mary undich gehen heute Abend auf unser Speeddating!“, verkündete sie und sah fragend in die Runde. „Also Frisurentechnisch bist du bei mir und Jason wohl an derfalschen Adresse!“, lachte Justin. „Oh ja das hab ich mir fast gedacht, na mal sehen was Mary spricht, wenn sie wieder kommt. Sie bringt Sunny gerade in den Kindergarten!“ „Ich glaube Mary macht nen Rückzieher!“, sagte Alex doch Lily schüttelte sicher den Kopf: „Nein, glaub ich nicht – ich glaub dass Sunny jetzt in den Kindergarten geht, tut ihr richtig gut. Sonst hatte sie Sunny immer als Ausrede benutzt, aber jetzt muss sie wohl dran glauben!“ Am Abend schien Mary dann doch so langsam kalte Füße zu bekommen. „Wollen wir nicht doch einfach nur was essen gehen? Da sind doch bestimmt nur irgendwelche Freaks oder? Ich glaube das war eine dumme Idee!“ „Hey, es wird nicht gekniffen – ich war nicht zwei Stunden im Bad gestanden um irgendwo nen Burger zu essen. Es ist doch super – du unterhältst dich kurz und wenn du den Typen zum Kotzen findest hast du ihn schnell wieder los – wenn er dir gefällt schreibst du das auf deinen Zettel und vielleicht wird was draus!“, sprach Lily ihr Mut zu. „Ja du hast ja Recht – aber ehrlich gesagt weiß ich gar nicht was ich mit den Typen reden soll, ich bin echt aus der Übung was so was angeht…!“ Kurz bevor sich Lily und Mary am Abend auf den Weg in die Stadt machten, herrschte im Tribe mal wieder große Aufregung: Chris war angekommen! „Oh Chris, da bist du ja wieder – ich geb dir nen Tipp – halte dich von Aereen, Leo, Saira und Bonny fern!“, warnte Lily ihn. „Sag mir doch lieber bei wem ich mich noch blicken lassen kann, dann wärst du mit deiner Aufzählung schneller fertig gewesen!“, antwortete Chris angespannt. „Ach komm - sei nicht so bissig, dass hast du dir alles selbst zuzuschreiben – vielleicht solltest du dich bei Saira entschuldigen. Das ist das einzige was du tun kannst, um die ganze Sache besser zu machen – zumindest ein ganz klitzekleines bisschen. Und bei Bonny entschuldigst du dich am besten auch gleich. Du kannst nicht immer einfach abhauen, wenn Du Stress hast!“, predigte Lily ihm, doch anstatt ihr - wie gewohnt - zu wiedersprechen nickte Chris nur. „Ja wahrscheinlich hast du Recht – beim nächsten Mal, wenn ich was mit nem Mädel starte, frag ich vorher nach ‘nem Ausweis! Mal im Ernst, ihr habt Saira doch auch gesehen – wie ne 14jährige sah sie wirklich nicht aus!“ „Ach komm, das wusstest du doch – das weiß doch jeder dass die Zwillinge noch so jung sind!“, warf Mary ein. „Ja scheinbar hab ich halt n bisschen zu viel getrunken – mein Gott ist kann’s nicht mehr rückgängig machen, selbst ich hab inzwischen mitgekriegt, dass ich Scheisse gebaut hab!“ „Na das ist doch schonmal ein Anfang!“, kicherte Lily, „so jetzt musst du uns aber entschuldigen – unser Speeddating geht in einer Stunde los und wir müssen uns vorher noch ein wenig Mut antrinken!“ Als Leylie am nächsten Morgen in die Küche kam sank ihre Laune mit einem Schlag auf den Tiefpunkt. „Oh, du hast auch mal wieder nach Hause gefunden? Ich glaubs ja nicht, kommt ohne ein Wort zu pfeifen zurück und setzt sich seelenruhig an den Frühstückstisch als wäre nichts passiert!“, sagte sie fassungslos und sah Chris wütend an. „Leylie bitte – ich glaube hier ist nicht der richtige Ort um das zu klären, ok? Ist Saira oben ich würde gerne mit ihr reden!“ „Ach sag bloß die Sache ist dir peinlich? Keine Sorgen, es weiß eh schon jeder Bescheid – und wenn dir die Sache schon peinlich ist, kannst Du dir ja wohl auch vorstellen wie es Saira gerade geht! Und garantiert wirst du nicht mit ihr reden!“ „Naja, du wirst das besser einschätzen können – schließlich bist du ihre Schwester. Ich dachte eigentlich dass es ihr hilft, wenn ich ne Zeitlang verschwinde!“, versuchte Chris Leylie zu beruhigen, doch diese verdrehte nur genervt die Augen. „Ach komm, spar dir die leeren Worte – mir ist der Appetit vergangen, ich brauch kein Frühstück mehr!“, wetterte sie und verließ stürmisch die Küche. „Ich glaube es war keine gute Idee wieder zurückzukommen!“, seufzte Chris. „Nein, das nicht, aber es war keine gute Idee Saira flachzulegen. Und Chris – das ganze Show von wegen du bereust es, kauft dir eh keiner ab!“, sagte Simon „Verdammt und ich dachte die Zeit in der Theater-AG in der Schule hätte was gebracht!“, lachte Chris. „Naja, macht nichts – jetzt hab ich wenigstens leichtes Spiel bei Leylie – sie ist in Zugzwang und sauer und rate mal wer jetzt gleich nach draußen geht und sich um sie kümmert!“, sagte Simon mit einem süffisantem Lächeln bevor er Leylie hinterher ging. Diese bemerkte allerdings gar nicht dass Simon ihr folgte und warf unten am See angekommen mit voller Wucht einen Stein auf die Wasseroberfläche. „Also wenn du deinem Ärger Luft machen willst, weiß ich besseres als hier mit Steinen rumzuwerfen!“, sagte er, doch Leylie schenkte ihm nur einen genervten Blick. „Ich hab keinen Bock mich zu betrinken, wenn du das meinst!“ „Nein, das meinte ich nicht, aber in der Turnhalle hängt ein Boxsack und der kann ziemlich gut einstecken!“, entgegnete er und schien damit tatsächlich Leylies Interesse geweckt zu haben. „Na worauf warten wir dann noch!“, antwortete sie knapp und stürmte dann zur Turnhalle. Aereen hatte Leylies Abwesenheit inzwischen genutzt und saß nun in Sairas Zimmer. „Leylie meint das wirklich nicht so – sie macht sich nur Sorgen, du darfst ihr nicht übel nehmen, dass sie nicht will dass ich mich mit dir treffe!“, versuchte Saira ihre überfürsorgliche Schwester zu verteidigen. „Kein Ding – jetzt ist sie ja nicht da – wie geht’s dir denn inzwischen?“, fragte Aereen liebevoll. „Naja, ich dachte der ganze Hype legt sich, aber jetzt wo Chris aufgetaucht ist, ist das Thema ja wieder in aller Munde!“ „Ach du weißt dass er wieder hier ist?“, fragte Aereen erstaunt. „Ja – ich hab ihm vom Fenster aus beobachtet – ehrlich gesagt bin ich gar nicht so wütend auf ihn wie Leylie – ich bin eher wütend auf mich, dass ich so blöd war und mich auf ihn eingelassen habe!“ „Ach es bringt doch nichts die Schuld hin und her zu schieben, es ist eben passiert – das Leben geht weiter, es ist auch nicht richtig, dass du dich hier in deinem Zimmer versteckst! Komm lass uns doch n bisschen was unternehmen!“, schlug Aereen vor und zog Saira von ihrem Bett. „Das Rumsitzen hat jetzt ein Ende! Zieh dich an – wir gehen in die Stadt und hauen uns beide nen riesen Eisbecher rein! Ich kann ehrlich gesagt auch ein wenig Ablenkung gebrauchen!“ Der Nachmittag in der Stadt tat den beiden ziemlich gut, doch als sie nach Hause kamen, wurden sie bereits an der Haustür von Leylie abgefangen. „Glaubst du nicht auch dass du schon genug Schaden angerichtet hast?“, fuhr sie Aereen sofort an. „Komm mal runter kleine, wir waren doch nur ein Eis essen und danach ein bisschen shoppen – deine Schwester hatte eben keine Lust mehr nur hier rumzuhocken. Wenn du jemanden einsperren willst, dann besorg dir nen Hamster!“, antwortete Aereen unbeeindruckt von Leylies Worten. „Leylie ist schon gut – wir waren nur in der Stadt!“ „Ja wahrscheinlich das Outfit für die nächste Party kaufen – ich hab dir schon mal gesagt, dass Aereen kein guter Umgang für dich ist, komm jetzt mit nach oben!“, antwortete ihre Schwester herrisch und Saira lief vor Wut knallrot an. „Hör auf mich immer zu bevormunden – ich weiß selbst was mir guttut und was nicht! Geb doch zu dass du bloß eifersüchtig auf mich bist, weil plötzlich ich von uns beiden im Mittelpunkt stehe. Das verträgst du einfach nicht, also tu nicht so als würdest du dir Sorgen um mich machen!“, schrie sie und stürmte die Treppe nach oben in ihr Zimmer. Leylie sah ihr fassungslos hinterher. „Bevor sie dich kennengelernt hat, hätte sie sowas nie gemacht!“, sagte sie zu Aereen und folgte ihrer Schwester nach oben. Es vergingen einige Tage doch im Internat herrschte immer noch dicke Luft. Um sich ein wenig abzulenken hatten sich Bonny, Lisa und Mary zu einem Mama- Treffen verabredet. Als Lisa ein wenig verspätet Marys Zimmer betrat, erkannten die beiden sofort den Grund für die Verspätung. „Ohje, geht’s dir nicht gut – bist ja ganz grün um die Nase!“, sagte Mary mitfühlend und bat Lisa einen Platz auf ihrer kleinen Couch an. „Ja, der Käsekuchen von vorhin war mir scheinbar nicht vergönnt... wenn das so weitergeht nehme ich in der Schwangerschaft noch ab und nicht zu!“, antwortete Lisa und nahm einen Schluck Wasser. „Keine Sorge, ich kann dir von mir was abgeben!“, sagte Bonny und sah auf ihren Bauch. „Ich musste mir heute schon wieder einen neuen BH kaufen – so langsam reichts wirklich – allerdings sind es noch zwei Monate bis zur Geburt, ich weiß gar nicht wo das noch hinführen soll!“, jammerte sie. „Ach das ist ganz normal, macht euch keine Sorgen. Gegen die Übelkeit hab ich allerdings auch kein Heilmittel – aber bei mir hat das mit der Zeit auch nachgelassen, das ist die Hormonumstellung!“ „Ich bin so froh, dass wir dich haben Mary – ich hab ständig ngst ich könnte irgendetwas falsch machen... !“, sagte Lisa. „Ist doch gar kein Problem – ich hatte damals auch totale Panik – habt ihr euch eigentlich schon Namen ausgedacht?“, fragte sie dann um die werdenden Mütter ein wenig von ihren Sorgen abzulenken. „Leo und ich haben neulich schon ein bisschen überlegt, aber richtig festgelegt hab ich mich noch nicht – und wenn dann bleibt es geheim!“, grinste Bonny. „Ich und Sam haben noch gar nicht darüber geredet, kein Wunder er ist ja auch die meiste Zeit damit beschäftigt mir aus der Stadt irgendwelche ekelhaften Fressalien zu besorgen!“, kicherte Lisa. „Tja damit muss er leben – ich hab übrigens gelesen dass es in der Stadt Geburtsvorbereitungskurse für Männer gibt – da könnt ihr Sam und Chris ja anmelden!“ „Chris beim Hechelkurs stelle ich mir eigentlich ziemlich witzig vor!“, lachte Bonny und grübelte dann. „Sam muss Chris unbedingt dazu überreden – für die Fehltritte die er sich in letzter Zeit erlaubt hat, ist das wirklich eine verdiente Strafe!“
„Hey Püppi, hast du Lust heute Abend mal wieder wegzugehen oder schiebst du weiterhin Depressionen?“, fragte Estelle wenige Tage später, nachdem sie ohne anzuklopfen in Aereens Zimmer gekommen war. „Klopf doch mal an, ich hätte ja auch Besuch haben können!“, tadelte sie ihre Freundin, doch diese zuckte nur mit den Schultern. „Wer sollte denn hier sein? Mit Phönix hast dus dir ja jetzt endgültig verschissen, obwohl ich mich wirklich für dich reingehängt hab und so wie du momentan aussiehst wirst du wohl auch keinen Kerl finden!“ „Na danke, du bist ja echt sehr motivierend, kann ja nicht jeder ungeschminkt so supertoll aussehen, Miss Universe!“, antwortete Aereen spitz und Estelle grinste. „Naja, wenigstens gibst du mir wieder garstige Antworten, das ist ja schonmal was – wir können auch nen DVD Abend machen oder so! Oder einfach quatschen? Du könntest mich wegen deiner Beziehungsunfähigkeit zu jammern und ich kann dir erzählen, dass Jake mich zum Essen eingeladen hat!“, grinste Estelle. „Ich dachte du bist sauer auf ihn?“ „Ja, das ist eigentlich ganz einfach, er will nur nicht dass ich mit anderen Männern ausgehe, weil er dann eifersüchtig ist – eigentlich ist das doch süß oder?“ „Gott Estelle – er will sich dich einfach nur warm halten – wie lange geht das mit euch beiden jetzt schon hin und her? Wenn er wirklich etwas von dir will, dann hätte er es dir doch schon längst sagen können!“ „Ach Quatsch – Mann du machst mir aber auch alle Hoffnungen kaputt – außerdem brauchst du mir gar keine Beziehungstipps geben – sehr erfolgreich bist du ja auf diesem Gebiet auch nicht!“ „Weißt du was – wir schauen jetzt einfach einen Film – sonst kriegen wir beiden uns auch noch in die Haare!“, bracht Aereen das Gespräch ab und warf ihrer Freundin eine Tüte Chips zu. „Bonny wir müssen unbedingt was mit Leylie unternehmen – sie ist total mies drauf wegen dem Streit mit ihrer Schwester, wir könnten doch nen kleinen Mädelsabend machen!“, sagte Leo am nächsten Tag am Frühstückstisch. „Ja gute Idee, das ganze nimmt sie wohl ziemlich mit! Oh und da ist ja auch schon der Grund allen Übels!“, seufzte Bonny, als Chris die Küche betrat. „Euch auch einen guten Morgen!“, entgegnete dieser nur und ignorierte Bonnys Anspielung. „Ich hab mich übrigens zu diesem Kurs angemeldet!“, sagte er dann und Bonny blieb beinahe das Frühstück im Halse stecken. „DEN Kurs?“, fragte sie erstaunt und Leo sah die beiden nur Stirn runzelnd an. „Von welchem Kurs reden wir hier? Yoga? Kamasutra? Englisch für Anfänger?“ „Nein, ein Geburtsvorbereitungskurs – Sam macht auch mit – du kannst den Mund wieder zumachen Bonny!“ „Einfach so? Sei mir nicht böse aber bis jetzt hat dich alles was das Baby anging kein Fünkchen interessiert!“ „Na dann dürfte es dich ja umso mehr freuen, dass ich jetzt damit anfange oder?“, antwortete Chris nur mit einem Grinsen und verließ dich Küche wieder. „Kannst du mich bitte kurz kneifen oder sowas?“, sagte Bonny und auch Leo sah recht skeptisch drein. „Sein Verhalten sollten wir heute bei unserem Mädelsabend gleich nochmal erörtern!“ Doch auch am Abend hatte Bonny noch keine Erklärung für Chris plötzlichen Sinneswandel gefunden. „Vielleicht hat er inzwischen tatsächlich eingesehen, dass er total Bockmist gebaut hat und er versucht es so wieder gut zu machen!“, mutmaßte Leylie. „Oder hat wirklich länger gebraucht um mit der Baby Sache umzugehen – er spielt erst so verrückt, seitdem du ihm von der Schwangerschaft erzählt hast... und Sam hat ihm bestimmt auch nochmal ins Gewissen geredet. Gib ihm ne Chance, möglicherweise meint er es wirklich ernst!“, sagte Leo und schenkte sich fleißig Sekt ein. „Mh... wir werden sehen – du gibst heute aber ganz schön Gas!“, lachte Bonny dann und stieß mit Organgensaft mit Leo an. „Naja, ich muss ja für euch beide mit trinken!“ „Also für mich nicht!“, sagte Leylie und schenkte sich auch ein Glas ein. „Wenn meine Schwester Sex haben kann, kann ich ja wohl auch Alkohol trinken, oder?“ „Also ich werds dir nicht verbieten, ich hab schon mit 11 zum ersten Mal getrunken!“, kicherte Leo. „Spricht sie immer noch nicht mit dir?“, fragte Bonny und Leylie schüttelte nur den Kopf. „Nein – nur mit Aereen – wie ich diese Person hasse... !“ „Oh da sind wir schon zu zweit, darauf stoßen wir an!“, stimmte Leo ihr zu. „Saira hat mich noch nie angeschrien, sie hat sich so verändert...Als ob es mich stören würde dass sie im Mittelpunkt steht.. tz!“ „Ach komm das renkt sich schon wieder ein – lass ihr nur ein wenig Zeit. Ihr beiden habt euch doch bis jetzt so gut verstanden!“ „Ja das glaube ich auch – ohje, ich muss mich mal anders hinsetzen, mir tut schon wieder alles weh!“, stöhnte Bonny und fuhr sich mit der Hand über ihren Bauch. „Na klar, komm setz dich hierhin – heute Mittag hab ich Sam und Lisa beobachtet, er kümmert sich so lieb um seine Frau – es tut mir echt Leid, dass du mit Chris als Papa auskommen musst, ne große Unterstützung ist er wohl nicht mh?“, fragte Leo, doch Bonny zuckte nur mit den Schultern. „Naja, nicht wirklich. Aber Ved hilft mir total viel – das finde ich ja total süß. Für das was zwischen uns vorgefallen ist, verstehen wir uns echt gut. Vor allem hat er ja eigentlich überhaupt keine Verpflichtung mir gegenüber, von daher wundert es mich umso mehr dass er mir so viel hilft!“ „Vielleicht wird ja wieder was aus euch!“, kicherte Leylie, doch Bonny schien wenig Hoffnung zu haben. „Ach es ist eine Sache dass er mir hilft, aber das ist alles freundschaftlich – und wenn das Baby da ist wäre das alles viel zu kompliziert!“ „Ja da hast du auch wieder Recht – sag mal kennt einer von euch beiden Simon eigentlich näher?“, fragte Leylie dann und Bonny und Leo sahen sie ein wenig überrascht an – der Sekt hatte bei ihr scheinbar sehr schnell angeschlagen, denn sie war plötzlich sehr redseelig. „Naja,nicht wirklich – in letzter Zeit glänzt er ja eigentlich nur damit, dass er schon um die ittagszeit besoffen ist. Wir sind uns mal näher gekommen, aber ich glaube nach der Sache mit Zoe ist er noch nicht bereit für was festes, wieso?“ „Ach nur so!“, winkte Leylie ab und nahm noch einmal einen kräftigen Zug von ihrem Glas. Am nächsten Morgen hatte Leylie einen ganz schönen Brummschädel – schlecht gelaunt mache sie sich auf den Weg nach unten um sich eine Schmerztablette zu besorgen, doch als sie die erste Stufe nehmen wollte bemerkte sie dass Phönix und Aereen sich gerade unterhielten. „Das ist echt nicht fair – du machst mit mir Schluss und bist dann sauer auf mich, nur weil ich mit Simon einen One-Night- Stand hatte? Hergott ich war halt betrunken und wollte mich ein wenig ablenken“, erklärte Aereen aufgebracht. „Es war morgens um elf – scheinst ja sehr viel Restalkohol gehabt zu haben – außerdem dachte ich halt nicht, dass du fünf Minuten nachdem wir Schluss gemacht haben, gleich mit dem nächsten Typen in die Kiste springst, aber eigentlich war das ja zu erwarten!“, antwortete Phönix genervt. „Oh Mann ich sag jetzt einfach gar nichts mehr, du glaubst mirja eh nicht! Wahrscheinlich kam dir das gerade Recht – wenn du und Leo euch schon ein gemeinsames Zimmer nehmt, scheint ihr euch ja jetzt auch wieder besser zu verstehen – dass du ihr mehr glaubst als mir hätte mir eh schon zu denken geben sollen!“ „So ein Blödsinn, die Blind Eyes dachten einfach dass Joker wieder mitkommt – außerdem was hat Leo damit zu tun, dass du es nicht schaffst die Beine zusammenzuhalten!“ Leylie konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, doch als sie bemerkte dass Aereen nach oben kam, setzte sie ein fröhliches Lächeln auf. „Oh guten Morgen Aereen!“, sagte sie scheinheilig, obwohl sie sah dass Aereen mit den Tränen kämpfte, doch sie hatte nicht vor darauf einzugehen. „Gibt’s irgendwas Neues von meiner Schwester? Dank dir redet sie ja nicht mehr mit mir, von daher wäre es nett wenn du mir wenigstens mitteilen würdest wie es ihr geht!“, fragte sie und sah Aereen erwartungsvoll an. „Halt einfach die Klappe du dummes Kind!“, keifte Aereen sie mit zittriger Stimme an, bevor sie in Tränen ausbrach und den Gang entlang in ihr Zimmer hetzte.
Einige Tage später war es soweit – Bonny konnte es immer noch nicht glauben, aber Chris und Sam machten sich tatsächlich auf den Weg zum Geburtsvorbereitungskurs. „Nur zur Info, ich bin im 7. Monat – nur falls jemand fragt, es wäre ziemlich peinlich, wenn du das nicht wissen würdest!“, informierte sie ihn, bevor die beiden die Tür verließen. „Ja ich kann zählen! Wir müssen jetzt los, sonst kommen wir zu spät!“, verabschiedete sich Chris. „Und was machen wir jetzt?“, fragte er, als er und Sam das Internatsgelände verlassen hatten. „Wie was machen wir?“, entgegnete Sam mit fragendem Blick. „Oh Gott, du meinst das doch jetzt nicht wirklich ernst? Du hast uns da wirklich angemeldet? Ich dachte wir gehen was trinken – in ne Bar!!“, antwortete Chris entsetzt. Unweigerlich musste Sam lauthals lachen. „Mal im Ernst wenn ich in ne Bar gehen wollte, hätte ich dich auch einfach fragen können oder? Du hast vielleicht ne verdrehte Logik, man könnte ja fast glauben, du bist ne Frau!“ „Na super und was mach ich jetzt? Ich kann ja jetzt nicht zurückgehen!“ „Naja, du könntest einfach mit in den Kurs gehen?“, schlug Sam vor und musste erneut über Chris schockierten Gesichtsausdruck lachen. „So schlimm wird’s schon nicht werden – und so langsam solltest du dich mit dem Thema auseinandersetzen. Nicht mehr lange und du wirst Vater – jetzt hast du noch Schonfrist!“ „Oh Mann, na dann werd ich wohl mitmachen müssen... ich sags dir wenns mir zu blöd wird stehe ich auf und gehe. Wahrscheinlich denken die da noch wir sind schwul!“ „Ja das werden sie ganz sicher denken – du weißt aber schon wie das mit dem Baby machen funktioniert oder? Obwohl – scheinbar ja nicht, sonst wärst du ja nicht in dieser Situation sondern hättest gewusst wie man das verhindert!“ „Tu mir einen Gefallen – halt einfach die Klappe und lass uns das ganze hinter uns bringen!“ Als der Kurs zu Ende war hatte sich das Blatt allerdings ein wenig gewendet. „Na immer noch so begeistert von deiner Idee?“, fragte Chris hämisch. Sam, der ziemlich blass war seufzte nur. „Also das Video von einer Geburt hätte es echt nicht gebraucht!“ „Hey, du bist nicht mal umgefallen – du hast dich nur einmal übergeben, das ist wirklich nicht schlimm!“, lachte Chris und las unterm Laufen eine Broschüre die er mitgenommen hatte. „Dafür hab ichs geschafft die Puppe zu wickeln ohne ihr die Beine zu brechen!“, konterte Sam doch Chris gab sich enthusiastisch. „Beim nächsten Mal klappt das auch – hier nächsten Mittwoch können wir gleich weitermachen!“ „Ist das jetzt dein Ernst?“ „Ja natürlich – ich werde den Kursleiter dann auch gleich darum bitten das Geburtsvideo nochmal abzuspielen!“ An Rya und Radan schien das ganze Thema um die Babys vorbeizugehen, denn die beiden schienen eher miteinander beschäftigt zu sein, als mit dem Rest des Tribes. „Ah, da bist du ja – ich hatte ja schon fast befürchtet, du würdest mich versetzen!“, sagte Radan, als Rya ein wenig verspätet zur ihrer Verabredung kam. „Um Gottes Willen, warum sollte ich das denn machen? Ich war nur vorhin noch bei den Katzen oben und hab die Zeit vergessen – du kennst mich ja!“, grinste Rya und Radan nickte lächelnd. „Komm lass uns gehen, das Restaurant wird dir gefallen!“ „Also das hat meine Erwartungen wirklich übertroffen!“, sagte Rya wenig später völlig fasziniert. „Wusste ich doch dass es dir gefällt!“, antwortete Radan selbstgefällig. „Ich wusste echt nicht dass es das hier gibt – und hier gibt es wirklich nur vegetarisches essen? Ich glaub ich bin im Paradies!“, schwärmte sie als sie die Karte studierte. „Wir waren hier früher öfter mit dem Tierschutzverein, ich hatte es total vergessen, aber neulich fiel es mir dann wieder ein!“ „Du warst im Tierschutzverein?“, fragte Rya überrascht. „Ja natürlich – habe ich dir das noch nicht erzählt? Wir haben eine eigene Initiative gestartet. Meine Eltern hatten so viel Geld, da dachte ich mir dass man das doch auch sinnvoll ausgeben könnte – und dann habe ich mit ein paar Freunden einen kleinen Verein gegründet. Wir sind damit aber nicht großartig an die Öffentlichkeit!“, erzählte er. „Wow, das wusste ich ja noch gar nicht. Das ist ja super – aber ihr hättet das ruhig öffentlich machen sollen. Ich hätte mich sofort angeschlossen!“ „Naja, stell dir vor es gäbe einen Zeitungsbericht das das Söhnchen eines reichen Schnösels eine Initiative für Tierschutz gestartet hat – da würde doch jeder nur denken, man macht das wegen des guten Rufs. Das wollte ich nicht – eine gute Tat ist es nur dann wenn man damit nicht angibt!“, erklärte er und Rya lächelte. „Ja da hast du auch wieder Recht – du musst mir unbedingt darüber erzählen was ihr alles gemacht habt. Aber jetzt lass uns erst mal bestellen – ich bin schon total gespannt auf das leckere Essen!“ Als Rya und Radan später das Internat erreichten, war sie immer noch völligbeflügelt von dem schönen Abend. „Das war wirklich ein klasse Abend – ich bin echt froh dass du zu uns in den Tribe gekommen bist, endlich habe ich jemanden der mich versteht und meine Interessent teilt – ich glaube die anderen denken ich habe nicht alle Tassen im Schrank!“, kicherte Rya und Radan legte seinen Arm um sie. „Ach das kenne ich – davon darf man sich nicht beeindrucken lassen und muss sein Ding durchziehen. Ich habe den Abend auch genossen – es ist wirklich ein Segen Zeit mit dir zu verbringen!“, sagte Radan und sah ihr tief in die Augen. „NA dann sollten wir das so schnell wie möglich wiederholen – aber jetzt gehe ich erstmal brav in mein Bett – ich habe morgen früh wieder Tierheimdienst und muss bald aufstehen! Also gute Nacht!“, sagte sie lächelnd und hatte sich schon ihrer Zimmertür zugewandt. „Rya?“ „Ja?“, fragte sie und war ziemlich überrascht als Radan sie plötzlich küsste. Im Gegansatz zu Rya und Radan die auf Wolke 7 schwebten brach Stellas Welt von einem Tag auf den anderen zusammen. „Oh mein Gott was ist den passiert?“, fragte Lisa, als ihre Freundin heulend und mit einem Zettel in der Hand in ihr Zimmer gestürmt war. „Jason ist weg!“, schluchzte sie und hielt ihrer Freundin seinen Abschiedsbrief entgegen. „Ich brauche etwas Zeit für mich – es tut mir Leid? Ist der Typ total durchgeknallt!“, las Lisa aufgebracht vor. „Ich weiß gar nicht warum er gegangen ist, es lief alles so super – wir haben uns so toll verstanden.... und plötzlich haut er ab? Ich verstehe das alles gar nicht!“ „Komm setz dich erst mal hin – ist dir wirklich nichts aufgefallen? Ich will ihm nichts vorwerfen, aber du hattest doch selbst gesagt, dass er in letzter Zeit ab und zu mal alleine in die Stadt gegangen ist... ich weiß dass willst du nicht hören – aber vielleicht hat er ja eine andere?“, sagte Lisa vorsichtig, da sie wusste wie sensibel Stella war, wenn es um Jason ging. „Ich weiß es nicht – er hat mir nie gesagt, was er in der Stadt gemacht hat... er hat mir auch immer Geschenke mitgebracht.... ich dumme Kuh hätte mich nie im Leben wieder auf ihn einlassen sollen!“ „Ach komm süße – Vorwürfe bringen dir jetzt auch nichts – vielleicht kommt er ja wieder. Und dass er dich betrogen hat, weißt du ja auch nicht sicher. Vielleicht hat er irgendwelche Probleme über die er nicht reden will... komm mal her!“, sagte Lisa fürsorglich und nahm ihre Freundin in den Arm. Es vergingen zwei Wochen, doch Jason war immer noch nicht wieder aufgetaucht. „So ein Scheiß Kerl – bestimmt hängt er irgendwo mit ner anderen Tussie rum und Stella heult sich hier die Augen aus!“, sagte Ved wütend. Die Jungs hatten sich zu einem Männerabend getroffen und natürlich wurde wild darüber spekuliert, warum Jason plötzlich alle Zelte abgebrochen hatte. „Ach komm Ved, reg dich nicht so auf – wir wissen nicht warum er weg ist. Und außerdem ist Stella selber Schuld wenn sie sich wieder auf ihn einlässt - es war ja nur eine Frage der Zeit bis er Scheisse baut!“, sagte Simon und widmete sich dann wieder seinem Poker Spiel mit Jake und Chris. „Oh Mann scheiß doch auf Jason – wir müssen über die Wette reden!“, sagte Jake so leise, dass niemand von den anderen etwas mitbekam. „Wir müssen damit aufhören!“ „Ach komm, nur weil du es nicht hinkriegst irgendne Tusse flachzulegen steigst du jetzt aus? Das ist ja echt ein Witz!“ „Nicht deswegen, es ist wegen Estelle – ich hab keine Bock dass sie denkt, dass ich nur mit ihr weggehe, weil sie 30 Punkte wert ist ok?“ „Ach sag blos ihr habt jetzt was festes am Laufen? Wieviele Punkte gibt das Chris?“, fragte Simon grinsend und Jake verdrehte nur die Augen. „Ihr seid echt Idioten – ich bin jedenfalls draußen und will auch nichts mehr damit zu tun haben. Mir ist das mit Estelle echt ernst und wenn ichs nochmal versaue, dann kann ich die Sache echt abhaken!“ „Ja ist ja schon gut – du hättest eh verloren. Chris wie ist dein Punktestand?“ „120 Punkte!“, antwortete er grinsend, „ich würde mal sagen ich habe eindeutig gewonnen!“ „Das glaube ich nicht – ich halte mit 130 Punkten dagegen!“, sagte Simon überlegen und Chris und Jake sahen ihn fragend an. „Tja, nachdem Chris mit Saira vorgelegt hat, war Leylie ein wenig im Zugzwang und dann hab ich mich eben um sie gekümmert!“ „Ach komm, das kannst du deiner Wand erzählen, nie im Leben ist zwischen dir und ihr was gelaufen. Davon hätten wir längst etwas mitgekriegt. Oder hat jemand von euch Jungs mitbekommen, dass zwischen Simon und Leylie was läuft?“, rief Chris durchs Wohnzimmer und erntete von den anderen Jungs nur fragende Blicke. „Mein Lieber, ich bin ja nicht so dämlich wie du und schreie es gleich in die ganze Welt hinaus – ich hab ja gesehen, was du für nen Stress hattest und da Leylie auch nicht wollte dass es jeder mitkriegt, hat es eben niemand von uns beiden weitergetratscht! Also habe ich gewonnen!“ „Sag mal war das gerade ernst gemeint?“, unterbrach Phönix die drei und Jake machte sich aus dem Staub. „Jungs ich bin dann mal weg – ich stehe eher auf Frauen Ü16, also werde ich mir diese Predigt hier nicht anhören!“ „Ach komm Phönix krieg dich ein – wir haben die beiden ja zu nichts gezwungen. Es wäre ja nicht so als hätten wir was Verbotenes gemacht!“, spielte Simon die Sache herunter. „Es ist aber auch nicht so als wärt ihr beide noch 16. Habt ihrs so nötig, dass ihr euch an 14-jährige Mädels ranmachen müsst? Vielleicht solltet ihr beide ab und zu mal euer Gehirn einschalten, bevor ihr wieder irgendwelchen Mist baut!“ „Also nötig dürfte es hier im Tribe ja wohl niemand haben - schließlich braucht man ja nur zu deiner Ex zu gehen einmal zu schnipsen und schon liegt sie auf dem Rücken und hechelt!“ „Na dann kannst du dich ja glücklich schätzen, dass deine Exfrau so ne treue Seele war, mh?“, antwortete Phönix verbittert, doch kaum hatte er seinen Satz beendet, hatte er auch schon Simons Faust im Gesicht. „Alter sag mal tickst du noch ganz richtig!“, schrie Chris und zog Simon zur Seite, „krieg dich mal wieder ein Mann!“ Während Chris versuchte Simon zu beruhigen, war Phönix inzwischen nach draußen verschwunden um sich ein Tuch für seine blutende Nase zu besorgen. „Heilige Scheiße – was habt ihr denn angestellt?“, fragte Leo erschrocken, als sie ihm begegnete. „Simon“, antwortete Phönix nur kurz. „Oh – setz dich kurz hin – ich hol dir n Tuch!“, sagte sie und war schon verschwunden um nur wenig später mit einem Verbandskasten wieder aufzutauchen. „Ich hab Nasenbluten Leo – keine Fleischwunde!“, versuchte Phönix ihr zu erklären, doch sie hatten den Inhalt des Verbandskastens schon quer auf dem Fußboden verteilt. „Mecker nicht rum – sei froh dass ich dir helfe – vor einiger Zeit hätte ich sogar ein Krankenschwesternkostüm für dich angezogen!“, scherzte sie und reichte ihm endlich ein Stück Verband. „Sag mal bist du betrunken?“, fragte er und Leo zuckte nur mit den Schultern. „Wie kommst du denn darauf?“ „Naja, wenn Du nüchtern bist, redest du kein Wort mit mir und wenn du total betrunken bist, schreist du mich an. Demnach müsstest du jetzt zumindest angetrunken sein!“, erklärte Phönix, doch Leo winkte nur ab. „Ein Gläschen Sekt mit den Mädels! Leg am besten den Kopf in den Nacken – dann hört es schnell auf!“, antwortete sie nur lächelnd und begann dann Sorgfältig den Verbandskasten wieder einzuordnen. Als Leo Bonny die Story am nächsten Tag in der Stadt erzählte, schüttelte diese nur den Kopf: „Also Simon ist echt komisch – ich dachte eigentlich er ist ein bisschen vernünftig, aber da hab ich mich ja wohl gewaltig geirrt!“ „Würde mich ja mal interessieren, was in so auf die Palme gebracht hat, aber Phönix wollte mir nichts sagen!“, sagte Leo und grübelte ein wenig. „Naja, bei unseren Tratsch- Jungs werden wir das wohl ziemlich bald erfahren! Ich kann ja später mal Ved fragen, was war – er will mit mir später Farben fürs Kinderzimmer aussuchen!“ „Wirklich? Das ist ja süß – Chris könnte sich echt ne Scheibe von ihm abschneiden – aber ok, immerhin geht er ja jetzt schonmal zu diesem Vorbereitungskurs!“ „Ja das stimmt – ich dachte ja erst, dass die Kursleiterin ne scharfe Braut ist, aber laut Sam leitet ein Mann den Kurs!“, kicherte Bonny. „Mh… vielleicht hat er ja wirklich eingesehen, dass er Verantwortung tragen muss!“, sagte Leo und sah sich dann um. „Du pass auf ich geh mal schnell in den Laden darüber, die haben so wahnsinnig leckere Milchshakes – ich bring dir auch einen mit ok?“, schlug sie vor und Bonny nickte dankbar. „Oh ja super - ich setz mich da drüben auf die Bank – das ist ne ruhigere Ecke – ganz schön viel los hier, der ganze Rummel tut mir gar nicht gut!“ „Okey, bis gleich!“ Als Leo wieder zurückkam war von Bonny allerdings keine Spur – nervös sah sie sich um. Sie hatte überhaupt nicht darüber nachgedacht, was passieren könnte, während sie weg war. Erschrocken drehte sie sich um als sie plötzlich Bonny hörte, die mit zittriger Stimme ihren Namen rief. Weinend kauerte sie in einer Ecke und sah Leo ängstlich an. „Bonny was ist denn passiert – ist etwas mit dem Baby – hast du etwa Wehen?“, fragte sie ihre Freundin und half ihr aufzustehen. „Nein – mit dem Baby ist alles in Ordnung – da waren zwei Kerle… sie haben versucht mich mitzuschleifen – ich habe geschrien, aber mich hat keiner gehört!“, heulte sie und klammerte sich an Leo. „Oh mein Gott – komm Bonny wir gehen nach Hause – wir verschwinden hier so schnell es geht! Und zuhause wenn wir in Sicherheit sind erzählst du dann genau was passiert ist!“ sagte Leo und legte fürsorglich
ihren Arm um ihre Freundin während sie eilig nach Hause liefen…
„Wie geht es dir denn?“, fragte Mary besorgt, als Leo aus Bonny Zimmer kam. „Wieder besser –
aber ich glaube immer noch geschockt, sie ist ziemlich ruhig!“ „Was sind das denn für Monster, die
auf offener Straße versuchen Frauen zu entführen!“, sagte Mary und schüttelte nur angewidert
den Kopf. „Ich habe keine Ahnung – Bonny kann sich aber auch nicht wirklich erinnern, wie sie
aussahen. Sie hat nur gesagt, dass sie sie in Ruhe gelassen haben, als sie gesehen haben, dass sie
schwanger ist. Und der eine meinte irgendwas davon, dass der Boss sie rausschmeißen wird,
wenn sie mit ner schwangeren Tussi ankommen!“ „Dann hat ihr Baby ihr das Leben gerettet….
hast du schon mit Phönix darüber gesprochen? Ihr müsst das unbedingt auf der nächsten
Tribeversammlung zur Sprache bringen!“ „Ja das werden wir auf jeden Fall tun – ich mach Bonny
nur noch kurz eine heiße Schokolade und bleib dann noch ein wenig bei ihr – sie braucht jetzt ein
bisschen Beistand!“, sagte Leo als sie und Mary die Treppe hinunterliefen. Dort kam ihnen Chris
entgegen, der sehr panisch wirkte: „Ist Bonny oben? Wie geht es ihr?“ „Beruhig dich Chris, es geht
ihr gut – sie und das Baby brauchen jetzt Ruhe – so viel Stress ist nicht gut in der
Schwangerschaft!“, erklärte Mary und Chris zeigte sich relativ schnell einsichtig: „Ja, ich
verstehe… richtet ihr gute Besserung von mir aus, oder was immer man in so ner beschissenen
Situation auch sagt!“
„Ihr glaubt mir gar nicht wie erholsam es ist mal wieder unter normalen Menschen zu sein!“, sagte
Phönix als er bei Zoe und Joker auf der Terrasse saß. „Oh doch, glaub mir wir genießen das jeden
Tag!“, antwortete Joker lachend. „Also ich finde das ja wirklich nicht zum Lachen – ich weiß gar
nicht was mit Simon los ist – erst die Sache mit Aereen, dann verführt er ein 14-jähriges Mädel,
und jetzt schlägt er sich auch noch. Vielleicht sollte ich mal mit ihm reden!“, sagte Zoe und
beobachtete Luca der auf seiner Decke herumkrabbelte um sich dann an Jokers Hosenbein
hochzuziehen. „Na wo willst Du denn hin?“, grinste Joker und nahm seinen Sohn auf den Schoß.
„Wenn du mit ihm redest kannst Du ihm gleich mal ausrichten, dass er die Patenschaft für Luca
vergessen kann. Bestimmt vergisst er noch seinen Geburtstag!“ „Das wäre ja die Höhe – dabei
kann man doch den Geburtstag von so einem süßen Wurm gar nicht vergessen!“, sagte Zoe mit
quietschender Stimme und strich ihrem Sohn über die Wange. „Lach nicht so dämlich Phönix, du
bist genauso wenn du mit Sunny redest!“ „Ich lach nicht über euch – ich hab mir nur gerade Bonny
und Chris als Eltern vorgestellt!“ „Sag mal ist es wirklich wahr, dass Chris bei diesem
Vorbereitungskurs war? Er hat es uns zwar erzählt, aber ich weiß noch nicht so wirklich ob ich ihm
glauben soll!“ „Ja, er war tatsächlich da – gestern übrigens schon wieder. Und er hat Bonny
geholfen das Kinderzimmer zu streichen. Aber ich glaub das hat er nur gemacht weil er auf Ved
eifersüchtig war…. aber immerhin, vor ein paar Wochen hätte ich ihm das noch nicht zugetraut!“
„Da sollte sich Simon mal ne Scheibe von abschneiden. Kannst du ihm bitte ausrichten dass ich
am Wochenende vorbeikommen werde? Vielleicht schafft er es ja mal nüchtern zu sein!“, bat Zoe
Phönix. „Ja ich kann’s ihm ausrichten, aber ich weiß nicht ob er mir zuhört, er ist momentan ein
bisschen … schwierig! Aber jetzt haben wir genug über die Starlights gelabert, ich bin schließlich
hier damit ich mal meine Ruhe von dem ganzen Haufen zu haben!“
Am Wochenende tauchte Zoe schließlich gut gelaunt bei den Starlights auf und Alex öffnete ihr
lächelnd die Haustür. „Hey, da bist Du ja – und der kleine Luca ist ja auch mit dabei!“, sagte Alex
begeistert und nahm den Knirps sofort auf den Arm. „Na klar – bisschen frische Luft schadet
keinem Kind! Nur Joker ist zuhause geblieben, heute Nacht hat unser kleiner Teufel nämlich mal
wieder ordentlich Gas gegeben!“, grinste Zoe. „Tja, ganz der Papi, mh? Wir können gleich
raufgehen, wir haben in Marys Zimmer schon alles vorbereitet. Kuchen hab ich auch gebacken!“
„Das ist ja lieb – Sunny freut sich bestimmt auf Luca, komm lass uns nach oben gehen!“ Dort
warteten bereits Mary, Bonny, Lisa und Sunny auf den Besuch. „Hey ihr lieben, ich hab euch mal
Luca mitgebracht, damit ihr euch schonmal ans Mama-Werden gewöhnen könnt!“, grinste Zoe.
„Hast du auch nen Tipp wie man sich ans Dick-Sein gewöhnt? Ich komm mir vor wie ein Wal!“,
sagte Bonny. „Das erledigt sich bald von selbst, glaub mir – nach der Geburt rennst Du so viel rum,
da sind die Pfunde schnell wieder drunten. Bei dir dürfte es ja bald soweit sein, oder?!“, fragt Zoe.
„Naja, es gab ja nur zwei Nächte in denen es passiert sein kann, von daher hab ich eigentlich
mindestens noch 1 ½ Monate…!“, antwortete sie und Zoe schien ziemlich überrascht. „Ich sagte
ja . Wal!“
Bevor sich Zoe drei Stunden und ganz viele Babythemen später auf den Weg nach Hause machte,
klopfte sie an Simons Tür. Kurz bevor sie es aufgeben wollte, öffnete Simon allerdings noch. „Oh
du bist es!“, sagte er verschlafen. „Hallo auch – es ist halbfünf und du liegst immer noch im Bett?“
„Wir waren gestern weg… ziemlich lange, glaube ich!“ „Simon, es geht mich ja eigentlich nichts
an, aber findest Du nicht dass du es in letzter Zeit ein wenig übertreibst?“, fragte Zoe besorgt.
„Wie du schon sagst, geht dich das eigentlich gar nichts an!“, würgte Simon seine Exfrau ab und
drehte ihr wieder den Rücken zu. „Mensch Simon, ich mache mir doch nur Sorgen um dich…!“
„Damit hättest du früher anfangen sollen Zoe. Du brauchst dir wirklich nicht deinen Kopf darüber
zerbrechen – mach einfach weiter auf happy Familiy auf dem Lande, ich komm auch alleine ganz
gut klar!“ „Ja das sehe ich – ich war bis vor kurzem noch anderer Meinung als Joker, aber
inzwischen glaube ich auch, dass es besser ist, wenn wir für Luca einen anderen Paten suchen… !“,
sagte Zoe, doch Simon schien das Ganze nicht sehr zu berühren. „Sind wir mal ehrlich Zoe, du
hast mich doch nur gefragt, ob ich Pate werde, damit du dein schlechtes Gewissen ein wenig
beruhigen kannst! Aber vielleicht ist es doch besser so, dann muss ich wenigstens nicht jedesmal
wenn ich Luca sehe, darüber grübeln, ob er nicht vielleicht doch mein Sohn ist!“, antwortete
Simon absolut emotionslos und Zoe sah ihn völlig perplex an. „Ich glaube ich sollte jetzt gehen –
scheinbar haben wir uns wirklich nichts mehr zu sagen!“ „Ohje, das ging ja wohl gehörig schief!“,
stellte Alex fest, als sie Zoe die Treppe herunterkommen sah – sie erkannte sofort dass das
Gespräch Ihrer Freundin mit Simon nicht gut gelaufen war. „Naja, ich hatte mir nicht viel erwartet,
von daher ist die Enttäuschung nicht ganz so groß… ich gehe jetzt wieder nach Hause – ich darf
Joker gar nicht sagen, was Simon vom Stapel gelassen hat sonst macht er sich sofort auf den Weg
hierher um ihm die Meinung zu geigen!“
„Hey Saira, hast du Lust die Hunde mit mir auszuführen?“, fragte Aereen am nächsten Morgen.
„Ach ich weiß nicht … ich hab keine Lust Chris über den Weg zu laufen!“ „Ach komm Kleine –
irgendwann wirst du ihn wiedersehen – ich bin mir sicher, dass er sich darüber kaum mehr
Gedanken macht, für ihn gibt es nur noch Baby, Baby und nochmal Baby!“ „Naja, ok – ich zieh mir
nur schnell was anderes an – in meinem Gammeloutfit brauche ich nicht raus zu gehen!“, kicherte
Saira. „Hast du schonmal wieder mit deiner Schwester geredet?“, fragte Aereen, als sie wenig
später um den See liefen. „Nein noch nicht – es tut mir Leid was passiert ist, aber ich will mich
auch nicht bei ihr entschuldigen – ich habe nichts verbotenes gemacht, außerdem redet sie
dauernd schlecht über dich und Estelle…. !“ „Naja, ich denke sie macht sich einfach nur Sorgen –
und nach der Sache mit Chris hat sie halt einen Schuldigen gesucht, und aus irgendeinem Grund
hat sie sich auf mich versteift… ich denke das liegt auch daran dass Leo wahrscheinlich nur
negatives über mich erzählt…. ich halte das schon aus, keine Sorge“, grinste Aereen. „Naja, ich
weiß nicht – sie muss einfach akzeptieren, dass ich eben mit euch befreundet bin – sie versteht
sich halt dafür besser mit Bonny und Leo…!“ „Ach das gibt sich schon wieder. Komm lass uns die
Hunde wieder zurückbringen, ich hab dann noch etwas zu erledigten!“
Nachdem Aereen später abgewartet hatte, bis Saira in ihrem Zimmer verschwunden war, machte
sie sich auf den Weg zu Leos Zimmer. „Jesus, wie komme ich denn zu der Ehre, dass du mich
besuchst?“, sagte diese erstaunt. „Ich möchte dass sich Saira und Leylie wieder vertragen. Was
hältst du davon, wenn wir uns alle treffen? Estelle, Saira, Leylie, Bonny, du und ich? Und einen
Abend verbringen ohne uns zu streiten?“ „Wie soll denn das klappen? Im Ernst Aereen… was soll
das werden? Wir schaffens ja nicht mal uns nicht zu streiten, wenn wir uns nicht treffen!“ „Also ich
kann mich zusammenreissen… du ja scheinbar nicht, sonst hättest Du meinen Vorschlag
angenommen. Naja, immerhin war es ein Versuch wert. Ich glaube nur das Leylie mit der
aktuellen Situation auch nicht gerade glücklich ist – und wenn wir mit gutem Beispiel
vorausgehen, würden sie sich vielleicht wieder vertragen!“ „Ich hab ja nicht nein gesagt, sondern
nur meine Bedenken angemeldet! Wann willst Du das ganze machen? Leylie, Bonny und ich
wollten uns heute Abend eh treffen!“ „Na dann – heute Abend? Estelle wird zwar eher gehen
müssen, weil sie mal wieder ein Date mit Jake hat, aber das macht ja nichts!“ „Na dann heute
Abend um sieben bei mir hier - ich kanns kaum erwarten!“, sagte Leo sarkastisch und knallte
Aereen die Tür vor der Nase zu…
„ich weiß ja nicht was die Alte im Schilde führt, aber da ich eh schon von selbst auf Saira zugehen
wollte, mache ich das ganze Theater gleich einfach mal mit!“, kicherte Leylie. Sie, Bonny und Leo
hatten sich schon ein wenig eher getroffen und warteten nun auf ihre Gäste. „Ach mir ists ganz
recht – ich kann ein wenig Ablenkung ganz gut gebrauchen!“, sagte Bonny, die es sich auf Leos
Bett gemütlich gemacht hatte. „Also ich brauch jedenfalls erst mal noch ein Glas Bowle, damit ich
das gleich überlebe!“, sagte Leo und schöpfte sich fleißig ein. „Trink nicht so viel, du musst doch
morgen wieder auf die Tribeversammlung oder?“, erinnerte Bonny ihre Freundin. „Oh ja – du hast
Recht. Aber ich brauch morgen nur noch die Sachen in meine Tasche schmeißen und dann kanns
schon losgehen… !“, plapperte Leo und deutete mit ihrem Kinn auf einen Stuhl auf dem sie ihre 7
Sachen vorbereitet hatte. „Das kleine Schwarze und nen roten Push-Up BH? Was hast Du denn
vor?“, lachte Bonny und Leo zuckte nur unschuldig mit den Schultern. „Man weiß ja nie….
schließlich ist Phönix jetzt wieder Single und nachdem letzten Streit den ich zwischen Ihm und
Aereen mitbekommen habe, scheint dieses Kapitel jetzt auch endgültig abgeschlossen zu sein!
Ich werde es jetzt nicht darauf anlegen, aber ich will eben auf alle Eventualitäten vorbereitet
sein!“ „Na du bist gut – danach heulst du uns wieder die Ohren voll. Phönix ist echt ein Arsch,
wenns um das geht. Er macht immer einen auf verständnisvoll und vernünftig und dann macht er
dir wieder Hoffnungen, nur um drei Wochen später wieder was mit Aereen anzufangen!“, brachte
Bonny es auf den Punkt. „Sorry das sollte nicht so hart klingen – die Hormone, tut mir Leid!“,
sagte sie allerdings noch sofort hinterher, als sie Leos traurigen Gesichtsausdruck bemerkte.
„Hast ja Recht, wenn nichts läuft, bin ich sauer, weil er sich nicht für mich interessiert, und wenn
was läuft bin ich auch sauer, weil ich weiß dass es nichts ernstes ist… also egal wies läuft, ich
werde euch definitiv die Ohren zuheulen!“, grinste Leo und war froh als es im nächsten Moment
klopfte. „Oh da sind ja unsere Gäste – wie gelegen!“ „Hey, na – ach ihr seid ja alle schon da!“,
begrüßte Estelle die drei – sie war wie immer der absolute Sonnenschein. „Na du hast dich ja
aufgedonnert, hast du heute noch etwas vor?“, fragte Bonny und versuchte ernsthaft interessiert
zu wirken. „Ja ich habe heute ein Date mit Jake und meine Haare sind jetzt endlich so lange, dass
ich einen Zopf machen kann!“ erzählte sie begeistert und zeigte den anderen ihre Frisur. „Ist ja der
absolute Hammer!“, antwortete Leylie gelangweilt, doch Estelle war so euphorisch, dass sie das
ganze gar nicht mitbekam. „Na dann – wollen wir nur einen Film ansehen?“, fragte Leo in die
Runde und alle waren sofort einverstanden – zumindest mussten sie so schon nicht miteinander
reden.
„Leo?“, rief Phönix und klopfte noch einmal an ihre Tür. Er hatte bereits eine viertel Stunde in der
Küche gewartet, doch Leo war immer noch nicht aufgetaucht. Gerade als er noch einmal klopfen
wollte, öffnete sie verschlafen die Tür. „Es ist 20 nach acht! Wir müssten so langsam los!“ „Scheiße
– ich hab total verpennt – oh Mist!“, fluchte Leo und stürzte in ihr Badezimmer. „Ich bin in zehn
Minuten fertig – kannst Du mir bitte einen Kaffee machen, ich trinke ihn auf dem Weg!“, rief sie
und Phönix verdrehte nur die Augen. „Ja ja 10 Minuten, ich lach mich tot – ich warte unten!“
Genau 16 Minuten später kam Leo die Treppe heruntergeeilt. „Kann ich so gehen?“, fragte sie
abgehetzt. „Naja, für ne Viertel Stunde kann mans lassen!“, sagte Phönix nur und hielt Leo die
Tasse Kaffee entgegen. „Na danke – zeig du mir mal wie man sich in 10 Minuten duscht, Zähne
putzt und schminkt – da blieb nicht mehr wirklich viel Zeit für eine schicke Frisur!“, entgegnete
Leo und zog sich ihre Basecap tiefer ins Gesicht. „Wir können los!“ „Ging wohl gestern ein wenig
länger, mh?“, fragte Phönix als sie das Internat verlassen hatten. „Ja wir waren fast bis vier
gesessen. Saira und Leylie haben sich wieder vertragen und wir haben dann noch ziemlich viel
gequatscht!“ „… und getrunken!“, ergänzte Phönix ihren Satz worauf sie nur die Augen verdrehte.
„Das musste ich ja, schließlich war deine liebreizende Ex-Freundin anwesend! Wie du ja sicher
weißt ist sie nüchtern nur sehr schwer zu ertragen!“ „Vielleicht sollten wir den Rest des Weges
einfach nur schweigend nebeneinander her laufen!“, schlug Phönix vor und Leo schlürfte nur
trotzig an ihrer Tasse Kaffee.
Während Leo und Phönix den Tag bei der Tribeversammlung verbrachten, hatte Chris Shari in die
Werkstatt die ans Internatsgebäude grenzte entführt. „Was hast Du denn vor? Also
handwerkliches Talent hab ich ja wirklich nicht!“, sagte Shari. „Brauchst du nicht, du musst mir nur
etwas nähen und ich brauche eine Meinung. Ich habs nur versteckt, ich wollte nicht dass es
jemand findet!“, antwortete er und zog eine Plane weg. „Oh mein Gott ist das süß!“, quitschte
Shari, als sie die Babywiege erblickte, die Chris scheinbar selbst gebaut hatte. „Ich brauch nur
noch ein wenig Stoff drüber, du weißt schon, so nen Vorhang… kannst Du das Nähen? Und
vielleicht noch Bettzeug?“ „Natürlich kann ich das – meine Güte Chris, das ist ja wirklich so lieb
von dir – Bonny wird sich riesig darüber freuen!“ „Naja, das glaube ich nicht – schließlich hab ja ich
und nicht Ved das Ding gebaut!“ „Ach komm – sie wird sich sicherlich freuen – sag blos du bist
eifersüchtig auf Ved!“ „Nein … mich nervt es nur, dass er ständig um Bonny rumwuselt –
schließlich ist es mein Baby und nicht seins!“ „Also wenn sie sieht das du das hier gebaut hast und
dann immer noch nicht einsieht, dass dir das Baby wichtig ist, dann ist ihr nicht mehr zu helfen –
vielleicht liegt es auch einfach an den Hormonen… sie und Ved sind ja auch schon lange
befreundet, du solltest das nicht überbewerten!“ „Ja du hast ja Recht – naja, ist auf jeden Fall
super, dass du mir hilfst. Vielleicht sollten wir grün nehmen oder gelb? Rosa oder blau könnte zu
50 % schief gehen!“, lachte Chris und Shari nickte. „Ich werde sehen, was ich noch an Stoffen
dahabe, dann zeig ich dir einfach du suchs dir etwas raus!“, antwortete sie und musterte Chris
eine Weile. „Ich dachte echt nicht, dass du mal so vernünftig und brav wirst … !“, grinste sie dann.
„Hey ich bin immer noch McSexy!“, lachte er und Shari zuckte nur mit den Schultern. „Also aktuell
bist du für uns alle eher McBaby – aber das wiederum ist auch sehr sexy!“
Als Leo und Phönix am nächsten Tag nach Hause kamen, erwartete Bonny sie bereits. „Hey na wie
wars?“ „Ach, wir reden wieder nicht miteinander… was womöglich daran lag, dass mir Phönix
heute morgen gepredigt hat, ich sollte nicht so viel Alkohol trinken und er würde sich ja so viel
Sorgen um mich machen… er sorgt sich nämlich so sehr um mich, dass er gestern Nacht gleich
mal ausgenutzt hat dass ich betrunken war…!“ „Vielleicht solltet ihr einfach getrennt auf diese
Tribeversammlungen gehen!“, sagte Bonny schmunzelnd, „ihr solltet einfach nicht soviel Zeit
miteinander verbringen, außerdem hab ich dir ja gesagt dass er ein Arsch ist – er war jahrelang
mit Aereen zusammen – der Typ kann nicht ganz richtig sein!“ „Hey, du kriegst ein Baby von Chris
– er ist auch nicht grade Schwiegermamas Liebling!“, konterte Leo. „Aber er ist immerhin ein
offensiver Arsch! Ach komm, scheiß auf die Kerle – habt ihr das mit der Entführung zur Sprache
gebracht?“, fragte Bonny „Ja haben wir – und es gab scheinbar schon mehr solcher Fälle. Die
Nomaden wollen sich jetzt darum kümmern und haben das ganze in die Hand genommen!“ „Oh
ist das nicht der Tribe mit diesem Wayne als Anführer? Ich hoffe nur dass er sich die Typen, die
diese Entführungen planen, höchstpersönlich zur Brust nimmt, ich glaube er ist da nicht gerade
zimperlich!“ „Verdient hätten sie es. Wo ist eigentlich Leylie?“ , fragte Leo. „OH sie ist mit Saira,
Estelle und Jake in der Stadt!“ „Mit Estelle und Jake? Im Ernst jetzt?“, fragte Leo schmunzelnd. „Ja
hat sie uns doch am Freitag erzählt – und Saira und Leylie wollten etwas unternehmen aber ich
wollte nicht dass sie alleine in die Stadt gehen, also haben sie sich den beiden angeschlossen!“
„Gott was Estelle am Freitag alles geschnattert hat – wie hält Jake das denn bitte aus? Die beiden
sind eh ein komisches Paar – Jake ist der absolute Computernerd und Estelle ist so dämlich, die
denkt IQ ist ein Chatprogramm!“ Bonny lachte lauthals: „Irgendwelche Vorzüge wird sie schon
haben…!“
Einige Tage später hatten die Starlights entschieden die letzten schönen Sommertage noch
einmal dafür zu nutzen eine Grillparty zu veranstalten. „Ach komm, ess doch wenigstens ein
bisschen Salat!“, bat Sam seine Freundin, doch Lisa schien schon beim Anblick von Essen einen
Würgereiz zu entwickeln. „Sollen wir dir eine Suppe machen?“, bot Stella an, doch Lisa lehnte
dankend ab: „Wirklich nicht danke – es ist heute wirklich schlimm – morgen esse ich wieder was
ok!“ „Ach Schätzchen, ich mache mir wirklich Sorgen um dich. Wenn das Baby draußen ist, bist du
wahrscheinlich dünner als vorher!“, sagte Stella und sah ihre Freundin mitleidig an – sie hatte sich
so sehr ein Baby gewünscht und nun musste sie so unter der Schwangerschaft leiden. „Dann leg
dich wenigstens auf einen der Liegestühle – diese blöden Klappstühle hier sind ja für uns schon
total unbequem!“ „Ja das kann ich machen!“, sagte Lisa und lächelte ihren Mann dankbar an – sie
wusste natürlich dass er ihr gerne half, aber ihre Eskapaden und Stimmungsschwankungen in den
letzten Wochen waren für ihn auch nicht immer leicht. Bonny dagegen hatte mal wieder riesigen
Appetit. „Oh mein Gott ist das lecker!“, schwärmte sie, doch nach dem dritten Teller war dann
auch für sie Schluss. „Noch jemand Fleisch? Bonny hast Du noch Hunger?“, fragte Chris, der den
Grill bediente. „Ich hab ja wohl schon genug gegessen, oder?“, raunte Bonny ihn an und Chris
honorierte sie nur mit einem Augenrollen. „Hormone hin und Hormone her, so langsam geht mir
ihre Laune mir gegenüber ganz schön auf den Sack!“, murmelte er dann als er wieder am Grill
stand. „Tja, du hast es dir halt ganz schön versaut bei ihr…. das ist ihre schleichende Rache!“,
lachte Justin. „Wahrscheinlich ist es das… naja, irgendwann wird sie sich schon wieder einkriegen.
Sag mal sind Rya und Radan jetzt zusammen, weil sie die ganze Zeit aufeinander hocken?“ „Ja,
sag blos du hast das noch nicht mitgekriegt?“, fragte Jake und nippte an seinem Bier.
„Wahrscheinlich ist die alte so Bio, dass sie sich nicht mal die Beine rasiert!“, sagte Simon mit
einem fiesen Grinsen. „Also mir wäre die alte echt zu abgefahren… mal sehen wie lange Radan
dass noch durchzieht, also ich würde nicht auf Fleisch verzichten nur damit ich zum Zug komme!“
„Nein, das wäre ja völlig unter deiner Würde- stattdessen gehst du lieber ausgiebig Shoppen oder
setzt sich in irgendwelche Schicki-Micki-Restaurants um Estelle zu beeindrucken!“, konterte
Simon und Jake zuckte nur mit den Schultern. „Was beides nicht zu meinem Nachteil war – Estelle
war gut drauf, sie hat sich beim Shoppen sexy Unterwäsche gekauft und das Essen war super!“ „…
und trotzdem lässt sie dich nicht ran!“ „Ach halt doch die Klappe! Wenigstens ist sie keine 14 – also
mal die Füße ruhig halten meine Herren!“, entgegnete Jake und sah sich dann nach Estelle um.
„Ich lass euch mal alleine, viel Spaß beim klugscheissern Jungs!“, sagte er dann und machte sich
auf den Weg zu ihr. „Oh da bist du ja – Shari hat etwas genäht und möchte gerne wieder ein
Fotoshooting machen!“, berichtete sie. „Ich hoffe ja dass es diesmal Unterwäsche ist!“, grinste
Jake, doch Shari musste ihn enttäuschen. „Leider nicht – aber die Idee ist gut, dann würde ich mir
eine Menge Stoff sparen! Es sind ein paar Kleider, aber auch sehr sexy – rückenfrei!“ „Na okey, das
lasse ich mal durchgehen, wir können uns ja mal da drüben hinsetzen und ein bisschen darüber
quatschen!“
„Hey entspann dich mal – läuft dich bisher ganz gut!“, sagte Aereen zu Saira, die sich ständig nach
Chris umsah. „Naja, ich weiß nicht – irgendwie kommt mir das total merkwürdig vor!“ „Ohje
Kleine, ich wenn mir da ständig drüber Sorgen machen würde, würde ich zu nichts anderem mehr
kommen!“ „Leo meinte dass ich vielleicht mal mit Chris reden soll!“ „Leo? Mh… naja, das ist deine
Entscheidung – Tu was du für richtig hältst – vielleicht hilft es dir ja! Aber nicht heute – eine Party
ist wirklich kein guter Zeitpunkt um irgendwelche tiefgründigen Gespräche zu führen!“, lachte
Aereen. „Vielleicht rede ich morgen mit ihm – oder doch lieber nicht… ach Mensch ich weiß es
nicht!“ „Das musst du ja jetzt auch nicht entscheiden!“ „Ja ich weiß – du macht es dir etwas aus,
wenn ich mich ein wenig zu Leylie und den anderen setze? Oder komm doch einfach mit – der
Abend neulich war doch ganz in Ordnung… vielleicht braucht ihr nur ein wenig Anlaufzeit um euch
anzufreunden!“, schlug Saira vor. „Ja warum eigentlich nicht – Estelle klebt eh an Jake !“, sagte
Aereen nach dem sie sich kurz umgesehen hatte. „Hey dürfen wir uns ein wenig zu euch setzen?“,
fragte Saira freundlich doch Leo schlief bei Aereens Anblick beinahe das Gesicht ein. „Ja –
natürlich!“, antwortete sie dann mit einem aufgesetzten Lächeln. „Über was quatscht ihr denn?“
„Ach nichts Besonderes – nur ein bisschen Gequatsche eben!“, antwortete Leylie - dass sie gerade
mal wieder über Aereen gelästert hatten, brauchte ihre Schwester ja nicht unbedingt zu wissen –
schließlich hatten sie sich gerade erst wieder vertragen.
„Alle herhören – ein Aufruf an alle Pärchen hier- das Lagerfeier wird gleich entzündet und es darf
geknutscht werden!“ , rief Chris, bevor er das aufgeschichtete Holz anzündete. „Also ich würde
ehrlich gesagt lieber nach oben gehen – du kannst natürlich gerne noch hier bleiben Schatz!“,
sagte Lisa. „So ein Quatsch – ich geh mir dir nach oben – und es gibt keine Widerrede!“,
antwortete Sam sofort als seine Frau ihm widersprechen wollte. „Ich glaube ich gehe auch mit –
nach der Sache mit Jason ist mir nicht wirklich nach Feiern zumute – ich weiß gar nicht wie ich
reagieren soll, sofern er jemals wieder auftauchen soll – ich bin so wütend auf ihn!“ „Ach Stella –
das tut mir wirklich Leid für dich und ich würde mich auch wirklich gerne um dich kümmern,
stattdessen falle ich dir nur zur Last mit meinen Wehwechen!“, entschuldigte sich Lisa. „Jetzt hör
aber auf – ich bin doch froh, dass ich dich unterstützen kann – dann bin ich wenigstens
abgelenkt!“, widersprach Stella ihrer Freundin. „Und sollte es jemals zu dem Fall kommen, dass
ich schwanger bin, dann kannst Du dich für alles revanchieren!“, kicherte Stella und half ihrer
Freundin beim Aufstehen.
Im Gegensatz zu Lisa und Sam hatten Rya und Radan sich das mit dem Lagerfeuer nicht zweimal
sagen lassen. Gemeinsam hatten sie sich unter eine Decke gekuschelt und auch immer mehr
andere Mitglieder der Starlights sammelten sich um das warme Feuer. „Oh verdammt – ich will
hier nicht weg, aber ich glaube Sunny dreht total am Rad wenn ich nicht mal nach Ihr sehe!“,
jammerte Mary und schälte sich aus der Decke die sie sich mit Lily teilte. „Oh warte – ich gehe
kurz mit – ich muss ganz dringend Pippi!“, kicherte Alex. „Bringst du bitte meine Gitarre mit?“, rief
Justin ihr hinterher, doch Alex machte einen trotzigen Gesichtsausdruck: „Dann können wir ja
aber gar nicht mehr kuscheln!“, sagte sie schmollend, „…aber ich will mal nicht so sein!“, sagte sie
dann grinsend und rannte Mary hinterher, die schon weitergelaufen war. „Super dass wir das
schöne Wetter nochmal ausnutzen können – obwohl es jetzt inzwischen ganz schön kalt ist!“,
sagte Mary gut gelaunt. „Ja da hast Du Recht! Du Mary darf ich dich mal was fragen?“ „Na klar,
was ist denn?“ „Jetzt nicht falsch verstehen oder so – vielleicht bilde ich mir das aber auch nur
ein…!“ „Frag mich doch einfach Alex!“, lachte Mary. „Zwischen dir und Lily – läuft da was?“, fragte
Alex und Mary sah sie verwundert an. „Wie lange brennt dir denn diese Frage schon auf den
Lippen?“ „Schon lange, aber nüchtern habe ich mich nicht getraut zu fragen – ich weiß nicht
warum… es ist halt doch etwas anderes – ich wusste ja nicht dass du auch auf Frauen stehst – also
ich finde das nicht schlimm oder so!“ „Alex mach mal ne Pause – da läuft nichts – wir sind nur ganz
normale Freundinnen – nichts weiter!“ „Ok – ich dachte nur, weil ihr so viel Zeit miteinander
verbringt und gerade eben am Lagerfeuer… naja!“ „Nein da ist wirklich nichts – und wenn dann
hätte ich es dir doch schon längst erzählt!“, sagte Mary und lächelte ihre Freundin zuversichtlich
an. „So und jetzt hol Justins Gitarre und ich schau kurz nach der Kleinen!“ Als die beiden
Freundinnen wieder nach unten kamen, herrschte helle Aufregung. „Gott Mary da bist du ja
endlich – ich glaube Bonny bekommt ihr Baby!“, rief Leo total aufgeregt. „Ach Leo – das kleine
tritt mich bestimmt nur, es war schon den ganzen Tag so aktiv!“, spielte Bonny die Sache
herunter, doch im nächsten Moment zuckte sie vor Schmerzen zusammen. „Oh nein, ich glaube
nicht dass dich das Baby nur tritt!“, sagte Mary. „Leylie und Saira – bitte geht nach oben und
macht ein Zimmer fertig. Nehmt eine Rettungsdecke und breitet sie auf dem Bett aus und dreht
die Heizung auf. Leo du besorgst Desinfektionsmittel, eine Schere, saubere Handtücher und einen
Verbandskasten. Und du Bonny bleibst erstmal ganz ruhig. Es wird noch eine Weile dauern, bis es
wirklich los geht – du brauchst Dir keine Sorgen zu machen ok? Wir kriegen das schon hin!“,
redete Mary Bonny gut zu, doch diese war völlig aufgelöst. „Das Baby kommt viel zu früh – ich
hab doch mindestens noch drei Wochen! Bestimmt hat es mich eben nur getreten“, jammerte sie
ängstlich. „Beruhig dich - drei Wochen sind nicht schlimm – Sunny kam sechs Wochen zu früh und
sie ist jetzt kerngesund. Ved kannst du mir bitte helfen Bonny zu stützen? Wir müssen Sie nach
oben bringen!“ Ved, der scheinbar die ganze Zeit gewartet hatte irgendwie helfen zu können, war
sofort zur Stelle und Bonny stützte sich mit schmerzverzerrtem Gesicht auf seine Schulter. „Was
soll denn ich machen?“, fragte Chris panisch. „Du bleibst erst mal ruhig – wir passen auf Bonny
und das Baby auf. Ich weiß dass du helfen willst, aber du machst Sie nur verrückt, wenn du bei der
Geburt dabei wärst!“, versuchte Mary ihm möglichst taktvoll beizubringen. „Ich könnte die
Hebamme holen, sie wohnt ne dreiviertel-Stunde von hier entfernt. Ich kann sie holen!“, bot Chris
an. „Ja das ist eine gute Idee – aber nimm jemanden mit - nicht dass du uns noch abhanden
kommst!“ „Ich komm mit – Alex kannst Du dich vielleicht um Sunny kümmern, wenn sie nach
jemandem ruft?“, fragte Phönix und zog hastig seine Jacke an – Chris war schon losgeeilt. „Na klar
– schau dass du ihm hinterherläufst, sonst ist er über alle Berge!“, sagte Alex und Phönix stürmte
Chris sofort hinterher – als die beiden mit der Hebamme wieder zurückkamen, lag Bonny noch
immer in den Wehen. „Wie geht es ihr?“, fragte Chris, doch als Bonny seine Stimme hörte, teilte
sie ihm ziemlich deutlich mit, dass sie ihn gerade nicht gebrauchen konnte: „Verschwinde!“ „Sie
meint das nicht so – wir kümmern uns ums sie!“, sagte die Zara die Hebamme zu ihm – sie hatte
schon viele Geburten miterlebt und wusste dass es nicht immer hilfreich war, wenn die Väter bei
der Geburt anwesend waren. Geknickt ging Chris nach unten zu den anderen – sie hatten die
Grillparty aufgelöst und hatten sich im Wohnzimmer versammelt. „Wie lange hat es denn damals
bei Zoe gedauert?“, fragte Rya in die Runde. „Sehr lange – aber bei Zoe kamen die Wehen am
Anfang auch langsamer und nicht gleich so schnell nacheinander!“, erzählte Alex. „Glaubt ihr das
ist ein schlechtes Zeichen?“, fragte Chris. „Nein, quatsch – das ist einfach verschieden… für Bonny
ist es auf jedenfall besser, dann zieht es sich wahrscheinlich nicht so lange hin!“ „Mh… ok!“, sagte
Chris nur und lief dann im Wohnzimmer auf und ab. „Los Leute lasst uns irgendwas machen!
Spielen wir irgendein blödes Spiel oder so …. wenn wir schweigend hier rum sitzen, dann bringt
das auch nichts!“, sagte Aereen nach einer Weile. „Ja das machen wir – und ich koch uns ne Runde
Kakao!“, stimmte Alex ihr zu. „Oh Gott ich glaub wenns bei Lisa soweit ist, brauche ich Baldrian-
Tropfen oder so!“, sagte Sam. „Wo ist Lisa denn?“ „Sie ist oben, sie schläft wie ein Stein – die
Schwangerschaft nimmt sie total mit – wenn sie nicht mal durch Bonnys Schreie aufwacht, will
das ja was heißen!“ „Es ist seit ner weile ziemlich ruhig da oben, oder bilde ich mir das ein?“,
fragte Alex und versuchte vor Chris nicht zu zeigen, wie besorgt sie war. „Vielleicht ist das Baby ja
da!“, sagte Chris, doch sein Gesichtsausdruck verdunkelte sich schnell wieder, „aber warum
schreit es dann nicht? Babys schreien doch wenn sie auf die Welt gekommen sind oder?“
„Quatsch, nicht alle – das ist nur in den Filmen so, wir sind schließlich nicht bei Greys Anatomy!“,
antwortete Shari und setzte sich neben Chris und strich ihm über seinen Arm. „Alles wird gut,
hörst du? Bonny kriegt das schon hin – hast du ihr eigentlich schon die Wiege gezeigt?“, fragte sie
dann um ihn ein wenig abzulenken. „Nein, ich dachte ja dass wir noch ein paar Wochen Zeit
haben!“ „Na dann lass sie uns doch holen – als Überraschung! Kommt einer von euch Jungs mit
rüber? Ist ziemlich groß das Teil!“, schlug Shari vor – so war Chris wenigstens für ein paar Minuten
abgelenkt und konnte sich keine Sorgen machen. Kurz nachdem Chris mit Shari und Justin
verschwunden war, kam Mary nach unten. „Leylie kannst du mit nach oben kommen und uns
helfen?“, fragte sie abgehetzt. „Was ist denn los? Ist alles in Ordnung?“, fragte Leonie besorgt –
sie hätte ihre Freundin so gerne unterstützt – doch die Tatsache, dass sie kein Blut sehen konnte,
war dabei ein wenig hinderlich. „Das Baby ist da, allerdings hat sie sehr starke Nachwehen!“,
erklärte Mary kurz und verschwand dann gleich mit Leylie wieder nach oben. „Und habt ihr schon
was gehört?“, fragte Chris als er wieder zurück war. Doch gerade als Alex antworten konnte,
ertönte wieder ein Schrei von Bonny das Internat. „Oh, sie kämpft also noch!“, sagte er. „Gott wie
lange dauert dass denn noch? Außerdem hab ich schon wieder verloren, bei diesem dämlichen
Spiel!“, fluchte Estelle. „Halt doch mal die Klappe!“, sagte Leo und lauschte. „Da schreit doch ein
Baby, oder?“ Plötzlich war es mucksmäuschenstill. „Ja es ist da – mein Baby ist da!“, strahlte Chris
und war bereits aufgestanden. „Chris warte doch noch einen Moment – lass Bonny erstmal noch
einen Moment alleine, sie ist bestimmt total geschwächt!“, bat Leonie ihn. „Ja – du hast Recht –
ich bin nur so wahnsinnig aufgeregt!“ „Ich bin ja so gespannt ob es ein Mädchen oder ein Junge
ist!“, sagte Alex. „Habt ihr euch eigentlich schon einen Namen ausgesucht?“, fragte Shari, doch
Chris konnte nur mit den Schultern zucken. „Ich weiß nicht, ich glaube Bonny wollte sich den
Namen selbst aussuchen...!“, sagte er kleinlaut – er wollte seine Enttäuschung darüber nicht vor
allen Zeigen. ES herrschte kurzes Schweigen, doch dann hörten alle jemanden die Treppe
herunterkommen. „Sie hats geschafft!“, verkündete Mary – sie schien selbst ganz schön
mitgenommen. „Darf ich mit nach oben?“, fragte Chris wie ein kleiner Schuljunge und kaum hatte
Mary genickt war er auch schon aufgesprungen. Oben angekommen atmete er noch ein paar Mal
tief durch, bevor er das Zimmer betrat. Bonny war total geschafft und lag durchgeschwitzt auf
dem Bett. Doch trotz der Schmerzen hatte sie ein seeliges Lächeln auf den Lippen, während Sie
ihr Baby im Arm hielt. „Hey, wie geht es dir?“, fragte Chris und setzte sich neben sie. „Ich bin total
fertig – aber es geht mir gut!“, antwortete sie leise. „Ist es ein Mädchen oder ein Junge?“ „Ähm …
naja... !“, begann Bonny doch Leylie unterbrach sie. „Nicht oder – und!“, grinste sie und als Chris
sich umdrehte konnte er seinen Augen beinahe nicht trauen – denn Leylie hielt auch ein Baby auf
dem Arm. „Zwei Babys?? Also Zwillinge?“, fragte er ungläubig. „Ja für mich war das auch eine
Überraschung – glaub mir!“, sagte Bonny. „Hier nimm ihn doch einmal!“, forderte Leylie ihn auf
und legte ihn seinen Sohn in den Arm. „Ganz schön winzig – ist das normal?“, fragte Chris und fuhr
dem kleinen vorsichtig mit dem Finger übers Gesicht. „Nein, sie sind schon sehr klein – aber bei
Zwillingen ist es normal – und es ist auch normal, dass Zwillinge früher kommen!“, erklärte die
Hebamme und Chris nickte nur. „Und haben sie schon Namen?“ „Ja Logan und Lynn!“, antwortete
Bonny und Chris überlegte kurz: „Na damit werde ich mich wohl anfreunden können!“
Die nächsten Wochen waren für Chris und Bonny sehr aufregend, aber auch wahnsinnig stressig.
„Guten Morgen!“, flötete Estelle fröhlich, als Chris mit tiefen Augenringen in die Küche kam. „Na
hattest Du heute Nacht Lynn?“, grinste Jessi. Die beiden Zwillinge waren grundverschieden –
während Logan der ruhige von den beiden war und die meiste Zeit schlief, gab es bei Lynn kaum
Phasen in denen sie durchschlief. „Ja – die kleine ist der Teufel höchstpersönlich!“, sagte Chris und
legte das Babyphone auf den Tisch. „Sie ist halt ne kleine Diva!, grinste Estelle. „Wo ist denn die
Butter?“, fragte Chris und Estelle eilte schnell zum Kühlschrank. „Hab ich vergessen – ich hatte
heute Frühstücksdienst!“ „Sonst macht das doch immer Alex, oder?“ „Ja, aber sie arbeitet doch ab
jetzt im Waisenhaus – hat sie doch neulich erzählt!“ „Hab ich nicht mitbekommen – bei mir gibt’s
derzeit nur Lynn, Lynn, Lynn, Logan, Lynn, Lynn...!“, lachte Chris. „Ja Bonnys Hebamme hat Alex
gefragt ob sie im Waisenhaus helfen möchte, und da Alex Kinder ja über alles liebt hat sie
natürlich zugesagt!“, erzählte Estelle. „Wahrscheinlich schmuggelt sie irgendwann mal eines der
Kinder mit nach Hause und setzt es Justin vor die Nase!“, kicherte Aereen. „Also meiner Meinung
nach gibt es jetzt bereits genug Kinder hier im Tribe – wahrscheinlich bekommt Lisa auch noch
Zwillinge! Ich hab total die Augenringe!“, beschwerte sie Estelle und Chris lachte nur. „Ach
Dornröschen, du bist doch Nachts eh immer unterwegs – tu nicht so als würdest du ohne die
kleinen mehr schlafen!“ „Das musst du ja jetzt sagen, schließlich bist du der Papa!“, wehrte sich
Estelle. „Guten Morgen zusammen!“, begrüßten Mary und Phönix die anderen. Vor ihnen lief
Sunny, die stolz wie Oskar ihre Schultüte in der Hand hielt. „Wow – erster Schultag?“, fragte Jessi
und kniete sich zu Sunny um ihre Schultüte anzusehen. „Was ist da drin?“ „Ich darfs noch nicht
aufmachen!“, schmollte Sunny. „Die wird erst in der Schule aufgemacht!“, lachte Mary. „Wann
gehen wir denn dann?!“, quängelte ihre Tochter. „Na jetzt – los Mütze auf und ab die Post!“, sagte
Phönix und hielt seiner Tochter die Tür auf. „Viel Spaß in der Schule!“, rief Jessi ihr hinterher und
widmete sich dann wieder dem Frühstück. „Hammer wie schnell die kleinen groß werden!“ „Oh ja
– meine beiden Zwerge sind jetzt drei Wochen alt, aber sie sind soviel gewachsen – es ist echt der
Wahnsinn!“ „Also mir ist das hier alles ein wenig zuviel Babymania – ich geh nach oben!“, sagte
Aereen und stand genervt auf. „Warte ich geh mit – du musst mir noch helfen – ich weiß absolut
nicht welches Kleid ich heute Abend anziehen soll!“ „Lass mich raten, du hast mal wieder ein Date
mit Jake?“, fragte Aereen – immer noch genervt. „Ja, aber wie kommst Du darauf?“, fragte Estelle
in ihrer gewohnt naiv-dümmlichen Art. „Weil du in den letzen Wochen gefühlte 200 Dates mit Jake
hattest, deswegen!“, antwortete Aereen nur gelangweilt und Estelle kicherte nur.
Nachdem bei Sunnys Einschulung der offizielle Teil vorbei war und die Kinder in ihre Klassen
gingen, machten sich Mary und Phönix auf den Weg in ein kleiens Bistro um zu brunchen – es
waren eh nur noch zwei Stunden bis Unterrichtsschluss. „Ist alles ok mit dir? Du wirkst so
nachdenklich?“, fragte Phönix. „Oder machst Du dir Sorgen wegen Sunny?“ „Nein, Quatsch – die
kleine macht das schon – sie hat ja viele Freunde aus dem Kindergarten, die auch in ihrer Klasse
sind! Es ist nur... ach ist egal!“ „Wir haben noch zwei Stunden, also entweder nerve ich dich
solange bis du sagst was los ist, oder du fängst gleich an!“, lachte Phönix. „Naja, du lässt ja doch
nicht locker – Alex hat mich neulich etwas gefragt – eigentlich total albern – sie hat gefragt, ob
zwischen mir und Lily was läuft – und bis sie mich das gefragt hat, hab ich da nie drüber
nachgedacht und jetzt geht mir die Sache nicht mehr aus dem Kopf!“, sprudelte es aus Mary
heraus. „Und jetzt weiß nicht, ob es einfach nur ein dummer Gedanke ist oder ob ich vielleicht
wirklich was für Lily empfinde – aber das kann nicht sein – ich mein ich interessiere mich
überhaupt nicht für Frauen – also bisher jedenfalls – ich glaube es ist einfach nur so ein
Hirngespinst! Wahrscheinlich ist das irgendein Notfallmodus meines Gehirns, weil ich es nicht
schaffe mir einen Freund zu suchen!“ „Und wieso bist du dann gerade knallrot?“, fragte Phönix
nur und Mary verdrehte nur die Augen: „Weil ich mich aufrege – mal im Ernst, ich bin doch keine
Lesbe – ich mein das wäre mir ja wohl selbst schon mal aufgefallen...glaub ich!“, gab sie kleinlaut
zu. „Ich weiß einfach nicht ob ich gute Freundschaft mit mehr verwechsle, verstehst du?“
„Vielleicht solltest Du Lily einfach mal darauf ansprechen?“ „Ja super Idee – ach egal – Lily hat sich
mir gegenüber immer wie eine normale Freundin verhalten – aber vielleicht liegt es auch daran,
dass sie überhaupt nicht weiß dass ich auf Frauen stehe – also vielleicht!“, grübelte Mary. „Oh
Mann , ich brauch jetzt erst mal Nervennahrung – komm lass uns was bestellen!“
Wenige Tage später kam Jake nach einer durchzechten Nacht in die Küche und lies sich völllig
übermüdet auf einen der Stühle fallen. „Mann siehst du beschissen aus – was habt ihr denn
gestern gemacht?“, fragte Phönix, doch Jake schüttelte nur den Kopf und hielt seinem Bruder
anschließend seine Hand vors Gesicht. „Sag mal bist du immer noch blau, was soll das?“ „Hergott,
mach die Augen auf, da ist ein Ring an meiner Hand!“ „Ich glaub er ist wirklich noch blau!“, lachte
Ved, der sich ebenfalls gerade in der Küche aufhielt. Jake verdrehte nur die Augen: „In diesem
Ring ist eine Gravur, die da lautet: „Las Vegas Bar“ - verdammt, ich glaub ich hab gestern Nacht
geheiratet!“ „Du hast was? Wie konnte denn das passieren?“, fragte Phönix lachend. „Und vor
allem wen hast Du geheiratet?“ „Ich nehme mal an Estelle, schließlich liegt sie oben in meinem
Bett und hat auch so einen dämlichen Ring am Finger. Und wie es passieren konnte, frage ich
mich seitdem ich vorhin, als ich mich beim Kotzen abgestützt hatte, diesen bescheuerten Ring
entdeckt habe!“ „Das ist nicht dein Ernst oder?“, fragte Ved und prustete lautstark los. „Na dann
herzlichen Glückwunsch! Ich hoffe nur dass eure Kinder mal ihr Aussehen und deine Intelligenz
erben, weil andersrum wird’s echt kritisch!“, sagte Phönix lachend. „Oh Mann halt einfach die
Klappe - ich trink nie mehr Alkohol!“, jammerte Jake und kaute angewidert auf seinem trockenem
Brötchen herum. Jake wollte gerade wieder beginnen zu reden, als Estelle plötzlich die Küche
betrat. „Guten Morgen Schatz!“, rief sie fröhlich wie immer und gab Jake einen Kuss auf die
Wange. „Schau mal Phönix, wir sind jetzt verwand, ist das nicht cool!“, sagte sie und präsentierte
grinsend ihren Ring – im Gegensatz zu Jake, schien sie scheinbar noch zu wissen, was in der
letzten Nacht vorgefallen war. „Ja der Hammer, ich kanns kaum fassen!“, antwortete Phönix
ironisch. „Ich wollte es gerade Aereen erzählen, aber die ist nicht da – wahrscheinlich wieder bei
den Kötern... naja, jetzt muss ich es eben euch berichten! Naja, Jake hat euch ja bestimmt schon
alles erzählt!“ „Oh ja – hat er!“, grinste Ved. „Ach erzähls doch nochmal Schatz, ich glaube sie
können es nicht oft genug hören!“, sagte Jake und und Estelle legte natürlich sofort los –
zumindest würde er dann auch erfahren, was letzte Nacht passiert war. „Naja, auf jedenfall wars
total witzig. Oh Simon hat noch die Heiratsurkunde – schließlich war das hochoffiziell und nicht
nur so ein Partygag!“, beendete Estelle ihre Erzählungen. „Hab ich was vergessen Schatz?“, fragte
sie und sah ihren „Mann“ strahlend an. „Oh nein, ich glaube nicht!“, antwortete Jake nur etwas
verzweifelt und stand dann auf. „Ich hau mich jetzt aufs Ohr – war ja schließlich viel los gestern
Nacht!“ „Ich komme mit – schließlich müssen wir noch unsere Flitterwochen planen!“, kicherte
Estelle und krallte sich sofort Jakes Hand. „Ich glaube wir gehen jetzt auch nochmal ins Bett –
während ihr nämlich still und heimlich geheiratet habt, hat Lisa ihre Wehen bekommen! Wir
haben sie gestern Abend noch ins Krankenhaus gebracht und Sam wäre beinahe durchgedreht,
ich hoffe die Krankenschwestern dort, haben ihm Valium gegeben!“, berichtete Phönix. „Ihr
hattet noch Zeit sie ins Krankenhaus zu bringen?“ „Ja, so eine Geburt dauert nicht nur fünf
Minuten – sie hatte noch sehr schwache Wehen!“, erzählte Ved. „Lisa war nicht das Problem –
aber Sam – ich hätte ihn am Liebsten an die Wand geklatscht – er hat Lisa total wahnsinnig
gemacht!“ „Und ist das Baby jetzt da?“, fragte Estelle neugierig. „Ich kann nicht hellsehen,
Estelle!“ „Na dann hoffen wir das beste für die drei!“, sagte sie nur und widmete sich dann wieder
ihrem Ehemann.
Zimmertür zu. „Geht’s noch lauter? Du wohnst hier nicht alleine!“, sagte Chris der es
scheinbar gerade geschafft hatte seine Tochter (zumindest ein wenig) zu beruhigen.
Estelle verdrehte nur die Augen und stakste dann nach unten. „Hat irgendjemand von
euch Aereen gesehen?“, fragte sie Lily und Mary, die gerade dabei waren das
Abendessen vorzubereiten. „Nein, sorry – keinen Schimmer! Und Glückwunsch zur
Hochzeit!“, kicherte Lily. „Oh - Vielen Dank!“, antwortete Estelle strahlend – für sie
schien die Blitzhochzeit die normalste Sache der Welt zu sein. „Jeder weiß es schon – und
ich will es unbedingt Aereen erzählen und sie ist nicht da! Oh Gott, vielleicht hat es ihr
schon jemand gesagt und sie ist sauer auf mich?“, sagte sie dann grübelnd. „Ach Quatsch
– sie wird schon wieder auftauchen, vielleicht ist sie ja in der Stadt oder so… mach dir
keinen Kopf!“, versuchte Mary sie zu beruhigen. „Und das mit der Hochzeit ist jetzt
wirklich euer Ernst?“, fragte Lily dann neugierig. „Natürlich – wieso denn nicht? Es war
zwar spontan, aber ob wir jetzt einfach so zusammen sind oder nen 10-Euro Ring tragen
ist doch auch egal!“, plauderte Estelle und betrachtete ihren Ehering. „Also ich stelle mir
meine Hochzeit ja schon ein wenig anders vor!“, antwortete Lily nur und begann sofort zu
fantasieren: „Mit einem tollen Kleid und schön gestylt. Unten am Strand wie bei Lisa und
Sam – das war eine schöne Hochzeit!“ Doch Estelle zuckte nur mit den Schultern und
stand wieder auf: „Ich geh jetzt weiter Aereen suchen, irgendwo muss sie ja schließlich
sein!“ „Oh je, ich glaube jetzt hast du sie erst mal drauf gebracht, was sie alles verpasst
hat!“, lachte Mary als Estelle weg war, „wahrscheinlich rennt sie jetzt direkt zu Jake und
erklärt ihm dass sie nochmal heiraten müssen!“ „Ist doch super – dann gibt’s bald wieder
ne Hochzeit - so komm lass uns weitermachen – wenn Lisa, Sam, Stella und das Baby
nach Hause kommen, soll das Essen fertig sein, wir müssen uns ganz schön beeilen!“
Zwei Stunden später saßen alle am Tisch und hatten bereits gegessen, doch von Lisa und
Sam, ihrem Baby und Stella gab es immer noch keine Spur. „Hoffentlich ist nichts
passiert!“, sagte Alex besorgt. „Ach Quatsch – vielleicht bleiben sie einfach noch ein
paar… ah da sind sie!“, rief Leo als das Klingen an der Haustür ihren Satz unterbrach.
„Oh du bist es nur!“, sagte Leo dann als nur Stella vor der Tür stand. „Wow, sehr
herzliche Begrüßung!“, antwortete sie lachend. „Sam und Lisa bleiben noch im
Krankenhaus – dem Baby geht’s gut, aber Lisa ist noch ziemlich fertig von der Geburt!“,
erzählte sie als sie die Küche erreicht hatte. „Und ist es ein Junge oder ein Mädchen?“,
fragte Bonny gespannt. „Ein Mädchen, sie heißt Larissa – 49 cm und 3.973 g hat sie!
Total süß die Kleine! Hat schon total viele Haare und ist ihrer Mami wie aus dem Gesicht
geschnitten!“ „Also Logan, gleich mal merken – mit der kleinen wirst du später mal um
die Häuser ziehen!“, sagte Chris zu seinem Sohn und lachte. „Na bis dahin haben wir ja
zum Glück noch ein paar Tage Zeit!“, sagte Bonny erleichtert. „Jaja, redet euch das nur
ein – Sunny hat schon ihren ersten Liebesbrief aus der Schule mit nach Hause
gebracht!“, grinste Mary und erntete von ihrer Tochter einen genervten Blick: „Mama,
das ist peinlich!“ „Ach Quatsch das ist doch nicht peinlich, komm wir gehen rauf zu den
Hunden – und wenn wir dann alleine sind, dann erzählst du mir mal von deinem
Freund!“, sagte Alex und sofort sprang Sunny auf und begleitete sie. „Hi hi ist ja witzig,
dass sie jetzt schon nen Verehrer hat!“, kicherte Bonny. „Ja noch finde ich das auch
witzig ich hoffe nur dass sie sich mit den Jungs ein bisschen mehr Zeit lässt als ich!“,
seufzte Mary nur.
Wenige Zeit später stand Alex vor Leos Zimmertür und klopfte, doch anstatt eines
„Herein“ hörte sie nur ein Klappern in Leos Zimmer. „Ich komme gleich!“, rief sie
hektisch – kurze Zeit später öffnete sie endlich dir Tür. „Was treibst Du denn? Bist du
allein?“, kicherte Alex. „Quatsch, wer soll denn hier sein?“, fragte Leo. „Ich weiß ja nicht
- Phönix vielleicht? In seinem Zimmer ist er auf jeden Fall nicht!“ „Du kannst gerne
reinkommen und dich vergewissern – hier ist niemand!“, lachte Leo, „warum bist du denn
eigentlich hier?“ „Wegen Aereen – sie ist weg – und im Tierheim fehlen zwei Hunde –
glaubst du wir müssen uns Sorgen machen?“ „Warum kommst Du denn damit zu mir?“,
fragte Leo ein wenig ungehalten. „Weil du unsere Anführerin bist und Phönix nicht da war
– deshalb… Aereen hat auch keinen Zettel oder so geschrieben und Estelle weiß auch
nicht wo sie steckt!“ „Oh achso – ja klar… ich werde mal mit Phönix sprechen – die Jungs
wollten heute nen Männerabend machen, er ist bestimmt da!“
Eine Stunde später hatte sich der komplette Tribe wieder in der Küche versammelt. „Was
ist denn eigentlich los?“, fragten Rya und Radan, die gerade erst nach Hause gekommen
waren. „Tribeversammlung – Aereen ist verschwunden! Leo und Phönix reden gerade
noch mit Estelle und Saira!“, klärte Noemi sie auf. „Das kann doch nicht wahr sein – es
muss doch mal Hinweise geben, wer das ist…!“, sagte Radan fassungslos. „Es ist doch
noch gar nicht klar, ob sie tatsächlich entführt wurde – vielleicht hängt sie bei irgendnem
Typen rum!“, sagte Simon abschätzig. „Halt dich mit deinen blöden Kommentaren doch
einfach mal zurück – vielleicht wurde sie tatsächlich entführt, wir sollten das wirklich
ernst nehmen! Auch wenn Aereen vielleicht nicht bei jedem beliebt war, gehört sie
trotzdem zum Tribe!“, verteidigte Jake sie. Während in der Küche weiter diskutiert
wurde sprachen sich Phönix und Leo noch einmal ab. „Es wäre besser wenn du die
Besprechung gleich leitest und die Entscheidungen triffst!“ „Wieso das denn? Wir sind
beide Anführer!“ „Aber ich kann das Ganze nicht objektiv bewerten – wenn es nach mir
ginge würde ich jetzt sofort loslaufen und nach ihr suchen!“, erklärte Phönix und Leo
verdrehte nur die Augen „Na klasse – findest du es wirklich ratsam dass ich das
entscheide? Ich würde nämlich gar nicht nach ihr suchen!“, murmelte Leo nur und betrat
dann die Küche.
„Kannst Du wohl auch nicht schlafen?“, fragte Estelle, als sie den Gang entlang gelaufen
war und bemerkt hatte, dass bei Phönix noch Licht brannte. „Nein, nicht so wirklich! Ich
hab noch viel zu tun für die nächste Anführerversammlung“, antwortete Phönix nur kurz
und widmete sich wieder den Listen auf seinem Schreibtisch. „Ja klar – geb doch einfach
zu, dass du Aereen vermisst!“, entgegnete Estelle nur und setzte sich dann
selbstverständlich aufs Bett. „Ich hoffe sie kommt wieder – ich hatte noch nie so ne gute
Freundin wie sie!“, sagte sie dann traurig und schluckte schwer. „Wir werden ja morgen
nach ihr suchen – vielleicht finden wir ja irgendwelche Hinweise!“ „Ja vielleicht – dein
Bruder hat mir übrigens ne richtige Hochzeit versprochen wenn Aereen wieder da ist! Ist
das nicht lieb von ihm?“, sagte sie dann und wartete vergeblich auf eine Antwort von
Phönix. „Mann Du bist nicht der einzige hier der Aereen vermisst – wärst du wenigstens
so höflich und würdest dich mit mir unterhalten? Ich hab niemanden mit dem ich reden
kann – dein Bruder ist nicht unbedingt begabt, was so was angeht, mit Saira brauch ich
nicht zu sprechen, weil sie eh nichts sagt und die anderen wollen nicht mit mir darüber
sprechen, weil sie Aereen eh nicht ausstehen können!“, sagte Estelle ohne Punkt und
Komma bevor ihre Lippe zu zittern und sie zu schluchzen begann. „So war das nicht
gemeint Estelle – es tut mir Leid… ich wollte nicht so unfreundlich zu dir sein, die ganze
Sache ist nur irgendwie… naja ziemlich schwierig!“ „Ist schon gut – ich bin ja selbst
schuld, wenn ich nachts um drei einfach hier reinplatze und dich zulaber!“, entgegnete
sie und wischte sich mit ihren Ärmeln ihre Tränen weg. „Ich geh jetzt ins Bett, damit ich
morgen einigermaßen fit bin, du solltest das besser auch machen!“, sagte sie dann und
verließ mit hängenden Schultern das Zimmer.
„Hey Rya, was ist denn los mit dir Schatz?“, fragte Radan. Rya hatte sich ihre Schuhe
angezogen und saß nun schon eine Weile gedankenverloren auf dem Fußboden. „Oh, es
ist nichts… ich hab nur ein wenig darüber gegrübelt, warum Aereen verschwunden ist!“
„Das ganze nimmt dich ganz schön mit, oder? Du bist schon die ganze Zeit so
nachdenklich, seit der Besprechung gestern!“ „Naja… es ist schon irgendwie
beängstigend, wenn jemand aus dem Tribe verschwindet. Vor allem weil vor kurzem erst
die Sache mit Bonny war. Ich bin froh dass ich dich habe, bei dir fühle ich mich echt
sicher!“, antwortete sie und schmiegte sich an Radans Brustkorb. „Das kannst Du auch –
ich pass schon auf dich auf – nicht auszudenken, wenn dir etwas passieren würde!“,
antwortete Radan und küsste seine Freundin auf die Stirn. „Jetzt müssen wir aber nach
unten gehen – es ist schon kurz vor 10!“ Unten angekommen hatten sich bereits einige
aus dem Tribe versammelt. „Hier, nehmt was zum Essen mit – ihr seid bestimmt länger
unterwegs!“, sagte Alex und drückte jedem ein kleines Lunch-Paket in die Hand. „Gehst
du nicht mit?“, fragte Mary ihre Freundin. „Nein, ich muss doch später noch arbeiten –
aber wenn ihr heute Abend nach Hause kommt, dann mache ich euch was leckeres zu
essen! Stella meinte, dass sie auf dem Rückweg nochmal beim Krankenhaus vorbei will,
vielleicht darf Lisa heute nach Hause, das wäre ja wenigstens schonmal ein kleiner
Hoffnungsschimmer!“, erklärte Alex und drückte Ved der gerade noch aufgetaucht war
ebenfalls ein Lunchpaket in die Hand. „So sind wir alle?“, fragte Leo in die Runde, „dann
können wir ja endlich losgehen, wenn wir noch ein bisschen warten ist es wieder
dunkel!“, sagte sie genervt – sie schien keinen großen Hehl daraus zu machen, dass sie
von der Suche nach Aereen wenig begeistert war. Wie schon bei der Suche nach Michael
hatten sich die Starlights in kleinere Gruppen aufgeteilt um in der Stadt Plakate zu
verteilen und um nach Aereen zu fragen. „Wahrscheinlich erkennt sie jeder zweite auf
den Bildern! Obwohl wenn ichs mir recht überlege, die Kerle die sie abgeschleppt waren
wahrscheinlich eh so betrunken, dass sie sich nicht mehr erinnern!“, sagte Leo gehässig,
als sie nach einer halben Stunde Fußmarsch das erste Plakat aufhängte. „Vielleicht hätten
wir eher ein Nacktfoto nehmen sollen!“, kicherte Leylie und Simon der sich den beiden
Mädels angeschlossen hatte, schüttelte nur den Kopf. „Ein wunder dass ihr die Plakate
nicht gleich in einen Fluss schmeißt!“ „Ach komm Simon, bei dir hat die alte doch auch
für ganz schön Stress gesorgt oder nicht? Außerdem suchen wir ja mit uns kann niemand
den Vorwurf machen, wir hätten uns nicht engagiert!“, grinste Leo.
„Oh Mann ich hoffe uns kann jemand helfen – zum Glück fällt Aereen mit ihrem Aussehen
wenigstens auf – vielleicht erinnern sich die Leute dann leichter an sie!“, sagte Estelle.
Mit Jake und Saira hatte sie zwei eher ruhige Weggefährten und so übernahm sie die
meiste Zeit das reden. „Sag mal war das mit der Hochzeit gestern Nacht wirklich ernst
gemeint, oder hast du das nur so gesagt um mich aufzumuntern?“, fragte Estelle ihren
Mann nach weiteren schweigsamen fünf Minuten. „Natürlich habe ich das Ernst gemeint –
du kriegst deine perfekte Hochzeit – mit Kleid, Torte und dem ganzen anderen Zeugs!“,
antwortete Jake und Estelle grinste. „Na dann lasst uns mal schön weitersuchen- ohne
Aereen will ich meine Traumhochzeit nämlich nicht feiern!“
Es war bereits eins als Phönix, Mary und Lily ihren Suchbereich erreicht hatten, sie hatten
den Stadteil der am weitesten vom Internat der Starlights entfernt war. „Kann ich mir
noch kurz irgendwas zum Essen holen?“, fragte Lily und sah sich nach dem nächsten
Imbiss um. „Klar, du musstest dein Lunch-Paket ja schon 10 Minuten nach dem wir
losgelaufen waren leermampfen!“, kicherte Mary und Lily zuckte nur mit den Schultern.
„Wenn Alex uns so leckere Sachen einpackt. Ich bin gleich wieder da!“, sagte Lily und
ging schnell in ein kleines Bäckerlädchen, während Mary ihr schmunzelnd hinterher sah.
„Also wenn du dir nicht sicher bist, ob du in Lily verknall bist, dann weiß ich auch nicht –
ihr solltet euch zwei mal hören – das ist wie ne Non-Stop-Kitsch-Soap!“ „Bitte was? Das
stimmt doch gar nicht – wir sind einfach zwei Mädels, die sich unterhalten!“, wehrte sich
Mary. „Oh nein, Mädels unterhalten sich normalerweise über Jungs oder lästern über
andere Weiber und ihr labert nur Blödsinn – wie verliebte eben…!“ „Ist doch gar nicht
wahr!“, murmelte Mary und drehte sich von Phönix weg – sie war nämlich knallrot
angelaufen – verdammt er hatte wohl doch recht. „Ach da kommt Lily wieder – wir
müssen uns beeilen, sonst schaffen wir das alles gar nicht mehr!“ „Ja du hast Recht wir
sollten uns tatsächlich beeilen!“, antwortete Mary nur und drehte sich wieder zu Lily und
Phönix um – und hoffte dass sie inzwischen wieder eine normale Hautfarbe angenommen
hatte…
Am Abend hatten sich alle suchenden wieder im Hauptquartier der Starlights versammelt
– von Aereen fehlte allerdings jede Spur. Allerdings waren Sam und Lisa inklusive
Töchterchen Larissa nach Hause gekommen, wobei man Lisa die Strapazen der Geburt
noch deutlich anmerkte. „Wir hätten vielleicht doch noch ein paar Tage im Krankenhaus
bleiben sollen!“, sagte Sam, als er Lisa mit dem Rollstuhl in die Küche brachte. „Oh nein,
ist hätte es da keinen Tag länger ausgehalten – mir geht’s gut Sam, ich bin doch nur ein
bisschen schwach das ist ganz normal!“, sagte Lisa, während sie ihr Baby, dass sie auf
dem Schoß hatte, beobachtete. „Du hast mir ganz schöne Schmerzen bereitet,
Prinzessin, und das obwohl du so Mini bist!“, sagte sie lächelnd. „Oh da seid ihr ja!“, rief
Alex begeistert, als die drei in die Küche kamen. „Ist die kleine süß, darf ich sie mal
nehmen?“, fragte Alex sofort und Lisa hielt ihr ihre Tochter entgegen. „Aber du musst
aufpassen mit dem Kopf, und nicht zu aufrecht halten, sonst fängt sie an zu schreien!“,
sagte Lisa besorgt. „Oh oh Justin, da wird es in den nächsten Tagen wohl wieder
Diskussionsbedarf in Punkto Familienplanung geben, mh?“, lachte Chris. „Na wenn du
und Sam auch so vorlegt – ich hoffe ihr reichen die Kids in der Kindergrippe – damit ist
sie beschäftigt – wir machen uns dann ans Babymachen, wenn wir alt genug dafür sind!“,
konterte Justin und Mary schüttelte den Kopf. „Dafür ist man nie alt genug – ich war 15
als ich schwanger wurde und Sunny ist auch groß geworden!“ „Themawechsel!“, sagte
Justin bestimmt – Alex würde ihn schließlich noch den ganzen Abend mit dem Thema
Kinder bespassen. „Hey da seid ihr ja endlich!“, begrüßte Bonny die frisch gebackenen
Eltern. „Endlich sind die Kumpels von Lynn und Logan hier!“, grinste sie und
beglückwünschte Sam und Lisa. „Ja, die drei werden bestimmt mal ein witziges Gespann,
vor allem wenn sie älter werden!“ „Ohje, Babyalarm!“, unterbrach Bonny das Gespräch,
denn auf dem Babyphone machte sich lautstark erst einer der Zwillinge und dann der
andere bemerkbar. „Ich nehm schnell das kleine Kinderbett mit nach oben – Lynn schläft
darin besser… ständig weckt sie ihren Bruder auf!“, sagte Bonny. „Ich helf dir schnell, ich
muss eh nach oben!“, bot Ved an, doch Chris war schon aufgestanden. „Lass mal, ich
mach das schon!“, antwortete er forsch und Ved zuckte nur mit den Schultern. „Ist ja in
Ordnung, ich wollte ja nur helfen. Dann lauf ich eben dämlich hinter euch her!“
„Sag mal was war denn das gerade? Wieso pflaumst du Ved so an? Er wollte mir doch
nur mit dem Bettchen helfen!“, fragte Bonny Chris als sie im Kinderzimmer waren „Weil
mir der Typ auf den Sack geht, deswegen – wenn er dir helfen will, dann ist das ja okey,
aber ich kann’s nicht haben wenn er dauernd bei meinen Babyies herumlungert!“ Bonny
sah Chris skeptisch an. „Du bist doch nicht etwa eifersüchtig? Ja doch das bist du… du
bist eifersüchtig auf Ved? Oh Gott Chris was ist denn mit dir passiert!“, lachte Bonny.
„Ich bin nicht eifersüchtig, wenn er Babys haben will, dann soll er gefälligst selber welche
machen!“, antwortete Chris grinsend und befreite Lynns Schnuller – den sie zum gefühlte
100. Mal ausgespuckt hatte –von Fusseln. „Na klar, sei nicht so gemein zu ihm, er ist
einfach ein Freund von mir – es ist ganz normal dass er mir hilft!“ „Ja ist ja in Ordnung,
ich gelobe Besserung!“, antwortete Chris schulterzuckend, „nicht dass er noch anfängt
zu weinen!“, grinste er dann. „Sei froh dass du eines unserer Babys auf dem Arm hast,
sonst würde ich etwas nach dir werfen!!“
Es vergingen ein paar Wochen, doch Aereen war immer noch nicht wieder aufgetaucht.
„Hier komm iss ein bisschen!“, sagte Jake und schob seiner Frau einen Teller vor die
Nase. „Ich will nichts essen!“, antwortete diese nur und schob den Teller wieder aus
ihrem Sichtfeld. „Und ob du etwas essen wirst – du kannst nicht noch mehr abnehmen
Schatz, das ist wirklich nicht gesund!“, versuchte Jake seiner Frau klar zu machen, doch
diese verdrehte nur die Augen. „Ich hab einfach keinen Hunger ok…!“ „Nein, nicht ok, du
isst jetzt, ansonsten kannst du vergessen, dass ich heute mit dir nach Aereen suche – du
kannst nicht den ganzen Tag die Stadt durchforsten – irgendwann klappst du noch
zusammen!“ „Ich brauch dich nicht dazu – dann nehm ich eben Saira mit!“, entgegnete
Estelle trotzig. „Achja, und wenn euch jemand entführen will, was soll sie dann tun?
Diejenigen solange mit ihren Kulleraugen anstarren, bis sie tot umfallen?!“ „Du bist ein
Penner, dann nehm ich eben deinen Bruder mit!“ „Ach mach doch was du willst…!“, sagte
Jake resignierend. „Darauf kannst Du Gift nehmen Schatz!“, sagte Estelle spitz, bevor sie
die Küche verließ. „Szenen einer glücklichen Ehe, mh?“, fragte Simon provokant. „Halt
die Klappe Simon – es ist echt nicht mehr lustig – schau sie dir an… ich hoffe Aereen
taucht wieder auf, ansonsten verhungert sie noch irgendwann!“ „Ach komm – sie war
schon immer so ein Hungerhaken – sie war Model, es war ihr Job nichts zu essen! Sei
doch froh, andere fressen sich dick und fett wenn sie Frust haben!“ „Ich kann mich nur
wiederholen – halte einfach deine Klappe – du gehst mir echt auf den Sack mit deinem
Gelaber!“, antwortete Jake gereizt und schob ihm Estelles verweigertes Frühstück hin,
„Hier, erstick dran!“ Schlecht gelaunt machte sich Jake auf den Weg nach oben wo er
zufällig auf seinen Bruder traf: „Tu mir bitte einen Gefallen und begleite Estelle heute
nicht in die Stadt wenn sie danach fragt!“ „Ich kann heute eh nicht – wir gehen heute
Halloween-Kürbis schnitzen mit Sunny. Irgend so ein Schulfest – was ist denn mit
Estelle?“ „Nichts, geh einfach nicht mit ihr in die Stadt okey?“ „Ja ist ja in Ordnung –
krieg dich wieder ein!“ „Oh da bist du ja Phönix, stör ich?“, fragte Mary mit einem Blick
auf Jake. „Nein, bin schon weg – viel Spaß beim Kürbisschnitzen!“, antwortete dieser nur
und verzog sich in sein Zimmer. „Ich wollte dich nur fragen, ob es dich stört, wenn Lily
heute mitgeht? Also wenn du was dagegen hast ist das kein Problem!“ „Nein, wieso soll
das ein Problem sein?“ „Naja, ich war damals ziemlich garstig als du mit Aereen
zusammenwarst – ich wollte nicht dass Aereen soviel Zeit mit Sunny verbringt… keine
Ahnung warum. Deshalb wollte ich vorher einfach fragen!“, erklärte Mary kleinlaut.
„Dann seid ihr jetzt wohl zusammen?“ „Nein, Quatsch… wie kommst Du denn darauf?“,
fragte Mary, als wäre Phönixs Aussage völlig aus der Luft gegriffen. „Keine Ahnung wie
ich darauf komme – wäre ja auch total abwegig, oder? Ich meine du verbringst ja nur
deine meiste Zeit mit ihr, ihr kicherte die ganze Zeit wie 14-jährige Teenager und jetzt
nimmst Du sie mit auf das Schulfest um zu testen wie sie mit Sunny zurechtkommt!“,
erklärte Phönix während sie nach unten liefen. „Das ist gar nicht wahr, also das mit dem
Schulfest meine ich jetzt – und wir kichern gar nicht wie Teenager!“, wehrte sich Mary,
„Ach egal – können wir am Frühstückstisch bitte über etwas anderes reden? Ich hab
keinen Bock dass der ganze Tribe über mit tratscht!“
„Hey Lisa, wie geht’s dir denn?“, fragte Bonny am Nachmittag, als die beiden
frischgebackenen Mütter sich trafen. „Übermüdet… ich weiß gar nicht von wem die kleine
das hat – ich und Sam sind ja eigentlich ziemlich ruhig!“, antwortete Lisa und setzte sich
ziemlich erledigt auf Bonnys Couch. „Bei mir und Christ ist das das genaue Gegenteil und
trotzdem ist Logan total ruhig… dafür ist Lynn umso lauter. Sie braucht die ganze Zeit
Beschäftigung. Leo ist gerade bei ihr und bespasst sie mal wieder!“ „Ich hatte ja echt
nicht gedacht, dass es soo anstregend ist!“, gab Lisa ehrlich zu, „und dabei hab ich nur
eins- ich weiß gar nicht wie du das anstellst!“ „Ach Chris hilft mir total viel und Leo und
Leylie freuen sich auch wenn sie sich um die kleinen kümmern dürfen. Und Ved hilft mir
auch ständig- wobei Chris ziemlich eifersüchtig ist deswegen!“, kicherte Bonny. „Chris ist
eifersüchtig? Ist ja süß – vielleicht empfindet er ja was für dich – schließlich hatte er in
letzter Zeit ja auch gar keine Frauengeschichten mehr am Laufen!“ „Also um ehrlich zu
sein, hatte ich mir das auch kurz überlegt, aber es hat sich rausgestellt, dass er einfach
nur wegen der Babys eifersüchtig ist… aber es ist ganz gut so. Wir verstehen uns ganz
gut – freundschaftlich. Das ist besser so, vor allem für die kleinen. Irgendwann würde es
ja dann doch in die Brüche gehen!“ „Ja da hast du wahrscheinlich Recht. Und Ved? Er
kümmert sich total lieb um dich!“, fragte Lisa neugierig. „Ach ich glaube nicht dass das
klappen würde – wir waren damals ja schon fast zusammen, aber letztendlich hatte Ved
sich ja für Stella entschieden und um ehrlich zu sein, glaube ich dass er ihr immer noch
nachtrauert!“ „Ja da hast du auch wieder recht. Nur ist Stella so dumm und ist wieder zu
Jason zurück – und jetzt sitzt sie wieder alleine da – sie tut mir echt Leid! Ich hoffe nur
dass Jason wieder auftaucht und sie ihm dann aber eine ordentliche Abfuhr erteilt!“ „Ja
das sollte sie tatsächlich machen – sag mal was hältst du davon, wenn wir die kleinen
anziehen und dann ein bisschen spazieren gehen?“, schlug Bonny vor. „Das ist eine gute
Idee – vielleicht wollen Sam und Chris ja auch mitgehen – los komm wir fragen sie mal!“
Während sich Chris, Bonny, Lisa, Sam, Sunny und die Babys einige Tage später an
Halloween zu Hause gemütlich gemacht hatten, hatte es den Rest des Tribes natürlich
auf eine der zahlreichen Partys in der Stadt gezogen. Shari, die die ganze Woche vor
Halloween fleißig am Kostüme nähen war, war als letzte in ihr Kostüm geschlüpft und als
sie nach unten kam, machten sich alle auf den Weg in die Stadt. „Scheiße ist das kalt!“,
beschwerte sich Leo nach ein paar Minuten. „Kein Wunder, wenn du halbnackt durch die
Gegend rennst!“, neckte Leylie ihre Freundin. „Hey mein Polizistinnen-Outfit ist der
absolute Hammer – außerdem brauchst Du gar nichts sagen – dein Outfit besteht fast
nur aus durchsichtigen Tüchern!“, grinste Leo und legte einen Zahn zu. „Los, lauft mal n
bisschen schneller, nicht dass die Party noch ohne uns losgeht!“ Doch ganz im Gegenteil,
als die Starlights ankamen war die Halle in der die Party stattfinden sollte noch ziemlich
leer. „Ich kanns ja gar nicht fassen – sind wir etwa zu früh, dass ist uns ja noch nie
passiert!“, lachte Justin. „Ja ist ja auch kein Wunder, an Halloween geht’s ja darum
gruselig auszusehen, manche Mädels haben sich heute nur einfach nicht schminken
brauchen!“, sagte Simon gehässig und ging dann selbstgefällig an die Bar. „Sag mal geht
er mir nur mir so auf den Keks?“, fragte Justin und sofort schlugen ihm viele „Neins“
entgegen. „Also mir wäre es lieber gewesen, wenn er gegangen wäre und Joker und Zoe
wären geblieben!“, sagte Alex offen. „Zoe und Joker kommen doch heute auch, dann
sehen wir sie mal wieder!“, erzählte Phönix. „Was? Das ist ja super – oh cool – zum
Glück bin ich nicht zuhause geblieben!“, antwortete Alex. „Hatte ich das nicht erzählt?
Sorry, dann hab ichs wohl vergessen!“ „Oh wenn man vom Teufel spricht!“, sagte Alex,
als sie plötzlich Zoe und Joker entdeckte – und das meinte sie wörtlich. Denn Joker und
seine Freundin kamen im Teufels-Partner-Look. Natürlich war die wiedersehens-Freude
riesig. „Eigentlich hätten wir Luca mitbringen müssen – er ist der Teufel höchstpersönlich
– im Ernst, ich habe keine Ahnung wo er seine Energie hernimmt – er ist den ganzen Tag
am rumräubern und nachts schläft er trotzdem nicht!“, erzählte Zoe von ihrem
Familienleben. „Naja, vielleicht wird er dann später etwas ruhiger!“, scherzte Alex. „Ja
ganz bestimmt – sag mal ist Simon auch da?“, fragte Zoe dann so leise dass es Joker
nicht hören konnte und Alex nickte nur: „Geht ihm besser aus dem Weg – seine Laune ist
echt mieß – selbst Jake gibt sich nicht mehr mit ihm ab und das soll echt was heißen.
Aber wahrscheinlich hat er eher mit seiner Frau zu tun!“ „Mit seiner Frau? Simon hat
geheiratet?“, fragte Zoe überrascht. „Nein, quatsch nicht Simon, Jake – Gott ihr ward ja
schon ewig nicht mehr bei uns.. komm wir setzen uns zu den anderen Mädels und ich
bringe dich erst mal auf den aktuellen Stand!“ „Das halte ich für eine sehr gute Idee!“,
erwiderte Zoe und drückte ihrem Freund einen Kuss auf die Wange. „Schatz ich bin dann
mal bei den Mädels – wir sehen uns dann wieder in ein paar Stunden!“ „Ja das glaube ich
allerdings auch – los Jungs gehen wir an die Bar!“, sagte Joker doch als er Simon sitzen
sah, entschied er sich spontan um. „Oder gehen wir besser an diese Bar!“, sagte er dann
und deutete auf die andere Bar, die sich komplett am Ende des Raums befand. „Das
sollte als Sicherheitsabstand erst einmal genügen! Außerdem gibt’s da Barkeeperinnen –
und sofern ich das von hier aus beurteilen kann – sehen sie nicht mal schlecht aus!“
„Immer noch der alte was?“, grinste Ved. „Weißt du wie selten Zoe und ich noch
weggehen – ich muss das heute ausnutzen. Kucken darf man ja schließlich!“ „Eigentlich
Hammer dass Chris zuhause geblieben ist – er hat sich echt komplett geändert!“, sagte
Ved. „Warte nur ab – irgendwann wird er wieder reihenweise Frauen mit nach Hause
schleppen – spätestens dann wenn die Kids in den Kindergarten gehen und er
irgendwelche alleinerziehenden Mütter aufreißen wird!“, prophezeite Justin. Als die vier
an der Bar standen und auf ihre Cocktails warteten, schaute sich Joker ein wenig um:
„Seit wann versteht sich denn Estelle so gut mit der kleinen von den Zwillingen?“
„Seitdem Aereen verschwunden ist… die beiden bilden zusammen mit Phönix den
Aereen-Suchtrupp – ansonsten hat keiner so richtig Bock nach ihr zu suchen!“ „Oh alles
klar – und vor lauter Suchen findet sie keine Zeit mehr zu essen? Im Ernst sie sieht ja
furchtbar aus!“ „Frag besser nicht – und sprich vor allem Jake nicht drauf an. Er dreht
noch durch mit ihr!“ „Und wie geht’s Phönix wegen Aereen?“ „Er spricht nicht darüber –
naja, er ist ja auch fast nie da… also allgemein geht es bei uns momentan ziemlich
chaotisch zu!“, berichtete Justin. „Also kaum bin ich aus der Bude und jeder macht was
er will – und wie macht sich Leo als neue Anführerin?“ „Naja, sie und Phönix streiten sich
ständig und die Tribeversammlungen nutzt sie eher dazu Party zu machen als sich
wirklich darum zu kümmern!“ „Oh Mann Leute, gibt’s eigentlich auch positive
Nachrichten?“, fragte Joker lachend. „Natürlich – Jake und Estelle haben geheiratet,
Bonny und Lisa haben ihre Babys bekommen, Rya und Radan sind jetzt auch zusammen
und Alex arbeitet jetzt in dem Waisenhaus in der Stadt!“, sagte Justin. „Na das ist doch
schonmal was – gibt’s eigentlich schon ne Wettliste wie lange die Ehe von Estelle und
Jake hält?“, fragte Joker grinsend. „Also um ehrlich zu sein glaube ich dass die beiden
das sogar ziemlich ernst nehmen!“, antwortete Ved. „Wirklich – außerdem wollen sie
noch richtig heiraten, wenn Aereen wieder da ist!“, fügte er hinzu als er Jokers
ungläubigen Blick sah. „Naja, hoffentlich werden wir dann auch eingeladen! So Jungs ich
muss euch jetzt mal verlassen – ich werde mal zu Phönix rübergehen, er quatscht grade
mit den Anführern der Blind Eyes, ich hab sie schon ewig nicht mehr gesehen!“
Während Zoe und Joker auf den aktuellen Stand gebracht wurden, hatten sich Leo und
Leylie in die Bar verkrümelt. „Eine Flasche Sekt bitte!“, sagte sie zum Barkeeper, doch
dieser warf nur einen skeptischen Blick auf Leylie. „Sie kriegt von mir keinen Alkohol –
wie alt bist du?“, fragte er Leylie, doch bevor sie antworten konnte, hatte Leo bereits das
Wort ergriffen: „Sie ist 16, außerdem bin ich ihre große Schwester – keine Sorge Süßer,
ich pass schon auf sie auf. Außerdem brauchst du ihr ja keinen Alkohol zu geben,
schließlich habe ich bestellt!“ „Na alles klar, wenn du meinst!“, antwortete der Junge nur
und gab Leo wiederwillig den Alkohol. „So ein Idiot – wegen dem Fläschchen Sektschließlich
haben wir ja was zu feiern! Komm stoßen wir an – auf Bonny und ihre zwei
kleinen Babys… und auch auf Chris, schließlich hat er ja maßgeblich dazu beigetragen!“,
kicherte Leo. „Und darauf dass es den beiden immer gut geht und Bonny als Mami nicht
durchdreht!“ „Ist schon irgendwie komisch dass sie nicht mit dabei ist – meinst du wir
hätten vielleicht bei ihr zuhause bleiben sollen?“, sagte Leo und hatte beinahe ein
schlechtes Gewissen. „Ach Quatsch – sie hat gesagt es ist ok, und Bonny meint das auch
so, schließlich hat sich uns auch noch mit unseren Kostümen geholfen, mach dir nicht zu
viele Gedanken!“ „Du hast Recht – bei der nächsten Party passt einfach Chris auf die
kleinen auf und dann kann Bonny wieder mitgehen! Wen beobachtest du denn? Hübsche
Kerle?“ „Nein meine Schwester und diese blöde Kuh – Estelle soll lieber aufpassen, nicht
dass sie durch den Lüftungsschlitz fällt!“, sagte Leylie gehässig. „Ach, sie ist doch in
Trauer um ihre aller-aller-beste Freundin! Und deine Schwester ist so dämlich und
begleitet sie die ganze Zeit bei der sinnlosen Suche – also wenn du mich fragst ist Aereen
mit irgend einem Typen durchgebrannt! Das Ganze als Entführung zu tarnen ist natürlich
gar nicht mal so blöd – so viel Hirn hab ich ihr nicht mal zugetraut!“ „Kann schon sein,
ich weiß es nicht – ich will auch gar nicht drüber reden – komm wir gehen mal zu Saira
und Estelle – sie ist bestimmt froh, wenn wir ein bisschen Zeit mit ihr verbringen!“ „Na
okey, lass uns gehen – aber die hier nehmen wir mit!“, lachte Leo und schnappte sich die
Sektflasche. „Hey werden die Plätze frei? Dann lösen wir euch gleich ab!“, sagte Mary, als
Leo und Leylie gerade aufgestanden waren. „Na klar, setzt euch – super Platz mit
Ausblick auf die Tanzfläche – nur der Barkeeper ist ein Idiot, aber sieht immerhin gut
aus!“, antwortete Leo gackernd, bevor sie mit Leylie in der Menschenmenge verschwand.
„Ganz schön was los hier inzwischen – den Platz geben wir so schnell nicht mehr her!“,
sagte Lily erleichtert. „Bist du dir sicher, ich glaube da vorne sitzt nämlich Nika!“, fragte
Mary vorsichtig, doch zu ihrer Verwunderung zuckte Lily nur mit den Schultern. „Macht
doch nichts, soll sie doch!“ „Oh, na gut – ich dachte nur, dass du sie vielleicht nicht
unbedingt sehen willst, nachdem ihr euch ja getrennt habt!“ „Also um ehrlich zu sein –
ich hab in letzter Zeit eigentlich kaum noch an sie gedacht. Ich war gerade selbst ein
wenig überrascht wie wenig es mir ausmacht, dass sie hier ist!“, antwortete Lily lächelnd.
„Also ich muss schon sagen – ich glaube ich werde hier heute zusperren – ich war schon
so lange nicht mehr weg. Eigentlich dachte ich ja es ist nicht so schlimm, aber es ist so
cool euch alle mal wieder zu treffen!“, schwärmte Joker als er mit Phönix an der Bar saß.
„Kein Wunder – ihr lebt ja auch am Arsch der Welt! Ich krieg bitte noch ne Cola!“ „Alter,
bist du bescheuert – er kriegt garantiert keine Cola – bitte zwei Tequila!“, sagte Joker
und die Barkeeperin machte sich grinsend an die Arbeit. „Ich hab echt keinen Bock mich
zu betrinken – ich bin nicht so gut drauf, ok?“ „Naja, deswegen trinken wir ja auch – von
einem Tequila wirst du schon nicht vom Stuhl kippen du Mädchen!“, lachte Joker. Einige
Zeit später brauchte Joker nur noch die Hand zu heben und die hübsche Barkeeperin
servierte kurz darauf zwei neue Gläser. „Oh nein – ich hab doch gesagt ich will nichts
trinken – der wievielte ist das schon!“, stöhnte Phönix als er von der Toilette kam und
Joker ihn bereits mit einem breiten Grinsen, Tequila, Salz und Zitrone begrüßte. „Keine
Ahnung – ich hab ihr 30 Euro gegeben und gesagt sie soll uns solange Alkohol geben, bis
das Budget aufgebraucht ist!“ „Du musst wohl jetzt deinen kompletten Alkoholkonsum
des letzten halben Jahres rausschlagen, mh?“ „Ja mein Gott, dann leben Zoe und ich halt
am Arsch der Welt – aber ich sag dir eins, das ist wesentlich stressfreier. Ihr hättet
mitkommen sollen, dort wäre das mit Aereen bestimmt nicht passiert!“, plauderte Joker,
„oh sorry, ich wollte das mit Aereen nicht ansprechen… also naja eigentlich schon. Aber
nicht so, die andere haben gesagt du sprichst nicht darüber – der Tequila ist schuld!“ „So
ein Käse - natürlich spreche ich darüber, mit Estelle – und du hättest auch ohne Tequila
mit mir darüber reden können! Du wirst ja echt zum Hinterwäldler Mann!“ „Oh ok – na
dann reden wir doch!“ „Es gibt’s nichts zu reden – Aereen ist weg und wir suchen sie nur
die Chance dass wir sie finden liegt wohl bei 0 – bis jetzt wurde noch keiner der
vermissten wieder gefunden. Das letzte Mal als ich sie gesehen habe, habe ich sie als
Schlampe beschimpft und ihr gesagt, dass ich mir lieber die Kugel gebe als nochmal
etwas mit ihr anzufangen – und es kotzt mich an das sich niemand aus dem Tribe
wenigstens darum bemüht so zu tun, als würde es ihn interessieren dass Aereen
verschwunden ist – insgesamt kotzt mich eigentlich der ganze Tribe an! Gibt’s eigentlich
noch Tequila?“, fragte Phönix und beendete seinen Redeschwall. „Oh ja natürlich – ich
glaub ich stock nochmal um 20 Euro auf…ich an deiner Stelle würde mich nämlich so
richtig wegknallen!“
Die Zeit auf der Party verging wie immer viel zu schnell – die meisten aus dem Tribe
amüsierten sich prächtig, andere eher weniger und ein paar Einzelfälle schienen es
maßlos zu übertreiben. „Können wir jetzt endlich gehen Schatz?“, fragte Estelle, die
gelangweilt neben Jake saß. „Wir müssen nur noch kurz auf die anderen warten dann
können wir nach Hause. Sag mal sind das da drüben Estelle und Leylie?“, fragte er dann
und kniff die Augen zusammen um besser sehen zu können. „Oh mein Gott – ja das sind
sie – was geht denn mit denen ab?“, fragte Estelle entsetzt. „Sie tanzen auf der Theke –
Gott ist das peinlich, solltest du das jemals tun, dann reiche ich die Scheidung ein!“,
antwortete Jake und Estelle grinsend verdrehte die Augen. „Spießer!“ „Ich glaub das mit
dem Tanzen hat sich eh gleich erledigt!“, sagte Jake, denn inzwischen waren zwei der
Securitys am Ort des Geschehens angekommen. Doch nicht nur die, denn auch Phönix
und Saira waren inzwischen an Ort und Stelle. „Hey ist schon gut, lasst die beiden in
Ruhe, sie gehören zu uns!“, rief Phönix als einer der Securitys Leo ziemlich unsanft von
der Theke „entfernt“ hatte. „Na dann könnt ihr die beiden ja gleich nach Hause begleiten
– der Abend ist für sie auf jedenfall gelaufen!“, antwortete er mürrisch, doch Leo kicherte
nur, während Leylie den anderen Security (der seinen Job scheinbar nicht allzu ernst
nahm) bezirzte. „Ach komm Charly, die beiden haben doch nur ein bisschen gefeiert –
deswegen müssen wir sie doch nicht gleich raus schmeißen!“, versuchte er seinen
Kollegen umzustimmen. „Sie fliegen raus – ganz einfach – also los, verschwindet ich will
euch heute Abend nicht mehr hier sehen!“ „Schade, aber danke dass du dich so für uns
eingesetzt hast!“, sagte Leylie seufzend und bedankte sich bei ihm mit einem Kuss – auf
den Mund – einem ziemlich langen Kuss… Als sie sich wieder von seinen Lippen losreißen
konnte, und sich umdrehte, standen Saira, Phönix und Charly der Security ziemlich
verdutzt vor ihr, während Leo inzwischen in schallendes Gelächter ausgebrochen war.
„Ich glaube wir sollten wirklich gehen!“, sagte Saira bestimmt und packte ihre Schwester
am Arm um sie nach draußen zu zerren. Vor dem Eingang schien der plötzliche
Temperatur-Schock Leylies und Leos Rausch noch den i-Punkt aufzusetzen. „Himmel
reißt euch doch mal zusammen!“, sagte Estelle genervt, die versuchte Leo ein wenig zu
stützen, was gar nicht so leicht war, während Saira versuchte ihre Schwester zu führen.
„Oh Mann die glotzen uns alle schon an, könnt ihr euch nicht mal ein wenig ruhiger
verhalten!“, beschwerte sich Estelle, doch Aereen schien nicht allzu viel von ihrem
Vorschlag zu halten. Als ihnen eine Gruppe an Jungs entgegen kam, fing Leo erst wieder
an zu kichern und riss dann urplötzlich den Reißverschluss ihres Kleides bis zum
Bauchnabel auf um den Jungs ihren knallroten BH zu präsentieren, worauf die Jungs
natürlich sofort anfingen in wildes Gröhlen zu verfallen. „Leo reiß dich doch bitte mal
zusammen!“, sagte Phönix genervt und legte ihr seine Jacke um, damit sie nicht
halbnackt durch die ganze Stadt rannte. „Ach komm, krieg dich ein, du stehst doch
drauf. Schließlich bist du immer noch scharf auf Aereen und ihre Titten kennt
wahrscheinlich die halbe Stadt!“, lallte Leo und lag kurz danach auf dem Boden – denn
kaum hatte sie ihren Satz beendet, hatte Estelle sie losgelassen und war einfach weiter
gegangen ohne sich auch nur umzudrehen. „Aua – was soll denn das?“, kreischte Leo
doch Estelle reagierte nicht einmal. „Leo, halt jetzt einfach deine Klappe, steh auf und
geh mit nach Hause!“, sagte Phönix stinksauer. „Jake, bitte helf Saira, ich glaub ihre
Schwester schläft gleich unterm laufen ein!“ „Danke, das ist nett!“, sagte Saira kleinlaut,
es war stockdunkel doch selbst am Klang ihrer Stimme erkannte man, dass ihr das
Verhalten ihrer Zwillingsschwester furchtbar peinlich war. Der Nachhauseweg dauerte
beinahe eine Ewigkeit. „Gottseidank sind wir endlich zuhause!“, sagte Estelle und sperrte
die Tür auf. „Oh da seid ihr ja na wie war die Party?“, hallte sofort Bonnys Stimme durch
den Flur doch als sie Leylie und Leo sah, verging ihr die Wiedersehensfreude sofort: „Ach
du scheiße!“
Nach einer kurzen Krisensitzung hatten sich Bonny, Saira und Phönix entschieden Leylie
und Leonie beide in Leos Zimmer zu bringen und vorerst bei ihnen zu bleiben. „Da geht
man einmal nicht mit weg und dann so was – beim nächsten Mal muss Chris auf die
Babys aufpassen, damit ich diese beiden Babys hier bewachen kann!“, sagte Bonny um
die Stille zu unterbrechen und lachte gekünstelt. „Es ist nicht mehr zum Lachen Bonny,
Leo hat echt ein Problem!“, sagte Phönix. „Was genau meinst du damit, dich?“, fragte
Bonny, die natürlich ihre Freundin verteidigen wollte. „Knapp daneben – sie trinkt –
ständig… fällt dir das nicht auf? Sie hat auf der letzten Tribe-Versammlung drei Cocktails
getrunken und war noch nicht mal angeheitert, weil sie den Alkohol inzwischen so
gewöhnt ist!“ „Na das war für dich ja scheinbar kein Problem, denn du konntest ja noch
mit ihr in die Kiste steigen. Ganz so nüchtern kann sie ja also nicht gewesen sein. Echt
Phönix, nur weil du scheiße gebaut hast, musst du Leo jetzt nicht irgendwas unterstellen!
Klar trinkt sie mal – das würde ich auch, das macht jeder und heute hat sie es halt ein
bisschen übertrieben!“ „Gut dann glaub mir eben nicht – wenn du hier im Zimmer suchen
würdest, würdest du wahrscheinlich in jeder Ecke Alkohol finden!“ „Das brauche ich nicht,
ich vertraue Leo nämlich – und wenn ich wissen will ob sie ein Problem hat, dann frage
ich sie. Und das werde ich morgen auch tun, aber geh mir jetzt nicht auf den Keks
damit!“, antwortete Bonny gereizt und ging zu Leo ans Bett um ihre Zudecke zu richten.
„Du kannst jetzt auch gehen – Saira und ich passen schon auf die beiden auf. Leo wäre
bestimmt begeistert wenn sie weiß dass du sie die ganze Nacht angegafft hast!"
„Mein Güte bin ich froh – ich dachte du wärst irgendein Typ, den ich gestern abgeschleppt
habe!“, murmelte Leo erleichtert, als sie sich am Tag nach der Party zu Leylie umdrehte.
„Glaub mir, mit dir hätte gestern niemand mehr Spaß gehabt!“, antwortete Leylie und starrte
an die Decke. „Wieso hört sich nicht einfach alles auf zu drehen – mir ist so schlecht!“ „Mir ist
nicht schlecht, aber ich hab nen Brummschädel…Wie spät ist es eigentlich?“, fragte Leo und
richtete sich mühevoll auf. „Oh schon um drei – ohje, ich glaub ich revidiere – mir ist doch
schlecht!“, stöhnte sie und ließ sich wieder in die Kissen fallen. „Außerdem tut mir der Po
weh!“ „Kein Wunder nach deinem Sturz gestern!“, sagte Leylie lachend. „Ach jetzt wo du es
sagst – Estelle die blöde Kuh, lässt mich einfach fallen, so ein Miststück!“ „Wenns mir nicht
selbst so schlecht gegangen wäre, hätte ich dir gerne geholfen, aber ich war selbst froh, dass
Jake mir geholfen hat. By the way, der Typ riecht echt gut, ich muss ihn unbedingt fragen,
welches Parfum er verwendet!“ „Das kannst Du dir eh nicht leisten, kein Wunder dass Estelle
auf ihn steht, wahrscheinlich ist sie nur auf Kohle aus. Hachja, kaum ein bisschen Alkohol
getrunken und schon schmeißt du dich an verheiratete Männer ran!“, neckte Leo ihre
Freundin, „und an den Security!“ „Ohje, das hatte ich ja schon vergessen… hoffentlich hat
niemand Bilder gemacht. Und du brauchst gar nichts sagen, mit deinem Spontan-Strip… ich
glaub Phönix war stinksauer, ich glaub er hätte dich da am liebsten liegen lassen!“ „Dann
hätte ihm Bonny aber den Kopf abgerissen… wahrscheinlich tut sie das heute mit uns auch
noch!“ „Das kann sie gerne tun, aber erst wenn ich noch zwei Stunden geschlafen hab!“ Am
Abend schafften es Leo und Leylie dann doch aus dem Bett und machten sich in
Jogginghosen auf den Weg nach unten. „Oh Guten Morgen ihr beiden, auch schon wach?“,
fragte Alex grinsend, während sie das Abendessen vorbereitete. „Ja mehr oder weniger… hat
sich wohl schon rumgesprochen im Tribe, was?“, fragte Leylie und Alex zuckte nur mit den
Schultern. „Das geht hier doch schnell, wisst ihr doch. Aber mein Gott, das passiert eben mal.
Ich fands lustig!“ „Also wir finden das ganz und gar nicht lustig!“, unterbrach Bonny die drei
in ihrem Gespräch. Gemeinsam mit Saira, die ebenfalls ziemlich sauer wirkte, stand sie in der
Küche „Hey ihr zwei, sorry… wir habens wirklich schon bereut – uns geht’s heute so
beschissen. Das ist wirklich Strafe genug!“ „Also das glaube ich ja nicht, weißt Du wie peinlich
das war?“, ergriff Saira das Wort, noch bevor Bonny überhaupt etwas sagen konnte.
„Außerdem waren wir die ganze Nacht bei euch am Bett gesessen, damit ihr nicht eurer
eigenen Kotze erstickt. Was sollte das denn? Wirklich Leylie, ich weiß ja dass du Aereen nicht
leiden kannst, aber vielleicht kannst Du dir vorstellen, dass mir gestern nicht nach Feiern
zumute war? Und anstatt dich wenigstens ein wenig zurückzuhalten, ziehst du so eine Show
ab!“, wetterte Saira und Alex sah sie überrascht an – sie hatte Saira noch nie so viel auf
einmal reden hören. Doch auch Leylie schien ziemlich schockiert zu sein. „Saira, es tut mir
Leid… ich… ich dachte dass du dich mit Estelle ganz gut amüsierst – und das mit der Trinkerei
… ach ich weiß nicht, irgendwann war es einfach zu viel. Ich hatte mich nicht mehr unter
Kontrolle!“ „Also dafür kann Leylie wirklich nichts … ich hab ihr den Alkohol gekauft. Ich hätte
besser drauf achten müssen! Wenn ihr jemanden anbrüllen wollt, dann mich!“, verteidigte
Leonie ihre Freundin. „Hey Mädels, kommt mal wieder runter! So schlimm war es doch nicht…
die beiden haben halt ein bisschen gefeiert und vielleicht auch über die Stränge geschlagen,
aber ist euch das nicht auch schonmal passiert?“, versuchte Alex ein wenig zu vermitteln und
nahm Saira und Bonny damit den Wind aus den Segeln. „Ja du hast ja Recht… ich brauch
mich gar nicht aufzuführen… das letzte Mal als ich getrunken habe, bin ich mit Chris in die
Kiste gesprungen und bin schwanger geworden!“, lenkte Bonny kleinlaut ein und Leo grinste.
„Na das können wir bei uns beiden ja schonmal ausschließen!“
Ein paar Tage nach der Party war bei den meisten der Vorfall vergessen, doch Bonny ging
Phönixs Vermutung, dass Leo ein Alkoholproblem hätte, nicht mehr aus dem Kopf. Als sie
einen gemeinsamen Nachmittag verbrachten, entschloss sich Bonny spontan sie darauf
anzusprechen. „Leo, ich werde dich jetzt gleich etwas fragen, und ich bitte dich jetzt schon
nicht böse auf mich zu sein und ich bitte dich auch ehrlich zu mir zu sein, ok?“, begann
Bonny das Gespräch und Leo sah sie überrascht an. „Also jetzt machst Du mir Angst!“, sagte
sie und sah ihr Freundin fragend an. „Naja, also nach dem Vorfall am Wochenende hatte ich
ein Gespräch mit Phönix und er meinte, dass du vielleicht ein ernstes Problem mit Alkohol
hättest!“, formulierte Bonny vorsichtig, doch anstatt ihr böse zu sein, brach Leo in
schallendes Gelächter aus. „Er hat was? Also das finde ich ja jetzt wirklich amüsant. Ich
meine ich bin ja wohl nicht der Ex-Junkie von uns beiden!“ „Bitte was?“, fragte Bonny
verwirrt von Leos Antwort. „Na Phönix… so ein Penner! Wahrscheinlich ist er selbst nicht ganz
klar im Kopf, sonst würde er nicht auf so hirnrissige Ideen kommen. Ich kann dich wirklich
beruhigen Bonny – ich trinke wirklich nur ab und zu mal was! Wahrscheinlich kommt es dir
nur so viel vor, weil du momentan selbst nichts trinken darfst! Ich meine wie oft haben wir
vor deiner Schwangerschaft bei unseren Mädelsabenden Wein getrunken…mach dir keine
Sorgen um mich, Süße!“, erklärte Leo ihrer Freundin und Bonny lächelte sie an. „Ja ich hab
mir gleich gedacht dass nichts dran ist… und ich verbringe ja wohl eindeutig mehr Zeit mit dir
als er, wenn er mich nochmal darauf anspricht, geh ich beim nächsten Mal einfach und hör
mir diesen Blödsinn nicht länger an!“ „Welchen Blödsinn denn?“, fragte Leylie, die gerade ins
Zimmer gekommen war. „Ach nichts, ich bin ab sofort nur Alkoholikerin, wusstest du das
schon?“, fragte Leo und begann wieder zu lachen. „Ahhja, also das müsst ihr mir später noch
genauer erzählen, aber jetzt muss ich erst mal los – ich hab Saira versprochen dass ich mit
ihr nach Aereen suche. Nachdem ich sie auf der Party so hängen hab lassen, muss ich es
jetzt wieder gut machen!“, sagte sie. „Na dann bis später und pass auf dich auf!“, sagte
Bonny bevor Leylie schon wieder verschwunden war. „So wollen wir losgehen?“, fragte diese
ihre Schwester die kurz vor der Tür gewartet hatte. „Oh nein, wir müssen noch auf Estelle
und Jessi warten, sie begleiten uns!“ „Ach, das ist ja super!“, sagte Leylie und versuchte sich
ihre „Begeisterung“ nicht anmerken zu lassen. „Oh da sind sie schon!“ „Sorry, hab mich ein
bisschen verspätet, ich musste erst wieder ewig mit Jake diskutieren, bevor ich los konnte!“,
entschuldigte sich Estelle. „Er macht sich halt Sorgen, ist doch süß von ihm!“, sagte Jessi.
„Ach Quatsch, es nervt ihn nur dass ich nie da bin… das ist sein Problem. Kommt lasst uns
losgehen, labern können wir unterwegs auch noch!“ „Sag mal geht das eigentlich immer so,
wenn ihr euch auf die Suche macht?“, fragte Leylie wenig später ihre Schwester, nachdem sie
sich sicher war dass Estelle außer Hörweite war. „Was meinst Du denn?“ „Na dass Estelle die
Klappe nicht hält, das ist ja furchtbar. Sie spricht ja pausenlos!“ „Ach, daran gewöhnt man
sich!“, sagte Saira nur grinsend. „Na da bin ich ja gespannt, obwohl jetzt ist sie zumindest
schonmal seit ein paar Minuten ruhig!“, stellte Leylie erstaunt fest, doch nicht nur ihr kam
das merkwürdig vor. „Estelle geht’s dir gut? Du bist ja ganz blass?“, fragte Jessi doch im
selben Moment sackte Estelle auch schon zusammen. Das nächste was Estelle sah als sie die
Augen öffnete waren Leylie, Saira und Jessi die sie besorgt ansahen. „Estelle, ist alles in
Ordnung?“ „Was ist denn passiert?“, fragte sie mit schwacher Stimme und rappelte sich
vorsichtig auf. „Du bist einfach umgefallen – hier trink ein bisschen, wahrscheinlich ist dein
Kreislauf einfach zusammengebrochen!“, mutmaßte Jessi und gab ihr etwas zu trinken. „Es
hat sich plötzlich alles gedreht und dann wurde mir schwarz vor Augen!“, sagte Estelle und
versuchte mit zittrigen Beinen wieder aufzustehen. „Kommt wir gehen jetzt irgendwohin und
essen etwas, dann ruhst du dich ein bisschen aus und dann gehen wir wieder nach Hause!“,
schlug Leylie vor, doch Estelle schien von ihrem Vorschlag nicht wirklich begeistert zu sein.
„Ach Quatsch, es geht schon wieder, wir müssen doch nach Aereen suchen!“, jammerte sie
doch die anderen Mädels ließen nicht mit sich verhandeln. „Keine Wiederrede – wir suchen
morgen weiter nach ihr, wenn es dir wieder besser geht. Also los, da drüben gibt’s ein Cafe
die haben super Torten, das ist genau das richtige für deinen Kreislauf. Zucker pusht dich
wieder!“
Am nächsten Morgen schlich sich Estelle leise aus ihrem Zimmer. Als sie die Tür hinter sich
geschlossen hatte und ein paar Schritte gelaufen war, atmete sie erleichtert durch – zum
Glück hatte Jake nichts bemerkt. Dachte sie zumindest, denn als sie die Stufen der Treppen
erreichte, zuckte sie erschrocken zusammen, als sie plötzlich Jakes Stimme hörte: „Sag mal
was wird das denn?“ „Ich wollte kurz nach draußen, ein bisschen frische Luft schnappen…
mein Kreislauf ist noch nicht wieder ganz fit!“, antwortete sie und spielte nervös an ihrer
Jacke herum. „Hältst du mich für absolut bescheuert? Wir haben einen Balkon und wenn du
nur kurz frische Luft schnappen wolltest, hättest du keine Plakate von Aereen mitzunehmen
brauchen!“, sagte Jake wütend. „Ich… ich… ich wollte nur in der Umgebung ein paar Plakate
verteilen, ich wäre nicht weit gegangen!“, stammelte sie und sah Jake mit großen Augen an,
„bitte nicht schimpfen!“ „Du verstehst es nicht oder? Ich bin nicht sauer, weil du das machst,
sondern weil du nicht kapierst, dass ich mir ständig Sorgen um dich machen! Du bist gestern
zusammengeklappt und jetzt willst Du alleine losziehen? Was ist wenn das wieder passiert,
glaubst du dich findet irgendjemand? Hör endlich auch so egoistisch zu sein, wir sind
verheiratet, es wäre also nett wenn du ab und zu auch mal an mich denken würdest! Und ich
wäre echt im Arsch wenn du weg wärst, ok?“, wetterte Jake und sah Estelle erwartungsvoll
an. Doch anstatt sich lautstark zu wehren, wie gewöhnlich, nickte sie nur: „Ok!“ „Ok? Du
wehrst dich nicht? Du beschimpfst mich nicht als Penner?“, fragte Jake verwundert. „Nein,
einfach ok – ich habe nicht gedacht, dass du dich so sehr um mich sorgst… ich hab eigentlich
gar nicht nachgedacht… deshalb einfach ok!“, antwortete Estelle und legte ihre Arme um
Jake. „Tut mir Leid!“ „Jetzt komm ich mir blöd vor weil ich dich so angeschrien habe!“, sagte
Jake und drückte Estelle an sich. „Schon in Ordnung… es wird nicht lange dauern, dann
werde ich dich auch mal wieder anschreien, dann sind wir quitt!“, sagte Estelle grinsend.
„Dann war das jetzt dann gar kein richtiger Streit?“, fragte Jake und seine Frau sah ihn
stirnrunzelnd an. „Nein, wieso fragst du?“ „Verdammt, ich hatte auf Versöhnungssex
spekuliert!“, grinste Jake und Estelle zuckte nur mit den Schultern. „Na also dafür musst du
dich von mir schon als Penner beschimpfen lassen!“
„Oh sorry, ihr macht gerade Hausaufgaben, ich wollte nicht stören!“, entschuldigte sich Leo
als sie ein paar Tage später in Sunnys Zimmer auftauchte. „Dann tus doch einfach nicht und
geh wieder!“, entgegnete Phönix forsch und Leo sah ihn erstaunt an: „Was hast du denn für
ein Problem?“ „Ich hol mir kurz was zu trinken Papa, danach können wir Hausaufgaben
weitermachen!“, sagte Sunny, die natürlich sofort die Chance gewittert hatte sich von um die
Matheaufgaben zu drücken. „Na dann können wir ja kurz reden – also was hab ich dir getan,
damit du mich so blöd anmachst?“, fragte Leo als Sunny verschwunden war. „Ich hab wirklich
gerade keine Lust mit dir zu reden, ok? Ich bin wirklich sauer – die Aktion auf der Halloween-
Party war wirklich das letzte!“ „Ach komm, krieg dich ein, wir haben gefeiert und ein bisschen
über die Stränge geschlagen, das nächste Mal zieh ich einfach ein Kleid ohne Reißverschluss
an!“, antwortete Leo lachend. „Leo, du kannst deine Titten zeigen wem du willst, das ist mir
echt scheißegal. Aber hör auf ständig Aereen anzugreifen oder lass es zumindest wenn ich in
der Nähe bin. Sie ist nicht hier und kann sich nicht wehren, also hör auf damit!“ „Als ob
Aereen nie etwas über andere gesagt hat, krieg dich mal wieder ein!“ „Zumindest hat sie es
den Leuten direkt gesagt. Egal, lass es einfach zukünftig und du brauchst dich auch nicht
mehr bemühen mit nach ihr zu suchen, das kannst du dir echt schenken!“ „Ach du willst
dass ich ehrlich bin? Gut dann sage ich dir mal ganz direkt meine Meinung, ich glaube
nämlich dass Aereen irgendwo mit nem Kerl rumhängt und sich nen Dreck darum schert, was
wir hier tun und noch weniger schert sie sich darum, wies dir geht! Und fühlst Du dich jetzt
besser, weil ich ehrlich zu dir war?“, fragte Leo gereizt. „Verschwinde einfach Leo, raus hier,
ich habe echt keinen Bock mehr dich zu sehen!“, sagte Phönix und versuchte sich zu
beherrschen. „Ja das dachte ich mir, dass du das nicht hören willst. Aber ich hatte - ehrlich
gesagt - nichts anderes erwartet. Du wolltest dass ich mich nicht mehr verstelle und ehrlich
bin, hier hast dus!“ „Vielleicht solltest du einfach weiter deine Show abziehen und allen
vorspielen dass du superhappy bist, das ist wirklich leichter zu ertragen als das hier!“, sagte
Phönix kopfschüttelnd und war froh als seine Tochter wieder ins Zimmer kam. „Wir müssen
jetzt weitermachen, es wäre wirklich sehr nett, wenn du jetzt gehst!“, wiederholte Phönix sich
noch einmal und Leo setzte ein strahlendes Lächeln auf: „Oh natürlich, dann wünsche ich
weiterhin viel Spaß bei den Hausaufgaben!“ Am Abend desselben Tages hatten sich Mary und
Phönix getroffen um ihrer Tochter mit einem Disney-Abend eine Freude zu machen. „Ich will
Bambi schauen!“, sagte Sunny aufgeregt und machte sich daran ihren Lieblingsfilm heraus zu
kramen. „Au ja Bambi, den haben wir ja erst 785 mal gesehen!“, sagte Mary mit gespielter
Begeisterung. „Wie oft ist 785?“, fragte Sunny grübelnd und Mary lachte nur. „Na scheinbar
noch nicht oft genug… so rauf auf die Couch und Popcorn fassen –es geht gleich los!“,
antwortete Phönix und schon hatte sich Sunny auf Position gebracht. Doch es dauerte nicht
lange und die drei wurden durch ein Klopfen, oder besser ausgedrückt Hämmern an der Tür
unterbrochen. „Ach Mann!“, beschwerte sich Sunny, nachdem Phönix den Film angehalten
hatte. „Dauert bestimmt nicht lange, du kennst den Film doch eh schon in- und auswendig!“,
sagte Phönix und öffnete die Tür. „Na endlich, wurde ja auch Zeit!“, sagte Leo, die scheinbar
ziemlich ungeduldig war. „Ich hab grad wirklich keine Zeit Leo, komm morgen wieder ich
schaue gerade einen Film mit Sunny!“ „Oh nein, du wirst dir jetzt Zeit nehmen!“, sagte Leo
bestimmt. „Und du wirst mir jetzt zuhören! Also pass jetzt mal ganz genau auf was ich dir
sage!“, fuhr sie fort und Phönix sah sie skeptisch an. „Was ist denn los mit dir? Ich hab
gesagt wir können das morgen bereden und zwar in aller Ruhe und nicht zwischen Tür und
Angel und vor allem wenn du wieder ausgenüchtert bist!“ „Vor allem wenn du wieder
ausgenüchtert bist…!“, äffte Leo seinen Tonfall nach. „Wenn einem so charmante Dinge
gesagt werden wie heute Nachmittag, darf man ja wohl mal einen über den Durst trinken!
Aber das passt dir ja jetzt wieder – schließlich erzählst du ja eh überall rum ich wäre ne
Säuferin!“ „Also ich steh hier nicht gerade mitten auf dem Gang und schrei herum – ich hab
es Bonny gesagt, weil sie deine Freundin ist!“ „Wann können wir denn endlich
weiterschauen?“, quängelte Sunny ungeduldig. „Herrgott, Bambis Mami wird schon noch früh
genug erschossen!“, antwortete Leo genervt. „Hey Stop – schrei ihn an wie du willst, aber
lass Sunny da raus, ok? Sonst bekommst Dus mit mir zu tun und ich bleibe nicht so lange
ruhig wie Phönix, vor allem nicht es um meine Kleine geht!“, mischte sich Mary ein und Leo
sah sie überrascht an – scheinbar hatte sie sie die ganze Zeit gar nicht wahrgenommen.
„Schon klar – bin ja schon weg!“, antwortete Leo schnippisch und machte auf dem Absatz
kehrt. „Was war das denn jetzt? Habt ihr euch gestritten?“, fragte Mary als Phönix die Tür
hinter sich geschlossen hatte. „Wir haben uns heute Nachmittag ein wenig in die Haare
gekriegt… sag mal wieso krieg ich eigentlich immer die durchgeknallten Weiber ab… in letzter
Zeit ist es echt schwierig mit Leo!“ „Können wir jetzt weiterschauen?“, fragte Sunny, die nicht
sehr an den Gesprächen ihrer Eltern interessiert war, ungeduldig. „Ja jetzt schauen wir
weiter!“, sagte Mary lachend und kuschelte sich neben ihre Tochter.
„Jingle Bells, jingle bells, jingle Bells rock…!“, sang Chris und versuchte damit seine Tochter
zu beruhigen. „Vielleicht schreit sie ja weil du singst?“, fragte Bonny lachend. „Ha ha – los
versuch es du mal!“, antwortete Chris und überreichte Bonny den kleinen Schreihals. „Sie hat
bestimmt wieder Bauchweh!“, sagte Bonny und streichelte Lynn den Bauch und nach kurzer
Zeit hörte sie tatsächlich auf zu schreien. „Oder vielleicht lag es aber doch an deinem
Gesang!“, sagte sie grinsend. „Ich werde es jetzt sicherlich nicht auf einen Versuch
ankommen lassen!“, antwortet Chris und rieb sich müde die Augen. „Sag mal, hast du dir
schon Gedanken darüber gemacht, wer die Patenschaft für die zwei übernehmen soll?“,
fragte Bonny. „Nein, habe ich noch nicht, aber das sollten wir mal, denn wenn ich nicht bald
mal wieder eine Nacht durchschlafen kann, dreh ich noch durch… nicht dass ich den
Schönheitsschlaf nötig hätte, aber meinen Augenringen würde das schon ein wenig
entgegenwirken!“ „Tz… schade dass Halloween schon vorbei ist, so furchtbar wie du
momentan aussiehst – vielleicht hat Lynn deswegen so geschrien!“, scherzte Bonny über
Chris Eitelkeit. „Ha ha sehr witzig – eigentlich hätte ich gerne Joker und Zoe gefragt, aber da
sie nicht mehr hier wohnen, sehen sie die kleinen ja eh kaum!“ „Oh nein, tu mir das bitte
nicht an, sonst kreuzen die beiden hier noch öfter auf als eh schon – ich bin froh wenn ich
ihre Gesichter nicht sehen muss!“, sagte Simon, der das Gespräch von Simon und Bonny
mitbekommen hatte. „Ich glaube nicht dass du zu entscheiden hast wen wir zu den Paten
unserer Babys machen!“, konterte Chris und hoffte dass Simon Ruhe gab – in letzter Zeit war
dieser nämlich ziemlich auf Krawall gebürstet und ließ keine Gelegenheit aus irgendeinen
Streit anzufangen. „Tja, dann solltet ihr solche Gespräche nicht hier im Wohnzimmer führen –
das ewige Gebrüll kotzt mich eh an!“ „Dann verschwinde du doch einfach – du gehst hier eh
jedem auf die Nerven – verzieh dich in dein Zimmer oder geh in irgendne abgefuckte Bar!“,
antwortete Chris genervt. „Ja gute Idee – das werde ich auch tun – machts gut ihr Penner!“
„Sag mal was geht denn mit dem ab? Bekommt ihm die Vorweihnachtszeit nicht?“, fragte
Bonny überrascht. „Ach keine Ahnung – der Typ ist einfach nicht mehr ganz richtig. Und
wegen dem sind Zoe und Joker gegangen – mir wäre es 1000Mal lieber wenn sie geblieben
wären und er sich einen anderen Tribe gesucht hätte!“, sagte Chris und bemerkte dabei gar
nicht, dass Simon inzwischen wieder zurückgekommen war, weil er seinen Pulli vergessen
hatte. „Achja? Na bloß gut, dass du nie jemanden gebraucht hast, der mit dir auf die Piste
gegangen ist und sich dein Gejammer über deine plötzliche Vaterschaft angehört hat!“,
antwortete Simon nur und trottete wieder nach draußen. „Ups, das war jetzt nicht sehr
freundlich von mir oder?“, sagte Chris beschämt, doch Bonny zuckte nur mit den Schultern:
„Sowie es in den Wald hineinschreit, schreit es auch heraus… mal im Ernst, es wurde so
langsam mal Zeit dass ihm jemand die Meinung sagt. Mach dir keinen Kopf. Und die Idee mit
Zoe und Joker als Paten finde ich ganz gut. Sie haben selbst einen Sohn und wenn sie
vorbeikommen dann können die kleinen miteinander spielen, zumindest wenn unsere beiden
größer sind. Jetzt muss nur noch ich mir Paten aussuchen!“, sagte sie dann und Chris sah sie
etwas erstaunt an. „Aber wir haben doch dann schon zwei – ich meine du hast dir ja schon
die Namen ausgesucht, da dachte ich, ich darf mir die Paten aussuchen!“ „Chris, Leo und
Leylie reißen mir den Kopf ab wenn ich sie nicht frage – außerdem bedeuten mehr Paten,
auch mehr Nächte in denen wir durchschlafen können!“, antwortete sie und hatte Chris damit
schnell überzeugt. „Ja da hast du auch wieder Recht.. gute Idee! So jetzt muss ich aber los –
die Jungs wollen einen Weihnachtsbaum besorgen!“ „Na dann viel Spaß – und bringt nicht
wieder so ein krummes Ding mit nach Hause wie letztes Jahr!“ Während sich die Jungs auf
den Weg in den Wald machten, hatte sich Radan davor gedrückt. „Sowas sinnloses!“,
murmelte er, während er die anderen beobachtete. „Was ist denn?“, fragte Rya. „Sie
schlagen einen Weihnachtsbaum, absolute Verschwendung wenn du mich fragst… ich hab die
Bäume einfach lieber, wenn sie im Wald stehen!“ „Ja da hast du Recht – wie lange ist es denn
eigentlich noch bis Weihnachten?“, fragte sie dann. „Noch genau eine Woche!“ „Wow echt
schon? Die Zeit vergeht ja wie im Fluge… wann war denn Halloween?“ „Na am 31.10. – was
ist denn los mit dir? Du bist so verwirrt!“, sagte Radan und setzte sich neben sie aufs Bett.
„Nein Quatsch… ich muss mir nur mal einen Kalender ins Zimmer hängen – dadurch dass
man keinen regelmäßigen Ablauf hat wie vor dem Virus, weiß man teilweise gar nicht welcher
Tag ist!“, grinste sie. „Ja da hast Du recht – damals in der Schule wusste man immer ganz
genau welches Datum man hatte, schließlich musste man ja immer abzählen, wie lange es
noch bis zu den nächsten Ferien dauert!“, antwortete Radan und küsste Rya. „Aber eigentlich
ist mir egal, welcher Tag gerade ist, Hauptsache ich kann ihn mit dir verbringen!“, sagte er
dann und nahm seine Freundin in den Arm. „Wenn ich nicht so wahnsinnig verliebt in dich
wäre, würde ich das gerade furchtbar kitschig finden!“, grinste sie dann und löste sich wieder
aus seiner Umarmung. „Ich werde dich jetzt aber verlassen müssen, denn ich glaube Alex
wollte heute Plätzchen backen und ich habe ihr versprochen zu helfen!“ „Sicher? Vorhin stand
niemand in der Küche…!“ „Na ich werde einfach mal nachsehen!“, sagte Rya und war schon
aufgesprungen. „Bis später mein Schatz!“, sagte sie grinsend und warf ihm einen Luftkuss zu.
Doch kaum hatte sie die Tür hinter sich geschlossen, stürmte sie sofort los in die Küche und
zu ihrer Erleichterung war dort wirklich niemand. Hektisch nahm sie den Kalender von der
Wand und blätterte zurück in den Oktober und begann die Wochen zu zählen. „Also
Weihnachten ist am 24.12.!“, unterbrach Alex sie und Rya zuckte erschrocken zusammen.
„Ich hab dich gar nicht kommen hören!“, antwortete sie nur. „Schaust du wohl gerade nach,
wieviele Tage du noch hast um deine Weihnachtsgeschenke zu besorgen?“, fragte Alex
freundlich. „Oh nein… das nicht… ich hab nur etwas nachgesehen…ich hab nur einen
besonderen Tag vergessen!“ „Oh, ich hoffe nichts schlimmes?“, fragte Alex sensibel. „Etwas
sehr persönliches!“, antwortete Rya nur und Alex nickte nur, da sie merkte dass Rya
scheinbar nicht darüber reden wollte. „Naja, ich werde mal rauf zu den Hunden gehen – ich
hab sie wegen Radan ganz schön vernachlässigt in letzter Zeit!“, sagte Rya dann und ging
eilig nach draußen – sie hatte nicht einmal daran gedacht sich eine Jacke mitzunehmen. Als
sie ein gutes Stück vom Internatsgebäude entfernt war, blieb sie erst einmal stehen und
atmete tief durch, bevor sie plötzlich in Tränen ausbrach. Der Tag den sie vergessen hatte,
war nämlich schon drei Wochen her und an diesem Tag hätte sie eigentlich ihre Regel
bekommen sollen. Sie stand noch eine Weile da bevor sie anfing zu frösteln. Auf zittrigen
Beinen machte sie sich auf den Weg zu den Hunden – im Moment wollte sie niemanden um
sich haben und bis zur Abendschicht für das Tierheim waren es zum Glück noch ein paar
Stunden.
Währenddessen nutze Estelle die Zeit in der Jake mit den anderen im Wald war um seine
Weihnachtsgeschenke einzupacken. „Ist das nicht lustig, ein R2D2 Wecker, er steht total auf
Startreck er freut sich bestimmt darüber!“, sagte Estelle und Jessi lachte: „R2D2 ist aus
Starwars Estelle!“ „Ja meine ich doch… und schau, dass hier ist die Collage die ich gebastelt
habe, mit lauter Bildern von uns. Das ist unser Hochzeitsfoto!“, sagte sie lachend. „Ihr habt
eure Hochzeitsfoto in ner Fotokabine gemacht? Ist ja witzig… das ist zumindest
außergewöhnlich. Das ist ein tolles Geschenk, er freut sich bestimmt total!“ „Ja das hoffe ich
– ich kann ihm nicht so viel kaufen. Er schenkt mir bestimmt wieder etwas sauteures!“,
antwortete Estelle etwas bekümmert. „Ach das ist doch nicht schlimm. Die Bilder sind so süß,
glaub mir, er wird es toll finden!“ „Na das hoffe ich – für Aereen habe ich auch etwas gekauft,
vielleicht taucht sie ja noch auf vor Weihnachten. Schau ein Parfum!“, sagte Estelle und hielt
Jessi den Flacon der wie ein Totenkopf geformt war vor die Nase. „Ist ja cool, ach ich würde
auch gerne jemanden beschenken!“, seufzte Jessi. „Du kannst doch mir etwas schenken!“,
sagte Estelle grinsend. „Ja ja das hättest du gerne was. Nein, ich hätte wirklich gerne wieder
eine Beziehung. Das mit Nika ist inzwischen schon so lange her. Um ehrlich zu sein hatte ich
ja gehofft, dass sich zwischen mir und Lily etwas entwickelt, aber da hab ich mir wohl etwas
eingebildet… und beim weggehen sprechen mich immer nur irgendwelche Typen an!“ „Dann
müssen wir eben mal in eine besondere Location – gibt’s hier in der Stadt nicht irgendne
Lesben-Bar? Oh das klang jetzt irgendwie abwertend, war aber nicht so gemeint!“, sagte
Estelle. „Bestimmt gibt es eine, aber dort sind dann nur solche unterwegs die auch aussehen
wie Männer!“, lachte Jessi. „Aber du hast Recht, vielleicht sollten wir es versuchen. Würdest
du mich etwa begleiten?“ „Na klar – ich wollte schon immer mal Mädels aufreißen gehen!“,
lachte Estelle. „Du bist eine blöde Kuh – komm lass uns weiter Geschenke einpacken, sonst
kommt Jake noch zurück und sieht schon alles!“
Während die anderen in den nächsten Tagen nur noch mit Weihnachtsvorbereitungen
beschäftigt waren, wurde Rya von Tag zu Tag unsicherer. Sie bildete sich sogar schon ein,
dass sie zugenommen hatte. An Heilig Abend stand sie skeptisch vor ihrem Spiegel und
versuchte eine Pose zu finden, in der sie sich gefiel. „Du siehst gut aus – sehr gut sogar!“,
sagte Radan und Rya lächelte ihn unsicher an. „Ich weiß nicht, meinst du nicht das Kleid
macht mich irgendwie dick?“ „Jetzt hör aber auf Rya – du siehst hammermäßig aus! Sonst
sorgst du dich doch auch nicht so um dein Aussehen.. was ist denn los?“ „Ach nichts, ich will
dir nur gefallen!“, antwortete sie nur und Radan lachte. „Du gefällst mir immer, dafür
brauchst du dich nicht so aufstylen! Ich hab dich am liebsten ganz natürlich!“ „Das war die
richtige Antwort!“, sagte Rya und fuhr sich mit der Hand nochmal über den Bauch. „Los lass
uns runter gehen – ich freue mich schon total auf das Essen – Alex hat extra etwas
Vegetarisches für uns gekocht!“ Als das Pärchen nach unten kam, waren schon fast alle
Plätze besetzt. „Kommt, setzt euch hier her!“, sagte Alex und deutete auf die beiden freien
Stühle neben sich, „das Essen dauert noch ein bisschen, aber der Glühwein ist schon fertig!“
„Oh Danke für mich bitte nicht!“, lehnte Rya ab. „Achso kein Problem, wir haben auch
Kinderpunsch!“ „Ach super, dann nehme ich auch die alkoholfreie Variante!“, sagte Radan
und legte seinen Arm um Rya. Nachdem Rya und Radan auch versorgt waren und alle
angestoßen hatten, unterbrach Alex die Gespräche indem sie mit ihrem Messer gegen ihre
Tasse klopfte. „Hey Leute, könnt ihr mir kurz zuhören? Ich habe eine Bitte an euch, oder
zumindest an den musikalisch begabten Teil von euch!“, sagte sie lächelnd. „Die Kinder im
Waisenhaus würden sich super freuen, wenn ein paar von euch kommen würden und für sie
ein bisschen spielt und singt – sie bekommen keine großen Geschenke, deshalb würde ich
mich freuen wenn wir ihnen so eine Freude machen könnten!“ „Na klar, das machen wir doch
gerne!“, antwortete Leo sofort und auch alle anderen waren sofort dabei. „Siehst du ich hab
doch gesagt, sie machen mit!“, flüsterte Justin seiner Freundin zu, die scheinbar ziemlich
unsicher war, ob die anderen mitmachen würden. „Super das ist wirklich klasse von euch –
naja ich werde jetzt mal nach dem Essen sehen – nicht dass noch etwas anbrennt!“ „Ich
begleite dich, nicht dass die ganze Arbeit wieder an dir hängen bleibt!“, sagte Zoe. „Ach
Quatsch bleib sitzen, ihr seid heute unsere Gäste, da müsst ihr mir doch nicht helfen!“ „Keine
Wiederrede, außerdem muss ich dir eh noch etwas erzählen, also los jetzt!“, widersprach Zoe
und begleitete Alex. „Achja, was gibt es denn?“ „Naja, also, du darfst es aber wirklich noch
keinem erzählen, ok?“ „Oh mein Gott heiratet ihr? Oder bist du schwanger?“, fragte Alex
aufgeregt. „Meine Güte nein – eigentlich wollte ich dir nur erzählen, dass Joker und ich uns
überlegt haben vielleicht wieder zu euch zurückzukehren!“, erzählte Zoe lachend. „Ihr wollt
wieder einziehen? Das wäre ja wirklich toll. Gefällt es euch etwa nicht mehr auf dem Land?“
„Doch schon, es war auch ganz gut, dass wir die erste Zeit etwas Ruhe hatten mit Luca, aber
er wird älter und da es hier im Tribe inzwischen soviele Babys gibt, glauben wir einfach dass
es besser ist, wenn er hier aufwächst. Auch wenn es hier manchmal stressig ist!“ „Ja das hört
sich vernünftig an – und was ist mit Simon?“ „Also was sich so von den anderen gehört habe,
ist er nicht nur zu mir und Joker so… wir werden ihn einfach ignorieren!“ „Ja das tun die
meisten hier inzwischen. Und was sagt Joker zu dem Umzug?“ „Naja, er hat zwar gesagt,
dass es ihm auf dem Land gut gefallen hat aber er braucht einfach Action. Neulich nach der
Party war er wie ausgewechselt – er war total gut drauf und hat sich gefreut die ganzen
Jungs mal wieder zu sehen, vor allem Chris und Phönix. Die anderen bei denen wir derzeit
sind, sind eher aus meinem Freundeskreis, er hat nicht so nen Draht zu den Jungs die da
wohnen!“ „Also ich würde mich sehr freuen, wenn ihr zurückkommt!“, sagte Alex aufrichtig
und Zoe umarmte ihre Freundin. „Ich mich auch – aber bitte sag den anderen noch nichts –
so und jetzt lass uns kochen – ich hab schon sooo Hunger und es riecht wahnsinnig lecker!“
Nachdem Zoe und Alex alles serviert hatten, kehrte schnell Ruhe am Tisch ein, denn wie
jedes Jahr hatte Alex einfach köstlich gekocht. „Zum Glück haben wir den Kochplan
eingeführt, stellt euch vor Alex würde jeden Tag kochen, dann wären wir bald kugelrund!“,
lachte Jessi. „Soll das etwa eine Spitze gegen meine Spaghetti a la Lynn sein?“, fragte Chris
grinsend. „Oh nein, die waren doch super … ein bisschen schwarz, aber die Röstaromen
waren exquisit!“ „Er ist eben ein guter Vater und wenn das Töchterchen schreit, dann ist
alles andere egal – auch die Spaghetti, die schon ne halbe Stunde im Ofen waren!“, lachte
Bonny. „Ich hab von Anfang an gesagt ich kann nicht kochen, also sagt nicht ihr wärt nicht
gewarnt gewesen!“ „Also das hier schmeckt auf jeden Fall ausgezeichnet!“, sagte Joker und
Alex lächelte schüchtern. „So ich würde sagen dann können wir endlich Geschenke
auspacken!“, sagte Mary wenig später, als der Abwasch erledigt war. „Und so wi es aussieht
wird die Bescherung heute wieder ewig dauern!“, fügte sie dann lachend hinzu, als sie einen
Blick auf den Weihnachtsbaum geworfen hatte unter dem sich allerlei Geschenke
angesammelt hatten. Um das Ganze nicht ewig in die Länge zu ziehen begannen die
Starlights einfach sich querbeet zu beschenken. „Mh, also ein Ring ist das ja schonmal
nicht!“, sagte Estelle kichernd, als ihr Jake ihr Päckchen gab. „Hattest Du gedacht ich
schenke dir einen Ring?“, fragte Jake ein wenig enttäuscht. „Ach Quatsch nein, aber hätte ja
sein können. Mir gefällt unser Kaugummi-Automaten Ring ganz gut!“, kicherte sie und öffnete
dann hastig das Geschenk. „Oh mein Gott – bist du bescheuert?“, kreischte sie und sah den
Schuhkarton auf ihrem Schoß an als wäre es eine Bombe. „Du kannst doch nicht…ich…ach
Mann!“, jammerte sie und stellte den Karton vorsichtig auf den Tisch bevor sie hektisch
davonrannte. „Was ist denn jetzt passiert?“, fragte Jessi verwundert, doch Jake zuckte nur
mit den Schultern. „Keine Ahnung, aber ich werde ihr mal hinterhergehen um das
rauszufinden!“, sagte er relativ gelassen – inzwischen war er Estelles merkwürdige
Reaktionen bereits gewohnt. „Also wenn sie sie nicht haben will, dann nehm ich die Schuhe,
bevor sie im Müll landen!“, sagte Jessi lachend, nachdem sie einen Blick ins Kartoninnere
gewagt hatte. Nachdem Jake eine Weile gesucht hatte, fand er Estelle in der Küche, wo diese
gerade schluchzend die Reste der Nachspeise zerstörte. „Hier bist du ja – was ist denn los?
Ich dachte eigentlich du freust dich über mein Geschenk!“, sagte Jake und setzte sich neben
seine Frau. „Die billigsten Schuhe von Yves Saint Laurent kosten 495 Euro… weißt du was
mein Geschenk für dich gekostet hat? 20 Euro … du kannst mir doch nicht so teure Sachen
schenken…!“, sagte sie schluchzend. „Deswegen weinst du? Es geht doch gar nicht darum,
was ein Geschenk kostet, sondern was es dem anderen Wert ist. Würdest du auf Deichmann-
Schuhe stehen hätte ich dir die gekauft. Estelle wirklich, ich bin froh wenn mir überhaupt
jemand etwas schenkt!“, sagte Jake lachend. „Außerdem ist es nicht nur ein
Weihnachtsgeschenk sondern auch etwas für unsere Hochzeit! Also jetzt hör auf zu weinen
und schau dir endlich die Schuhe an!“ „Ok!“, antwortete Estelle weinerlich und trottete hinter
Jake her. Nachdem sie die Schuhe endlich begutachtet hatte, waren ihre Sorgen um den Preis
schnell vergessen. „Schreibt auf eure Checkliste für die Hochzeit schonmal einen Hocker auf
den du dich stellen kannst, sonst wird das nichts mit dem Kuss!“, sagte Sam lachend, als
Estelle mit ihren Schuhen neben Jake stand und ihn um einen halben Kopf überragte. „Ich
setze einfach einen Hut auf, dann sieht es nicht mehr ganz so schlimm aus!“ Bald waren alle
Geschenke ausgepackt und im Gegensatz zu Estelle freuten sich die anderen über ihre
Geschenke. „Wow ein Wellness Tag – das ist ja lieb!“, bedankte sich Mary bei Lily. „Ja, damit
du mal ein wenig entspannen kannst – auf Sunny muss solange eben Phönix aufpassen!“,
sagte Lily grinsend. „Na dann mach mal dein Geschenk auf!“, sagte Mary und musste schon
kichern und als Lily den Umschlag geöffnet hatte, wusste Lily auch warum. „Oh ein
Gutschein für einen Wellnesstag!“, sagte Lily und musste herzhaft lachen. „Und auch noch im
gleichen Hotel, ist ja witzig. Am besten machen wir gleich ein Wochenende daraus!“, schlug
Lily vor und Mary stimmte ihr zu. „Danach sind wir wahrscheinlich so entspannt, dass wir da
gar nicht mehr wegwollen. Obwohl – wahrscheinlich vermisse ich Sunny schon nach einem
Tag!“, sagte sie dann und sah sich nach Sunny um, die mit ihrem Vater gerade ihre neue
Barbie frisierte. „Na hoffentlich behält die ihre Haare länger als die letzte!“, scherzte Mary als
sie sich neben die beiden gesetzt hat. „Ich schneide sie nicht ab, versprochen!“, sagte Sunny
mit verschmitztem Grinsen. „Ja ja, da reden wir in ein paar Wochen nochmal drüber…hast du
deinem Papa eigentlich schon sein Geschenk gegeben?“, fragte Mary und Sunny die über ihre
neue Barbie scheinbar alles vergessen hatte. „Upsi, hab ich vergessen!“, sagte sie und eilte
zum Weihnachtsbaum, wo inzwischen nur noch ein paar vereinzelte Geschenke lagen. „Aber
du musst vorsichtig aufpacken!“, sagte Sunny, nachdem sie ihr Geschenk übergeben hatte.
Unter dem bunten Disney-Papier kam ein Kalender zum Vorschein den Sunny mit ihrer Mama
gebastelt hatte. „Wow, das hast du alles selber gemacht?“, fragte Phönix und seine Tochter
nickte stolz. „Das ist ja lieb, danke!“, sagte Phönix und gab Sunny einen Kuss auf die Wange.
Diese lächelte nur kurz und stürmte dann schon weiter: „Ich muss Alex meine neue Barbie
zeigen!“ „Sie und ihre Barbies. Wir sollten eine Wette abschließen, wie lange sie ihre Haare
tatsächlich behält!“, sagte Phönix während er die einzelnen Kalenderblätter betrachtete. „So
richtig freuen kannst du dich nicht oder?“, fragte Mary. „Nein, nicht wirklich. Ich habe die
letzten 8 Weihnachten mit Aereen verbracht. Wir waren zwar nicht immer zusammen und
manchmal, naja meistens waren wir vielleicht gerade zerstritten, aber sie war zumindest
immer da. Auch wenn sie sich die ganze Zeit eigentlich nur über Weihnachten beschwert
hat!“ „Irgendwie ungewohnt, mh?“ „Ich wollte jetzt eigentlich sagen beschissen, aber
ungewohnt ist auch in Ordnung!“, sagte Phönix etwas geknickt. „Naja, vielleicht taucht sie ja
bald wieder auf. Ja ich weiß, Lilys Schwester und Michael sind auch noch verschwunden, aber
wenn wir nicht nach ihr Suchen, dann finden wir sie auf keinen Fall. Und wenn es nach
Estelles Dickkopf geht, dann werden wir eh fast täglich nach ihr Suchen!“, sagte Mary
lachend. „Ja da hast du recht, sie ist wirklich ein Dickkopf – naja… wollen wir uns zu Joker
und Zoe setzen? Wenn sie schonmal da sind, sollten wir das auch ausnutzen!“ „Gute Idee –
ich hol mir nur noch schnell eine Tasse Glühwein, dann komme ich nach!“ In der Küche
angekommen, traf Mary auf Leo und Leylie, die sich ebenfalls gerade Nachschub holten. „Hey
Mary, Glühwein oder Punsch?“, fragte Leo und nahm Marys Tasse. „Glühwein – danke!“,
sagte sie und Leo gab ihr kurz darauf ihre volle Tasse zurück. „Das wegen neulich tut mir
übrigens Leid. Ich hätte Sunny nicht so anschnauzen dürfen. Mir sind irgendwie die Nerven
durchgegangen. Phönix und ich haben uns an dem Tag ziemlich in die Haare gekriegt und ich
war sauer!“ „Schon gut… so richtig bekommt ihr beiden das nicht auf die Reihe oder?“ „Nein,
nicht so wirklich… je mehr wir reden, desto schlimmer verkrachen wir uns!“, sagte Leo
seufzend. „Naja, ist schon schwierig wenn man sich nicht aus dem Weg gehen kann… dass ihr
beide Anführer seid, machts bestimmt nicht einfacher! Vielleicht braucht ihr einfach einen
Vermittler – ich könnte mich als Therapeutin anbieten!“, sagte Mary lachend. „Ja vielleicht
brauchen wir das wirklich… na egal – Weihnachten ist nicht der richtige Zeitpunkt um das zu
klären. Wenigstens die drei Tage möchte ich friedlich verbringen!“, sagte Leo lächelnd und die
drei machten sich auf den Weg zurück zu den anderen. „Na, hast du die beiden Monster
ruhiggestellt?“, fragte Leo als sie sich neben Bonny setzte. „Jap, endlich… aber es ist nur eine
Frage der Zeit bis es mit der Ruhe vorbei ist!“ „Das glaube ich – ziemlich ruhig die
Weihnachtsfeier dieses Jahr… im Gegensatz zu letztem Jahr!“, sagte Leo grinsend. „Na zum
Glück – nach unserem großen Auftritt letztes Jahr ist es ganz in Ordnung wenn es dieses Jahr
ein weniger ruhiger zugeht!“, grinste Bonny und Leo gab ihr Recht: „Oh ja – meine erste
Sicherheitsvorkehrung: Kein Glühwein!“ „Du kannst schon etwas trinken Leo, ich glaube dir
schon, dass du kein Alkoholproblem hast!“, sagte Bonny. „Ach Quatsch… doch nicht
deswegen. Ich mache das aus Solidarität zu dir. Wenn du die zwei kleinen Monster nicht
mehr stillen musst, dann gehen wir wieder so richtig auf die Piste!“, kicherte Leo und Bonny
sah sie zweifelnd an. „Na klar – und nach nem Glas Sekt bin ich dann betrunken.. ich glaube
das ganze lassen wir dann erstmal langsam angehen!“
Nach und nach lichteten sich die Plätze und immer weniger saßen am großen Tisch in der
Aula. „Hey sagt mal, wem gehört denn eigentlich das Geschenk, dass noch unterm
Weihnachtsbaum liegt?“, fragte Jake, als er die Beleuchtung ausmachte. „Ist das dein
Geschenk für Aereen?“, fragte er seine Frau, doch Estelle schüttelte nur den Kopf. „Nein, das
habe ich oben in meinem Zimmer. Ich schau mal nach!“, antwortete sie und krallte sich das
Päckchen. „Es steht drauf für alle, also kann ichs aufmachen!“, sagte sie und rupfte ziemlich
ungehalten die Schleife herunter. Doch in dem Karton war nichts außer einem Zettel: „Mein
Geschenk an euch – ich verschwinde hier! Merry Christmas Simon!“ las Estelle vor und sofort
herrschte Ruhe am Tisch. „Hä? Was soll das denn?“, fragte Estelle und hielt Zoe den Zettel
unter die Nase. „Ist das Simons Schrift?“ „Ja, ich denke schon… ist irgendetwas passiert?“,
fragte sie dann. „Naja… also neulich hab ich mal was gesagt, das war nicht so nett, aber er
hat mich einfach genervt, ok… es ging ja jedem so – er hat sich ja überall unbeliebt
gemacht…!“, rechtfertigte Chris sich. „Er war wirklich gemein… Christ hat Lynn und Logan nur
verteidigt!“, fügte Bonny hinzu. „Wartet erstmal ab, vielleicht ist es wieder nur so ne Show
von ihm…!“, sagte Zoe. „Ein Wunder dass niemandem aufgefallen ist, dass er weg ist so
friedlich wie es heute hier war!“, sagte Justin. „Ich werd mal in sein Zimmer rauf sehen,
wenn er wirklich weg ist, dann wird er ja seine Sachen mitgenommen haben!“, sagte Phönix.
Und tatsächlich war Simons Zimmer bis auf ein paar Dinge leer geräumt. „Ich glaube der
meint es wirklich ernst!“, sagte Phönix und Justin der ihn begleitet hatte, durchsuchte noch
einmal die Schränke, doch auch hier war alles leer. „Scheiße Mann…so ein Mist!“, fluchte
Phönix. „Was ist denn los?“, fragte Justin verwirrt. „Na es kann ja wohl nicht sein, dass
niemanden auffällt, wenn jemand hier seine komplette Bude leerräumt und dann einfach
geht. Ich meine er hat es uns nicht mal persönlich gesagt, wie bescheuert ist das denn?
Wieso sind wir denn ein Tribe wenn es eh keine Gemeinschaft gibt!“ „Naja, also Simon hat ja
alles dafür getan, damit sich niemand mehr für ihn interessiert… also er war ja nicht ganz
unschuldig daran!“ „Ja aber er hat sich ja auch nicht ohne Grund so geändert… egal…
irgendwie hast du auch Recht. Naja, ich schau nochmal nach Sunny und geh dann gleich ins
Bett – sagst du bitte den anderen Bescheid wegen Simon?“ „Ja klar kann ich machen!“,
antwortete Justin und ging nach unten um den anderen mitzuteilen, dass Simon es scheinbar
doch ernst meinte. „Ganz schön krass… er hat sich so verändert!“, sagte Zoe und klang dabei
fast ein wenig schuldbewusst, doch Joker nahm sie in den Arm. „Mach dir nicht so viele
Gedanken Zoe, das war seine Entscheidung. Und mit dir hat das sicher nichts zu tun. Wir sind
damals freiwillig gegangen, damit er es leichter hat, mehr hätten wir wirklich nicht machen
können!“ „Ja da hast du Recht…!“ „Na also, wo hast Du denn Phönix gelassen? Jetzt sind wir
schonmal hier und er geht um halbelf ins Bett oder was?“, fragte Joker und Zoe lachte.
„Schatz es ist bereits halbzwei! Vielleicht solltest du mit dem Glühwein ein bisschen langsam
tun. Sag mal Alex habt ihr vielleicht ein Zimmer für uns frei? In weiser Voraussicht hab ich
schonmal ein große Übernachtungstasche für uns drei gepackt!“, sagte Zoe grinsend. „Na
klar, euer altes Zimmer ist immer noch unbesetzt! Dort könnt ihr gerne schlafen!“ „Super, ich
geh jetzt erstmal rauf und hol Phönix. Er hat mir nämlich vorhin von eurem super
Himbeerlikör erzählt und den müssen wir heute unbedingt noch probieren!“, sagte Joker
bestimmt und wankte nach oben. „Jetzt weiß ich auch was du meinst Zoe – vielleicht solltet
ihr wirklich wieder zu uns zurückkommen – das Problem mit Simon wäre ja jetzt auch
gelöst!“, sagte Alex leise zu Zoe und diese grinste nur vielversprechend.
Während die anderen sich noch in der Aula versammelt hatten, hatten sich Lily und Mary in
Lilys Zimmer verzogen. „Dieser Film ist so toll!“, schwärmte Mary als der Abspann von
Nightmare before Christmas zu Ende war. „Ich freue mich darauf wenn Sunny alt genug dafür
ist und ich ihn mit ihr anschauen kann!“ „Na ich hoffe den Film mit mir anzusehen, war nicht
ganz so schlimm!“, sagte Lily lachend und Mary entschuldigte sich sofort. „Oh so war das gar
nicht gemeint… sorry, ich hatte das ein wenig blöd formuliert!“ „Schon in Ordnung…mir hat
der Abend jedenfalls super gefallen. Aber jetzt ist es wirklich schon spät und ich muss so
langsam ins Bett!“, sagte Lily und Mary begleitete sie zur Tür. „Wir können das auch gerne
wiederholen!“, sagte Mary und Lily lächelte breit. „Sehr gerne, also gute Nacht. Und Schlaf
gut!, antwortete Lily und gab Mary einen flüchtigen Kuss auf den Mund. „Dir auch gute
Nacht!“, sagte Mary hektisch und wollte die Tür schließen, denn diese Situation überforderte
sie gerade immens. Doch Lily hatte schnell verstanden, dass sie Mary mit ihrem Kuss wohl
ein wenig überrascht hatte: „Oh sorry Mary – ich wollte dich nicht küssen… also eigentlich
schon, weil sonst hätte ich es ja nicht gemacht. Naja, ich mach das ja auch schon länger
diese Lesben-Sache…für dich ist das ja komplett neu. Es tut mir Leid!“ „Gute Nacht!“,
wiederholte sich Mary noch einmal und schlug Lily die Tür vor der Nase zu.
„…5…4…3…2…1…0…frohes neues Jahr!“, riefen die Starlights und fielen sich gegenseitig in die
Arme. Nachdem Simon verschwunden war, hatten sie beschlossen wieder mehr gemeinsam
zu unternehmen und so verbrachten sie Silvester alle zusammen im Internat. „Soll ich dir nur
die Hand schütteln oder ist es in Ordnung wenn ich dich umarme um dir ein tolles neues Jahr
zu wünschen?“, fragte Lily Mary. Die beiden hatten seit dem „Vorfall“ an Weihnachten kein
Wort mehr gewechselt. „Na ok, irgendwann müssen wir wohl darüber reden. Also pass auf,
du machst diese Lesben-Sache vielleicht schon länger, aber ich bin auch schon ein Weilchen
mit dieser Mama-Sache vertraut. Und ich glaube Sunny wird es erstmal wundern, wenn ich
mit einer Frau zusammen bin, aber ich werde es ihr erklären und sie wird es hoffentlich
verstehen. Aber so lange ist rumknutschen einfach noch nicht drin, ok? Und das an
Weihnachten war nicht böse gemeint, ich war einfach nur überfordert, aber ich bin froh dass
du den ersten Schritt gemacht hast, denn ich hätte das wahrscheinlich nie gemacht!“,
erklärte Mary und Lily sah sie lächelnd an. „Oh Gott sei Dank – ich dachte schon ich hätte mir
nur eingebildet dass da zwischen uns etwas ist!“, antwortete Lily erleichtert. „Nein, hast Du
nicht – und umarmen darfst du mich – und wenn du willst darfst du mich sogar küssen, denn
Sunny schlummert schon tief und fest!“, sagte Mary und Lily ließ sich das natürlich nicht
zweimal sagen. Natürlich weckten die beiden damit natürlich sofort das Interesse aller
anderen Tribe-Mitglieder. „Seit wann macht Mary mit Frauen rum?“, fragte Justin und seine
Freundin sah sich erst ein wenig verwirrt um, bevor sie Lily und Mary entdeckte. „Seit gerade
eben vielleicht?“, sagte Alex die ebenso überrascht war wie ihr Freund. „Aber zumindest fängt
das Jahr für die beiden ja ganz gut an!“, fügte sie dann grinsend hinzu und machte sich
anschließend auf den Weg zu Mary um ihr ein frohes neues Jahr – mit ihrer neuen Liebe – zu
wünschen.
„Da bist Du ja endlich – ein gesundes neues Jahr!“, wünschte Jake seinem Bruder und
umarmte ihn sogar. „Was ist denn in dich gefahren – du hast mir zuletzt ein gesundes neues
Jahr gewünscht, da war ich 12!“, antwortete Phönix verwundert. „Das ist so typisch für dich.
Anstatt es mir mal anzurechnen, dass ich auf dich zugehe, fragst du dich gleich was
dahintersteckt!“, sagte Jake und verdrehte die Augen. „Ist ja gut sorry – und danke – und dir
natürlich auch ein schönes neues Jahr!“ „Danke, es war aber wirklich nicht meine Idee auf
dich zuzugehen sondern die von Estelle, aber trotzdem hab ich das gerade ernst gemeint!
Denn um ehrlich zu sein kann das nächste Jahr für dich ja nur besser werden, so beschissen
wie das letzte war!“ „Sehr tröstende Worte, das baut mich jetzt wirklich auf. Wieso will Estelle
dass wir uns vertragen?“ „Weil sie eben Estelle ist – außerdem nervt sie mich mit ihrem
Gefrage warum wir so zerstritten sind und bevor ich ihr unsere ganze verkorkste
Familienhistorie erzähle, tu ich ihr lieber ihren Gefallen und vertrage mich mit dir!“ „Ja das
ist auch besser so… Haben wir jetzt genug miteinander geredet, so dass sie es uns abkauft?“,
fragte Phönix und versuchte möglichst unauffällig zu sichten ob Estelle sie noch beobachtete.
„Vielleicht sollten wir noch etwas zusammen trinken – das wirkt vielleicht authentischer!“,
schlug Jake vor und so gesellten sich die beiden zu Chris und Justin an die Bar.
Während die anderen feierten hatten Rya und Radan die Zeit genutzt um ein wenig am See
spazieren zu gehen. „Also hier gefällt es mir viel besser – die Ruhe tut richtig gut!“, sagte
Radan und Rya lächelte ihn an. „Ja da hast du Recht!“, antwortete sie knapp und Radan blieb
stehen. „Rya ist wirklich alles in Ordnung? In letzter Zeit bist du ziemlich ruhig und
nachdenklich... liegt es vielleicht an mir?“, fragte Radan. „Oh nein – es liegt nicht an dir - gar
nicht. Ich weiß auch nicht warum ich so ruhig bin, mir ist das selber gar nicht aufgefallen!“,
log sie und war froh dass es dunkel war – sie war eine miserable Lügnerin und war knallrot
angelaufen. „Doch wirklich… ich mache mir so langsam schon ernsthaft Sorgen um mich. Du
kannst mir wirklich alles erzählen Rya!“, versicherte ihr Radan nochmal und Rya überlegte
tatsächlich ob sie ihm erzählen sollte dass sie vielleicht schwanger war. Doch als sie beginnen
wollte zu reden, schlug ihr Herz so stark, dass sie sich nicht überwinden konnte: „Es ist
wirklich alles ok – ich bin einfach ein Sommermensch – wahrscheinlich ist es der Winter der
mich so mitnimmt!“, sagte sie nur und küsste Radan dann. „Und jetzt wünsche ich dir – nein
ich wünsche uns ein tolles neues Jahr und hoffe dass alles so bleibt wie es ist!“